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29.06.2026, Lokalredaktion
„Hochwasser oder Stromausfälle – all das ist schon Wirklichkeit. Vorsorge ist darum eine Aufgabe, die alle betrifft. Wenn die Menschen heute den einen oder anderen Vorsorgegedanken mit nach Hause nehmen, haben wir schon viel erreicht“, hieß es in der Begrüßungsansprache zum 2.Hochwasserschutztag von Landrat Stephan Siefken, bei dem neben Krisenvorsorge und Katastrophenschutz besonders vulnerable Gruppen im Mittelpunkt standen. Und mitzunehmen gab es auf dem OOWV Gelände und der an Braker Kaje nicht nur die neue Broschüre des Landkreises, die Wesermärschlern oder Pflegenden als Ratgeber und Checkliste mit allerlei Tipps hilfreich zur Seite stehen soll. Viele Denkanstöße gab es auch bei Diskussionen, Fachvorträgen oder an den Info-Ständen, an denen auch den jungen Besuchern viel geboten wurde.

Katstrophenschutz sei eine Gemeinschaftsaufgabe, bei der jeder dazu beitragen könne, dass aus Unsicherheit Handlungsfähigkeit werde, betonte der Landrat. OOWV-Geschäftsführer Axel Frerichs, der die trotz der großen Hitze vielen Gäste zur Podiumsdiskussion in der Kantine des Unternehmens begrüßte, sagte, dass der Wasserverband so krisensicher wie möglich aufgestellt sei. Vieles könne man zwar nicht verhindern, doch wichtig sei, schnell wieder handlungsfähig zu sein. Dazu gehören unter anderem zwei Evakuierungsräume in der Wesermarsch. Am Berufsbildungszentrum Brake seien dafür zwei Großraumzelte mit Notstrom untergebracht.

Viele Gefahren seien heute durch technische Hilfsmittel wie beispielsweise Airbags abtrainiert. Doch die Menschen müssen lernen, wieder mehr Verantwortung zu übernehmen und im Notfall unterscheiden können, was für sie wichtig sei, erklärte Prof. Dr. Peter Bradl, Leiter des Instituts für Rettungswesen, Notfall- und Katastrophenmanagment Würzburg, der genau Dr. Jutta Freymuth (Bezirksverband Oldenburg), Jürgen Schreiber (ehem. Generalssekretär der Deutschen Gesellschaft für Katastrophenmedizin), Jan Hoffmann (Geschäftsführer Sozialverband Wesermarsch/Ammerland) und Dr. Gesa Schirrmacher (Nds. Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung) zu den Diskussionsteilnehmern gehörte.

Während Pflegeeinrichtungen gesetzlich dazu verpflichtet sind, sich auf Notfälle vorzubereiten, weiß niemand genau, wo Pflegebedürftige in ihren eigenen vier Wänden leben. Um bei Katastrophen gezielt Personen ab Pflegegrad 3 helfen zu können, wurde von LifeGRID für den freiwilligen Eintrag ins Pflegeregister Wesermarsch geworben. Dort wird neben der Adresse hinterlegt, welche Unterstützung gebraucht wird, wenn länger der Strom weg ist oder Pflegedienste nicht mehr durchkommen. Unter www.pflegeregister-wesermarsch.de ist die Registrierung möglich.

Um die Rettungsdienste zu entlasten, stellte die Großleitstelle Oldenburg (GOL) den 2024 entwickelten „Kein Notfall Service“ vor, über den per Handy abgeknickte Bäume oder vollgelaufene Keller möglichst mit Foto gemeldet werden können. Ganz neu ist noch der „Lernort Bevölkerungsschutz“, den die Landkreis-Fachbereichsleiterin der Kinderfeuerwehren, Elke Rowehl-Minsen, zusammen mit Mitgliedern der Jugendwehren Hekeln und Neuenkoop-Köterende mit allerlei Experimenten präsentierte.

Die Hochwassergefahr komme aufgrund von Starkregen immer öfter „von hinten“, verdeutlichte die Sielacht mit einer Gefahrenkarte. Dass es keine gute Idee ist, sich bei Hochwasser mehr als 50 Zentimeter tief in die Strömung zu begeben, machten die Mitglieder der DLRG deutlich, die die Arbeit ihrer Strömungsretter vorstellten. Während Puppe Gisela tapfer im dicken Strömungsretteranzug der Hitze trotzte, wurde der Hüpfburg die Luft abgelassen, damit sich niemand verbrennt. Spaß machte den Kindern, von der Polizei beim Lauf über einen Parcours gelasert zu werden. Doch bei den extrem schweißtreibenden Temperaturen von weit mehr als 30 Grad endete die Veranstaltung bereits anders als vorgesehen bereits gegen 14 Uhr.

Als Erfolg mit vielen Denkanstößen konnte sie trotzdem verbucht werden.Wer mehr über das Thema Eigenvorsorge in Krisensituationen lernen möchte, ist zum kostenlosen „Mach dich sicher Mittwoch“ des DRK eingeladen. Die Veranstaltungen finden jeden ersten Mittwoch im Monat im DRK-Gebäude, Schlesische Straße in Lemwerder, jeden 2. Mittwoch im Monat im Braker DRK-Gebäude in der Rönnelstraße 14 und jeden dritten Mittwoch im Monat in Nordenham, Hafenstr 47a statt. (Fotos und Text: Gabriele Bode)