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11.02.2026, Lokalredaktion
Die Kreislandvölker Wesermarsch und Friesland haben am Montag, 9. Februar 2026, zu einem gemeinsamen Neujahrsempfang in das Hotel Friesenhof in Varel eingeladen. Rund 130 geladene Gäste aus Landwirtschaft, Politik und Wirtschaft nahmen an der Veranstaltung teil.
Begrüßt wurden die Gäste von den Vorsitzenden der beiden Kreislandvölker, Dr. Karsten Padeken (Kreislandvolk Wesermarsch) und Lars Kaper (Kreislandvolk Friesland). Im Mittelpunkt des Abends standen die politischen Einordnungen zur aktuellen Lage in Gesellschaft und Landwirtschaft. Grußworte sprach der Landrat des Landkreises Friesland, Sven Ambrosy, der turnusgemäß auch für den Landkreis Wesermarsch sprach. Er beschrieb die derzeitige Situation als von Unsicherheit geprägt, betonte zugleich jedoch die Zuversicht und Handlungsfähigkeit der Region.
„Wir stehen vor großen Herausforderungen, aber wir haben in Friesland und der Wesermarsch schon viele schwierige Zeiten gemeinsam bewältigt. Mit Zuversicht und Zusammenhalt werden wir auch diese Phase meistern“, so Ambrosy. Positiv hob er die stabilen Beschäftigungszahlen in beiden Landkreisen sowie die
gewachsene Zusammenarbeit zwischen Kommunen und Landwirtschaft hervor. Auch im Wiesenvogelschutz wolle man diesen partnerschaftlichen Weg fortsetzen und sich perspektivisch als Modellregion positionieren.
Dr. Karsten Padeken ordnete die aktuelle wirtschaftliche Lage der landwirtschaftlichen Betriebe ein. Der anhaltende Winter stelle die Höfe vor zusätzliche Herausforderungen. Insbesondere der Milch- und Rindfleischmarkt stehe unter starkem Druck. Die Milchpreise seien zuletzt deutlich gesunken, während die Kosten für Futtermittel weiterhin hoch seien. Lars Kaper griff das Biomassepaket auf und richtete sich eindringlich an die politischen Vertreter vor Ort. Netzbetreiber setzen den anzulegenden Wert nach §39g Abs. 6 EEG zu niedrig an. Er forderte, dass der anzulegende Wert verbindlich Bestand haben müsse und
der Gesetzestext klar definiert werde, andernfalls bestehe die Gefahr, dass Anlagen stillgelegt und Arbeitsplätze verloren gehen.
Katharina Jensen, CDU-Landtagsabgeordnete, ging auf zentrale agrarpolitische Themen ein. Sie war kurzfristig für die verhinderte Bundestagsabgeordnete Silvia Breher eingesprungen. Jensen skizzierte die derzeitigen agrarpolitischen Themen und rief dazu auf, neben den bestehenden Herausforderungen auch positive Entwicklungen in den Blick zu nehmen. Erste Erfolge seien unter anderem bei den Agrardieselregelungen und der Pendlerpauschale erzielt worden. Die Regelungen zu den sogenannten roten Gebieten seien aktuell ausgesetzt, Sanktionen würden derzeit nicht verhängt. Gleichwohl bestehe weiterhin Handlungsbedarf. Das Verursacherprinzip müsse „klar und rechtssicher geregelt werden“.
Zum geplanten Mercosur-Abkommen nahm Jensen Stellung. Sie wies darauf hin, dass trotz bestehender Vorbehalte Chancen für die Landwirtschaft bestünden, insbesondere für Milchprodukte und Schweinefleisch, und dass Sorgen aus der Praxis ernst genommen und in laufenden Gesprächen auch berücksichtigt werden. Ein Beispiel dafür seien bereits die Mengenbeschränkungen. Jensen machte zudem deutlich, dass das geplante Agrarstrukturgesetz kritisch geprüft werden müsse, da es erhebliche Auswirkungen auf Betriebe und die regionale Entwicklung haben könne.
In der anschließenden Diskussionsrunde standen die Mitglieder des Deutschen Bundestages Anne Janssen und Bastian Ernst gemeinsam mit dem Publikum im Austausch. Begleitet wurde die Runde von Manfred Ostendorf, Geschäftsführer der beiden einladenden Kreislandvolkverbände. Dabei wurde unter anderem die Ausgestaltung der GAP ab 2028, der Bürokratieabbau, Fragen der Versorgungssicherheit sowie regionale Themen wie Energieerzeugung, Entwässerung und das Leader-Programm angesprochen. (pm/lr – Foto: Sarah Paßiel/KLV Wesermarsch)