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25.01.2026, Lokalredaktion
Vor ausverkauftem Saal präsentierte sich der aus Brake bekannte Mediziner Jörn Glock erstmals auf einer großen Bühne – und schaffte es, mit einer Mischung aus Bescheidenheit, Authentizität und musikalischer Leidenschaft das Publikum vom ersten Moment an zu berühren. Schon in seiner Eröffnungsrede machte er deutlich, dass dieser Abend kein lautes Spektakel werden würde, sondern eine ruhige, persönliche Reise durch mehrere Jahrzehnte Musikgeschichte.

Ohne Band, ohne Showeffekte, nur mit Akustikgitarre und Stimme saß er allein im Scheinwerferlicht. Doch gerade diese Reduktion verlieh dem Abend eine besondere Intensität. Im Saal herrschte eine fast greifbare Ruhe – nicht aus Zurückhaltung, sondern aus tiefem Respekt. Es war deutlich zu spüren, dass viele Gäste ihn persönlich kannten und gekommen waren, um ihn singen zu hören. Niemand wollte ihn unterbrechen, niemand erwartete Action. Die Atmosphäre war friedlich, konzentriert und ungewöhnlich still für ein Konzert – ein wohltuender Kontrast zu vielen anderen Veranstaltungen.
Der Abend begann mit einem Klassiker, der sofort unter die Haut ging. Bereits beim Eröffnungssong „Knockin‘ on heavens door“, einem weltbekannten Stück von Bob Dylan, wurden viele im Saal emotional – ein Moment, der selbst langjährige Konzertgänger berührte. Im Verlauf des Abends folgten weitere Songs aus den 60er- bis 90er-Jahren, darunter auch der besonders stille und intensiver Titel „Sound of silence“ von Simon & Garfunkel.

Die Auswahl war bewusst getroffen: Musik, die Generationen verbindet, Erinnerungen weckt und Raum für Gefühle lässt. Und genau diesen Raum nahm sich das Publikum – aufmerksam, ruhig, fast andächtig.
Was den Abend zusätzlich prägte, war die Ausstrahlung des Künstlers selbst. Als langjähriger Arzt, der von 1989 bis 2022 am St. Bernhard Hospital in Brake tätig war und dort viele Jahre als Chefarzt arbeitete, brachte er eine besondere Form von Gelassenheit mit. Diese Haltung übertrug sich spürbar auf den Saal. Die Gäste fühlten sich sicher, getragen, entspannt. Es war ein Konzert, das nicht nur musikalisch, sondern auch atmosphärisch wirkte.
Mit einem Augenzwinkern erzählte er, wie er vor zwei Jahren seine alte Gitarre wiederentdeckte und damit den „Spirit seiner Jugend“ zurückholte. Musik sei für ihn ein persönliches Gegenmittel gegen die Herausforderungen des Älterwerdens – ein Quell von Freude, Energie und innerer Balance. Er ermutigte seine Altersgenossen, Neues auszuprobieren, mutig zu sein und sich selbst wieder zu überraschen.
Das Konzert war zugleich eine Benefizveranstaltung. Die Einnahmen gehen vollständig an das Hospiz Wesermarsch – eine Einrichtung, die ihm besonders am Herzen liegt. „Eine Investition, von der wir vielleicht eines Tages selbst profitieren“, sagte er offen. Der Applaus zeigte, wie sehr das Publikum diese Haltung teilte. (Fotos: Madita Hessler, Text: Kerstin Seeland)