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01.07.2026, Lokalredaktion
Bei einem Gespräch zwischen der IG Metall und den Betriebsräten der Glencore Zink- und Bleihütte Nordenham, am Dienstag, wurde deutlich: Die Arbeitnehmerseite sieht den Standort in einer kritischen Phase und fordert vom Konzern klare Entscheidungen zur Zukunftssicherung.
Auslöser der aktuellen Sorgen ist die überraschende Beendigung der Zusammenarbeit mit Peter Lange, der als Interim‑Personalleiter und Projektleiter den sogenannten „1‑und‑1‑Prozess“ maßgeblich geführt hatte. Dieser Prozess sollte die beiden Hüttenbereiche organisatorisch zusammenführen und einen gemeinsamen betrieblichen Rahmen schaffen. Lange galt als zentrale Vertrauensperson, die nach Jahren der Unsicherheit wieder Struktur und Dialog ermöglicht hatte.
Jochen Luitjens von der IG Metall betonte, dass der Wegfall dieser Schlüsselrolle mitten in der entscheidenden Phase des Projekts „zu einem erheblichen Vertrauensverlust“ führe. Die Betriebsräte Klaus Garlichs, Stefan Dannemann, Michelle Günther und Hailey Penny bestätigten, dass die Verhandlungen kurz vor einer Einigung standen und nun erneut ins Stocken geraten seien.
Kritik an fehlender Kommunikation und strategischer Ausrichtung
Betriebsratsvorsitzender Klaus Garlichs schilderte eine Reihe von Problemen, die aus Sicht der Arbeitnehmervertretung ein alarmierendes Bild zeichnen:
- Keine Informationen zur Geschäftsführung: Die Suche nach einer dauerhaften Leitung des Standorts laufe seit Monaten ohne jegliche Rückmeldung an die Betriebsräte.
- Unklare Haltung zu Klimaschutzverträgen: Trotz mehrfacher Nachfragen gebe es keine Aussage des Unternehmens, ob Glencore die Fördermöglichkeiten und Transformationsschritte wahrnehmen will, zumal die Frist am 30. Juni 2026 abgelaufen ist. Hier stehen Fördergelder von 360 Millionen im Raum, die dadurch evtl. nicht abgerufen werden können.
- Investitionsstau und fehlende Zukunftsplanung: Nach Angaben der Betriebsräte wären rund 20 Millionen Euro nötig, um die Hütte langfristig wettbewerbsfähig zu halten. Stattdessen würden Budgets gekürzt und notwendige Investitionen verschoben.
- Personalabbau durch Nicht-Nachbesetzung: Obwohl offiziell kein Stellenabbau angekündigt sei, würden frei werdende Stellen systematisch nicht nachbesetzt. Die Belegschaft sei „unterbesetzt trotz Leiharbeit“, was die Belastung und Unfallrisiken erhöhe.
- Abwanderung erfahrener Fachkräfte: Viele Beschäftigte hätten den Standort verlassen, weil sie keine Perspektive mehr sehen. Die Betriebsräte sprechen von einem „versteckten Personalabbau“, der die Funktionsfähigkeit der Hütte gefährde.
Zweifel an der langfristigen Bedeutung des Standorts für Glencore
Die Arbeitnehmerseite stellt zunehmend infrage, ob Glencore den Standort Nordenham tatsächlich strategisch weiterentwickeln will. Luitjens verwies darauf, dass Wettbewerber bereits eigene Hütten für „grünes Blei“ aufgebaut haben, während Glencore weder klare Investitionsentscheidungen noch ein Zukunftskonzept vorlegt.
Die Betriebsräte kritisieren zudem, dass selbst grundlegende organisatorische Fragen – etwa Personalplanung, Investitionsstrategie oder die Umsetzung der Klimaschutzverträge – unbeantwortet bleiben. Die Aussage „Jetzt sind wir wieder bei Null“ beschreibt aus Sicht der Arbeitnehmer die erneute Rückkehr in eine Phase der Unsicherheit.
Forderungen der IG Metall und der Betriebsräte
Die Arbeitnehmerseite formulierte drei zentrale Erwartungen an Glencore:
- Verbindliches Bekenntnis zu den Klimaschutzverträgen, da diese die Grundlage für eine moderne und nachhaltige Produktion darstellen.
- Beschäftigungssicherung und langfristige Personalplanung, um Fachkräfte zu halten und Vertrauen in den Standort zu stärken.
- Klare Investitionsstrategie, die über reine Instandhaltung hinausgeht und die Zukunftsfähigkeit der Hütte gewährleistet.
Sollte Glencore diese Schritte nicht gehen, müsse aus Sicht der Betriebsräte auch über alternative Investoren nachgedacht werden, die bereit sind, den Standort aktiv weiterzuentwickeln. (Foto und Text: Kerstin Seeland)
Titelfoto: von links – Michelle Günther, Stefan Dannemann, Klaus Garlichs, Hailey Penny und Jochen Luitjens