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25.03.2026, Lokalredaktion
Steelwind Nordenham und politische Vertreter fordern Schutzmaßnahmen für europäische Monopile-Produktion
In einer Strategie-Sitzung haben der niedersächsische Wirtschaftsminister Grant Hendrik Tonne, MdL Karin Logemann (SPD), Nordenhams Bürgermeister Nils Siemen, Managing Director Andreas Liessem, der kaufmännische Geschäftsführer Korbinian Ott, der Betriebsratsvorsitzende Orcun Büyükkonuk, die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Ivonne Hinrichs und Jochen Luitjens von der Gewerkschaft IG Metall eindringlich vor den Folgen chinesischen Dumpings im Offshore-Windmarkt gewarnt. Im Zentrum stand die akute Bedrohung der europäischen Monopile-Produktion durch massiv subventionierte Importe aus China.
Marktkrise und strategische Bedrohung
Steelwind, eine 100%ige Tochter der Dillinger Hütte, verarbeitet jährlich bis zu 170.000 Tonnen Grobblech – rund 10% der Dillinger-Jahresproduktion. Die Unternehmenslage ist durch externe Schocks geprägt: fehlende politische Planungssicherheit in Europa, der Zusammenbruch des US-Markts und die aggressive Marktdurchdringung Chinas. Letztere erfolgt durch Dumpingpreise, die auf staatlich subventioniertem Stahl basieren. Während europäische Hersteller rund 1.100–1.200 Euro pro Tonne zahlen, bieten chinesische Anbieter Monopiles für etwa 600 Euro pro Tonne an.

Umgehung von EU-Zöllen und Logistikoffensive
Zwar erhebt die EU Zölle auf Grobblechimporte, jedoch nicht auf fertig verarbeitete Monopiles. Diese Regelungslücke ermöglicht eine faktische Umgehung von Schutzmechanismen. Zusätzlich bauen chinesische Hersteller eigene Logistikflotten mit emissionsarmen Antrieben, um Kosten weiter zu senken und Nachhaltigkeitsdebatten zu umgehen.
Politische Einschätzung und operative Risiken
Politische Vertreter bewerten die chinesische Handelspolitik als gezielten Angriff auf den europäischen Markt. Die strategische Abhängigkeit von China wird als zentrales Risiko benannt. Auch operativ zeigt sich die Verwundbarkeit: Projektverzögerungen, etwa beim Netzanschluss, können zu Auftragsverlusten führen – selbst bei vereinbarten Strafzahlungen.
Politischer Handlungsplan
Grant Hendtik Tonne skizziert einen zweistufigen Maßnahmenplan:
- Kurzfristig: Einführung zusätzlicher Safeguard-Regelungen und Zölle auf fertige Monopiles innerhalb von wenigen Monaten
- Langfristig: Etablierung von Local-Content- und Buy-European-Regelungen zur Stärkung der europäischen Wertschöpfungskette
Niedersachsen und das Saarland haben bereits ein gemeinsames Schreiben an den Bundeskanzler und die Bundeswirtschaftsministerin versendet. Weitere Bundesländer sollen eingebunden werden. Auch auf EU-Ebene wird das Thema aktiv adressiert.
Regionale Bedeutung von Steelwind
Steelwind hat in den letzten Jahren rund 100 Millionen Euro investiert und die Belegschaft auf über 400 Mitarbeitende erhöht. Ein neues Ausbildungszentrum, in das bereits eine Million Euro investiert wurde, stärkt die Fachkräftebasis in der Region. Dennoch droht ab Januar 2026 ein Beschäftigungsstopp, sollte keine Vertragsverlängerung mit RWE erfolgen und keine politischen Schutzmaßnahmen greifen.
Konsens und Ausblick
Alle Beteiligten – Unternehmen, Politik, Gewerkschaft – sind sich einig: Die Lage ist ernst und erfordert entschlossenes Handeln. Die gemeinsame Allianz setzt sich für faire Wettbewerbsbedingungen, den Schutz europäischer Industrie und die Vermeidung strategischer Abhängigkeiten ein. Die Botschaft lautet: „Das eine machen, ohne das andere zu lassen“ – schnelle Schutzmaßnahmen und langfristige Strukturpolitik müssen Hand in Hand gehen. (Fotos und Text: Kerstin Seeland)
Titelfoto: Nils Siemen, Jochen Luitjens, Karin Logemann, Orcun Büyükkonuk, Ivonne Hinrichs, Grant Hendrik Tonne, Andreas Liessem und Korbinian Ott