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05.09.2025, Lokalredaktion
Es ist schon etwas Einzigartiges, wenn ein historisches Theaterstück am realen Ort des Geschehens aufgeführt werden kann. Mit dem Stück „Anna Rüdebusch“, unter der Regie von Ulf Goerges, basierend auf dem Roman „Mordstein“ von Helmut Heyen, präsentierte die Georg von der Vring-Gesellschaft am Donnerstag die Premiere auf dem Hof Golzwader Wurp 12.

Es ist ein Stück entstanden, dass die Besucher von der ersten Minute an mitnimmt. Sie durchleben Freud und Leid einer Familie, die im 17. Jahrhundert mit Torfabbau und Landwirtschaft versucht, sich über Wasser zu halten. Die Zeiten werden immer schlechter, die Obrigkeit verlangt immer mehr Abgaben, sodass ich die Eltern gezwungen sehen, nach Holland auszuwandern. Von dem Land erhoffen sie sich wieder, in Frieden und Wohlstand leben zu können.
Der Moorbauer Tjark de Vries (Alexander Oetken) und seine Frau Trientje de Vries (Monika Pfefferkorn) ziehen mit Sohn Wilhelm (Marcel Settnik), nach Jahren des Darbens,von der Heimat fort. Sohn Jan (Jendrik Ische) und Zieh-Tochter Anna Rüdebusch (Leonie Grote) bleiben in der Heimat.

Während Jan eine Stelle bei einem Bauern annimmt, geht Anna Rüdebusch als Magd auf den Hof von dem Großbauern Onno Reents (Jens A. Rose). Diese hat einen Sohn Sibet (Joshua Hagenbucher). Die Mutter ist einst bei der Geburt ihres Sohnes verstorben und nun sucht Onno Reents eine Frau für seinen Sohn und einen Erben für den Hof. Markt Anne-Kathrein (Anke Ruge) ist nicht verborgen geblieben. dass Siebet ein Auge auf Anna geworfen hat. Die beiden jungen Menschen fühlen ihre Zuneigung zueinander und es kommt, wie es kommen muss, Anna wird schwanger.




Dem Pastor Hannes Roeder (Klaus Decker) ringt Onno Reents das Versprechen ab, das uneheliche Kind von Anna als eine Reents taufen zu lassen, denn eine Heirat kommt aus Standesdünkel nicht zustande.

Die Kupplerin Greta Janssen (Melanie Lampe) schmiedet Ränke, die verwitwete Tochter von Großbauer Ummo Vollers (Peter Kruse), Edda Heyenga (Monika Pfefferkorn) mit Onno Reents zu verheiraten.

Edda Heyenga ist nicht abgeneigt, denn sie hat den Plan, den Hof an ihre Söhne Eike (Marcel Settnik) und Sohn Wilko (Kai Grube) zu übergeben.








Ränkeschmiede, Intrigen, Liebelei und schließlich ein Kind, geboren aus Liebe, das vielen nur wegen des Erbes im Weg steht und schließlich Opfer von Gier und Missgunst wird. Doch auch Anna Rüdebusch fällt dieser Gier und der Missgunst zum Opfer.

Dies geschah im Jahr 1637 und erst 14 Jahre später gibt es die Gerichtsverhandlung, in der die Wahrheit der Gräueltaten ans Licht kommt. Und so erfährt das Publikum, was seinerzeit mit Anna Rüdebusch passiert ist. Wahrheit oder Fiktion? Das weiß keiner so genau, denn es gibt keine Überlieferung zum wahren Ende der Anna Rüdebusch und ihres Kindes.

Die Schauspieler die im ersten Teil vor dem Hof spielten und im zweiten Teil in der Diele des Hauses, lieferten eine großartige schauspielerische Leistung. Obgleich das Stück einen wirklich ernsten Hintergrund hat, sind auch einige humoristische Szenen vertreten. Gevatter Tod (Anke Runge) schleicht immer wieder um das Haus der de Vries herum, auf der Suche nach einem Opfer. Der Folterknecht des Vogts (Axel de Grave) scheint seinen Beruf sehr zu lieben, denn das bringt er immer wieder zum Ausdruck. Majestätisch und mächtig kommt der Vogt von Ovelgönne (Alf Hauken) daher i und verleiht der Szenerie in der Diele nochmal eine ganz besondere Note.

Draußen, neben der Moorkarte, spielen die Darsteller, bei der untergehenden Sonne und einen wunderbaren Himmel im Hintergrund. Eine besondere Atmosphäre hüllt die Szenerie auf dem Hof ein.
Hinzu kommt, dass das Stück beginnt, indem sich der Antiquitätenhändler Bernhard Wolter (Michael Haaken) und der ehemalige Flussfischer Remko Düker (Thomas Hellmold) treffen und sich über den Mordstein austauschen, den Remko im Graben entdeckt hat. Bernhard Wolter wittert hier ein Geschäft und möchte den Mordstein bergen. Dann erst beginnt die eigentliche Geschichte und zwischendrin treffen sich die Beiden immer wieder und unterhalten sich, wie sich denn die Geschichte der Anna Rüdebusch wirklich zugetragen hat.

Die Darsteller können ihre Rollen mehr als überzeugend darstellen und die Zuschauer in die Geschichte hineinziehen. Besonders bewundernswert: Monika Pfefferkorn und Marcel Settnik übernahmen in dem Stück jeweils zwei Rollen. Das gut abgestimmtes Bühnenbild und die passende Atmosphäre am Aufführungsort trugen dazu bei, dass die Zuschauer am Ende rund 10 Minuten Applaus spenden.