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09.02.2026, Lokalredaktion
Wie viele noch? Diese Frage stellt Prof. Dr. Kristina Wolff in ihrem Buch über Femizide in Deutschland. Am Freitag, 27. Februar 2026, liest sie um 19 Uhr, in der Buchhandlung von Bestenbostel, in Nordenham, aus ihrem im Oktober 2025 erschienenen Sachbuch „Wie viele noch? Deutschlands gebilligte Femizide”. Prof. Dr. Kristina Wolff ist Gründerin des Femicide Observation Center Deutschland (F.O.C.G.) und eine der zentralen wissenschaftlichen Stimmen zum Thema Femizide in Deutschland.
Auch auf regionaler Ebene zeigt sich die Dringlichkeit des Themas: In den vergangenen Jahren haben in der Wesermarsch mehrere Frauen die gegen sie gerichtete Gewalt nicht überlebt. Besonders gefährdet sind Frauen kurz vor oder zum Zeitpunkt der Trennung. „In dieser Phase verändern sich Machtverhältnisse, Abhängigkeiten lösen sich und das Risiko für erneute oder eskalierende Gewalt steigt deutlich an”, so Maren Ozanna, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Wesermarsch.
Prof. Dr. Kristina Wolff hat nach ihrer Tätigkeit als Professorin an zwei privaten Hochschulen in Köln im Januar 2019 die deutschlandweit erste und bis heute umfassendste Datenbank zu Femiziden aufgebaut. Die hochsensiblen Daten bilden die Arbeitsgrundlage des F.O.C.G., dessen regelmäßige Analysen und Handlungsempfehlungen unter anderem von den Vereinten Nationen publiziert werden. In ihrem Buch macht Wolff deutlich, dass Femizide keine tragischen Einzelfälle sind, sondern Ausdruck struktureller gesellschaftlicher, politischer und juristischer Versäumnisse.
Im Rahmen der Lesung und des Gesprächs wird zudem erläutert, was unter dem Begriff „Femizid” zu verstehen ist und warum diese Tötungsdelikte an Frauen als geschlechtsspezifische Gewalt benannt und sichtbar gemacht werden müssen. Mit ihrer wissenschaftlichen Aufklärungsarbeit und ihrem Engagement als Aktivistin fordert Prof. Dr. Kristina Wolff bereits im siebten Jahr die weiterhin ausstehende konsequente Umsetzung der Istanbul-Konvention (Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt) in Deutschland nachdrücklich ein. Die Lesung bietet Einblicke in ihre Forschung und Arbeit. Im Anschluss ist Raum für Diskussion und Austausch mit dem Publikum vorgesehen.
Den Toten ein Gesicht geben
Den Toten gibt im Rahmen der Lesung die Künstlerin Cihan aus Vechta Gesichter: Sie zeigt in einer Ausstellung eine Auswahl von Porträts von Frauen, die durch einen Femizid getötet wurden. Ihre Arbeiten verstehen sich als künstlerisches Zeichen gegen das Wegsehen und gegen das Verstummen angesichts geschlechtsspezifischer Gewalt. Jedes Porträt steht stellvertretend für ein individuelles Leben, das gewaltsam genommen wurde, und erinnert an die Geschichten hinter den oft anonymisierten Zahlen. Mit ihrer Porträtreihe macht Cihan die Frauen sichtbar und schafft einen Raum für Erinnerung, Würdigung und gesellschaftliche Auseinandersetzung.
Anne von Bestenbostel, die Inhaberin der Buchhandlung von Bestenbostel, beschreibt die Motivation für die Veranstaltung wie folgt: „Ich merke ein steigendes Interesse am Thema Femizid und Gewalt gegen Frauen. Bei der letzten Kinovorstellung im Rahmen der Orange Days war das Kino gut gefüllt, und auch in Romanen taucht das Thema immer öfter auf. Es ist gut, wenn alle dafür sensibilisiert werden. Ich bin froh, dass mich ein Kunde auf die Arbeit von Frau Dr. Wolff hingewiesen hat und wir sie einladen konnten.“
Ergänzt wird die Veranstaltung durch einen Büchertisch. Zudem besteht die Möglichkeit, erworbene Exemplare vor Ort von der Autorin signieren zu lassen. Veranstaltet wird der Abend von der Buchhandlung von Bestenbostel in Kooperation mit dem Referat für Gleichstellungsfragen des Landkreises Wesermarsch. Zur besseren Planung wird um vorherige Anmeldung unter der Telefonnummer 04731 923040 oder per E-Mail an info@bestenbostel.com gebeten. (pm/lr – Foto: Landkreis Wesermarsch)
Titelfoto: Anne von Bestenbostel und Maren Ozanna (v. l.) freuen sich auf die Lesung zu dem wichtigen Thema.
Wann: 27.02.2026, 19:00 Uhr
Wo: Marktpassage 2, 26954 Nordenham