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11.03.2026, Lokalredaktion
In dem vollbesetzten Mühlencafé ließen es sich die Frauen am Weltfrauentag so richtig gut gehen. Essen, Trinken und dazu noch ein Informationsprogramm von vier Noord Nöörds aus der Wesermarsch, die von ihrer Arbeit, ihrem Hobby, ihrer Lebensaufgabe und Politik berichteten.

Anita Herrmann (Foto rechts) aus Stadland, von der Fachstelle Inklusion des Landkreises Wesermarsch berichtete, dass Frauen mit Behinderungen in Deutschland weiterhin deutliche Benachteiligungen erleben, besonders im Gesundheitswesen und in ihrer persönlichen Selbstbestimmung. Barrierefreie Arztpraxen und spezialisierte Angebote sind selten, sodass viele Frauen keine angemessene medizinische Versorgung erhalten. Trotz gesetzlicher Rechte fehlt es an praktischer Umsetzung: Unterstützungsangebote, Assistenzleistungen oder geeignete Räume für Familiengründung und Partnerschaft sind kaum vorhanden. Auch im Alltag stoßen Menschen mit Behinderung auf zahlreiche Barrieren, etwa beim Zugang zu Arbeit, öffentlichen Räumen oder Einkaufsmöglichkeiten. Viele Behinderungen sind unsichtbar, was zusätzliche Ausgrenzung verstärkt.
Sie berichtete, dass sie durch ihren schwerbehinderten Vater früh gelernt hat, für Rechte einzustehen. Diese Erfahrungen prägen ihre heutige Arbeit im Bereich Inklusion. Mit Projekten wie dem „Café Vielfalt“ möchte sie Begegnung, Austausch und Bewusstsein schaffen. Ziel ist es, Menschen mit Behinderung sichtbar zu machen und gemeinsam über Inklusion nachzudenken. Veranstaltungen wie der Aktionstag am 7. Mai sollen zusätzlich auf ihre Rechte aufmerksam machen und die Öffentlichkeit einladen, ins Gespräch zu kommen.
Susanne Frank (Foto 2. v. li.) aus Butjadingen, liest alle Inhaltsstoffe auf Verpackungen und ließ die Zuhörerinnen an Dem teilhaben, womit sie sich tagtäglich beschäftigt. Auf Verpackungen stehen die Inhaltsstoffe immer in einer internationalen Fachsprache (INCI), damit sie weltweit einheitlich lesbar sind. Die Reihenfolge ist entscheidend: Der wichtigste und mengenmäßig größte Stoff steht immer zuerst, danach folgen alle weiteren in absteigender Menge. So lässt sich schnell erkennen, woraus ein Produkt hauptsächlich besteht. Viele Menschen wissen nicht, dass man mit einem einfachen System — symbolisiert durch fünf Finger — die wichtigsten Bestandteile erkennen kann: Der Daumen steht für die Hauptinhaltsstoffe, der kleine Finger für die sehr kleinen Zusätze wie Duftstoffe oder Konservierungsmittel, die aber für empfindliche Personen wichtig sein können. Susanne Frank betonte, wie wichtig die Herkunft der Rohstoffe ist. Viele Öle, Fette und Pflanzenstoffe stammen aus ökologischen Projekten, oft von Frauenkooperativen weltweit. Sie legt Wert darauf, nur mit Firmen zu arbeiten, die fair und transparent produzieren und möchte vermitteln, dass man kein Experte sein muss, um Kosmetik zu verstehen — man muss nur lernen, die Angaben auf der Rückseite zu lesen. Als kleine Aufgabe empfiehlt sie, zuhause einmal ein beliebiges Produkt aus dem Badezimmer zu nehmen und bewusst die ersten Inhaltsstoffe zu betrachten, um ein Gefühl dafür zu bekommen, was man täglich auf die Haut aufträgt. Ziel ist es, Menschen zu befähigen, selbstbestimmt zu entscheiden, welche Produkte sie verwenden möchten.
Olga Melcher (Foto 3. v. re.) aus Nordenham hat die Krebsselbsthilfegruppe PINK24 gegründet und beschrieb ihre Erfahrungen in der Selbsthilfe engagiert. Sie erzählte, wie schwierig es für viele Frauen ist, sich im medizinischen System zurechtzufinden, besonders wenn Sprachbarrieren, psychische Belastungen oder fehlende Unterstützung hinzukommen. Viele Frauen wissen nicht, welche Rechte sie haben oder welche Angebote es gibt. Deshalb versucht sie mit der PINK24, Orientierung zu geben, Informationen zu sammeln und gemeinsam Lösungen zu finden. Sie berichtete, wie sie selbst nach Kliniken, Ärztinnen und Beratungsstellen gesucht hat und wie chaotisch und überfordernd dieser Prozess oft ist. Durch ihr Engagement entstand schließlich eine Frauengruppe, die sich regelmäßig trifft, sich austauscht und gegenseitig stärkt. Die Gruppe wächst stetig, weil viele Frauen ähnliche Probleme haben – gesundheitlich, psychisch, familiär oder beruflich. Sie hören einander zu, unterstützen sich und holen bei Bedarf Fachleute dazu, etwa aus Selbsthilfeverbänden oder Landesorganisationen. Die Gruppe beschäftigt sich mit Themen wie Krebs, Arbeitsrecht, Behandlungsmöglichkeiten oder neuen medizinischen Methoden. Viele Frauen haben Schwierigkeiten, Informationen zu verstehen oder sich im System zurechtzufinden, weshalb die Gruppe ihnen hilft, Anträge zu stellen, Entscheidungen zu treffen oder Unterstützung zu finden. Neben ernsten Themen gibt es auch kreative Angebote wie Basteln, Kunstprojekte oder gemeinsame Spaziergänge, die den Zusammenhalt stärken. Durch Spenden können sie kleine Aktionen finanzieren und weiterhin Frauen unterstützen, die sonst allein wären.
Christina-Johanne Schröder (Foto 2. v. re.) aus Berne ist Kreistagsmitglied und hat die Geschichte des isländischen „langen Freitags“, einem historischen Tag, an dem 90 % der Frauen in Island ihre Arbeit niederlegten – sowohl ihre bezahlte Arbeit als auch die Sorgearbeit zu Hause – erzählt. Dieser Streik machte sichtbar, wie sehr das Land von der Arbeit der Frauen abhängig war: Schulen blieben geschlossen, Flüge fielen aus, Geschäfte konnten nicht öffnen und viele Männer merkten erstmals, wie viel ihre Partnerinnen täglich leisten. Dieser Tag veränderte Island nachhaltig. Bereits ein Jahr später wurden wichtige Gleichstellungsgesetze verabschiedet, darunter Regelungen zur gleichen Bezahlung und zur besseren Kinderbetreuung. Die Aktion führte außerdem dazu, dass mehr Frauen politisch aktiv wurden und Verantwortung übernahmen. Island gilt bis heute als eines der Länder mit den stärksten Gleichstellungsrechten weltweit. Christina-Johanne Schröder zieht daraus den Schluss, dass auch die Frauen hier sich ein Beispiel nehmen können. Sie wies darauf hin, dass es lokale Aktionen wie einen Frauenstreik in Nordenham gibt, die ein Zeichen setzen sollen. Gleichzeitig betonte sie, wie wichtig politische Teilhabe ist – besonders auf kommunaler Ebene, wo jede Stimme und jede Kandidatur etwas verändern kann. Die isländische Erfahrung zeigt, dass gesellschaftlicher Wandel möglich wird, wenn Frauen sich zusammenschließen, solidarisch handeln und ihre Rechte einfordern. (Foto und Text: Kerstin Seeland)