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24.04.2026, Lokalredaktion
Analyse unterstreicht Potenzial der Strecke Hude – Nordenham
Aktuell ist die Bahnstrecke Hude – Nordenham weitgehend eingleisig. Und wenn es ausschließlich nach den prognostizierten Zahlen von Güter- und Personenzügen bis 2040 geht, wäre das auch weiterhin ausreichend. Allerdings lässt das Szenario einen zentralen Punkt unbeachtet: Den Wunsch der Wirtschaft und des Landkreises Wesermarsch, den Verkehr von der Straße deutlich stärker auf die Schiene zu verlegen.
„Wir als IHK sehen uns als Kümmerer und mahnen einen großzügigen Ausbau der Strecke an“, betonte IHK-Präsident Jan Müller am Mittwoch bei der Vorstellung der Ergebnisse einer von der Oldenburgischen IHK in Kooperation mit dem Landkreis Wesermarsch in Auftrag gegebenen Analyse besagter Bahntrasse.
Dafür hat die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule (RWTH) Aachen die Leistungsfähigkeit und das Potenzial des Streckenabschnitts unter verschiedenen Voraussetzungen untersucht und mögliche Handlungsempfehlungen zusammengestellt. Aktuell sei die Strecke zwar ausreichend dimensioniert, sagte der Leiter des Lehrstuhls für Schienenbahnwesen und Verkehrswissenschaft, Professor Dr. Nils Nießen, bei der Projektvorstellung. Eine Zunahme des Güterverkehrs könnte aber dazu führen, dass die „Infrastruktur abschnittsweise nicht ausreichend für eine optimale Betriebsqualität“ wäre, machte Sebastian Giese, wissenschaftliche Mitarbeiter am Fachinstitut der RWTH, deutlich. Dabei gibt es eine einfache, vergleichsweise kostengünstige und kurzfristig umsetzbare Lösung: die Verlängerung der Überholgleise in Elsfleth und Neuenkoop.
„Und wir sehen für die Zukunft nicht, dass die Zugzahlen zurückgehen werden“, so Müller. Im Gegenteil: Gebe es eine verlässliche und belastbare Bahninfrastruktur, könnten Firmen in der Wesermarsch diese in ihre Produktionsabläufe einplanen, führte Jürgen Eilers, Geschäftsführer der Norddeutschen Seekabelwerke und Vorsitzender der IHK-Beirats Wesermarsch, aus. „Aber die Zuverlässigkeit der Bahnstrecke ist aktuell nicht gegeben“, bedauerte er.
Dabei sei nicht nur sein Unternehmen an einem Streckenausbau interessiert. Auch Kronos, Glencore und Steelwind hätten sich ähnlich geäußert, unterstrich Wesermarsch-Landrat Stephan Siefken. Er sieht gleich drei Gründe für einen Ausbau der Strecke zwischen Hude und Nordenham – und zwar nicht nur mittelfristig durch die Verlängerung der Überholgleise in Elsfleth und Neuenkoop, sondern langfristig durch einen zweigleisigen Ausbau des Abschnitts Hude – Brake. „Es geht dabei erstens um wirtschaftliches Wachstum, zweitens um eine Verbesserung der Mobilität im ländlichen Raum und drittens um einen Beitrag zum Klimaschutz“, so Siefken. Den drohenden Fahrermangel im Logistikbereich habe er dabei noch gar nicht mit in die Bewertung einbezogen.
Und die Aussichten, dass es nicht allein bei Analyse und Forderungen bleibt, stehen gut: „Wir stoßen bei der DB InfraGo zumindest nicht auf Ablehnung“, betonte IHK-Präsident Müller. Nun müsse man entsprechende Fördertöpfe zur Finanzierung des Ausbaus finden. „Mit den zwei Überholgleisen haben wir einen guten Zwischenschritt, der als Invest machbar und möglich ist.“
Wie schon bei der Umsetzung der beiden neuen Bahnbrücken über die Hunte in Oldenburg und Elsfleth-Ohrt gelte es auch bei diesem Projekt den Schulterschluss zu suchen, weshalb man bewusst als IHK gemeinsam mit dem Landkreis Wesermarsch agiere. Vor dem Hintergrund aktueller Krisen gewinne das Thema Schienenverkehr im Sinne der Nachhaltigkeit wieder deutlich an Attraktivität. Gut also, dass ein Gesprächstermin der beteiligten Akteure mit der Bahn bereits geplant ist. (pm/lr – Foto: Foto- und Bilderwerk)