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21.05.2026, Lokalredaktion
Wie Berufsbetreuer arbeiten und mit welchen Problemen sie zu tun haben – das war das Top-Thema auf der Mai-Sitzung des Kreisbehindertenbeirates Wesermarsch (KBR). Zu Gast waren der Berufsbetreuer Johann Dieckmann aus Rodenkirchen und Ramona Göbel vom Verein Betreuungsgemeinschaft Wesermarsch mit Sitz in Brake. Die gute Nachricht, die sie mitbrachten: Berufsbetreuer müssen nicht mehr so lange auf ihr Geld warten wie noch vor wenigen Wochen.
Ramona Göbel führte die Verzögerungen auf die Digitalisierung an den Amtsgerichten in Brake und Nordenham zurück. „Seit ungefähr drei bis vier Monaten herrschen jedoch wieder normale Verhältnisse“, berichtete sie.
„Berater und Unterstützer – nicht die Entscheider“
Die schlechte Nachricht: „Berufsbetreuer werden verzweifelt gesucht“, wie Dieckmann bestätigte. Zusammen mit Ramona Göbel stellte er die vielfältigen Aufgaben und Tätigkeitsbereiche der Berufsbetreuer vor. Johann Dieckmann betonte: „Wir sind vor allem Berater und Unterstützer unserer Klienten, aber nicht die Entscheider. Wir müssen immer den Willen und den Wunsch der Betreuten berücksichtigen – und sie stets fragen, was sie wollen.“
Für ihre Arbeit brauchen die Berufsbetreuer einen Auftrag des Gerichtes. Ein Aufgabenbereich kann die Gesundheitssorge, ein anderer die Vermögensverwaltung, ein weiterer Wohnungsangelegenheiten sein. Besonders häufig kümmern sich Berufsbetreuer um Rechts-, Antrags- und Behördenangelegenheiten. Zum Beispiel beantragen sie Renten, Grundsicherungsleistungen, Bürgergeld und Wohngeld.
Johann Dieckmann machte aber auch deutlich, dass Berufsbetreuer für viele Angelegenheiten nicht zuständig sind: „Beispielsweise sind wir keine Einkäufer, Fahrer, Rechtsanwälte, Kreditinstitute, Unterhalter oder Rundumdienstleister.“
In ihrer Arbeit kommen Ramona Göbel und Johann Dieckmann oft damit in Berührung, wie wichtig Patientenverfügungen und Vorsorgevollmachten sind. Ihr Aufruf: Alle volljährigen Menschen sollten für solche Dokumente sorgen, damit ihre Angehörigen im Notfall wissen, was sie zu tun haben.
LNVG-Termin mit positiven Folgen
Im Dezember 2025 reisten Heike Krüßmann, Vorsitzende des Senioren- und Behindertenbeirates der Gemeinde Lemwerder, sowie Albert Mumme und Sven Janßen für den Kreisbehindertenbeirat Wesermarsch nach Hannover. Dort trafen sie sich mit Vertretern der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG). Thema waren die Missstände im Bahnverkehr und vor allem bei der Nordwestbahn.
Auf der jüngsten KBR-Sitzung informierte Heike Krüßmann über die konkreten Ergebnisse nach dem Termin mit der LNVG. Die Behörde schilderte der Behindertenvertreterin schriftlich, welche Maßnahmen sie ergriffen hat. So wurden die Piktogramme an den LNVG-Fahrzeugen vollständig überarbeitet, vereinheitlicht und deutlich sichtbarer gestaltet. Im Herbst 2026 soll die neue Kennzeichnung der Behindertenbereiche an den Fahrzeugen angebracht werden.
Außerdem will die LNVG die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Callcentern aufklären, damit sie feinfühliger auf die Anliegen von Menschen mit Behinderungen reagieren. Dabei sieht die LNVG nach eigener Aussage „insbesondere die Nordwestbahn in der Verantwortung“. Ferner plant die LNVG im Rahmen der „Woche der Gerechtigkeit“ vom 31. August bis 4. September eine Social-Media-Kampagne zum Thema Soziale Teilhabe.
Die nächste Sitzung des KBR findet am 22. Juni 2026, um 16.30 Uhr in Brake statt. Voraussichtlich im Kreishaus werden dann die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister aus der Wesermarsch Rede und Antwort stehen. Die Sitzung ist öffentlich. Gäste sind, wie immer, willkommen. (Text: Thomas Klaus)