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02.11.2026, Lokalredaktion
„Für das ZEHN habe ich mich von Anfang an mit ganzer Kraft eingesetzt. Umso mehr freut es mich, wie toll das Projekt heute umgesetzt wird“, sagt die SPD-Landtagsabgeordnete Karin Logemann. „Gerade in Zeiten, in denen Ernährungssicherheit wieder ganz oben auf der Tagesordnung steht, zeigt sich, wie richtig diese Entscheidung war. Das ZEHN gibt den Menschen ganz praktisches Wissen an die Hand – vom Einkauf bis zum Vorratsschrank.“
Als agrarpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion hat Logemann den Aufbau des Zentrums für Ernährung und Hauswirtschaft Niedersachsen (ZEHN) 2019 eng begleitet. Am 1. Oktober 2019 nahm das ZEHN in Oldenburg seine Arbeit auf.
Ernährungssicherheit heißt: Alle Menschen haben jederzeit Zugang zu ausreichend sicheren und gesunden Lebensmitteln. In Deutschland galt das lange als selbstverständlich. Die Corona-Pandemie und der russische Angriffskrieg auf die Ukraine haben gezeigt, dass Lieferketten reißen und Preise sprunghaft steigen können. Hinzu kommen Extremwetter und Angriffe auf die kritische Infrastruktur.
Wie schnell der Alltag stillstehen kann, hat Berlin im Januar 2026 erlebt. Nach einem Brandanschlag auf eine Kabelbrücke waren rund 45.000 Haushalte und 2.200 Betriebe bei Minusgraden teils mehrere Tage ohne Strom. Kühlschrank, Herd und Kasse fielen aus.
Der Staat sorgt vor: Seit 2017 regelt das Ernährungssicherstellungs- und -vorsorgegesetz, wie die Versorgung in einer Krise gesichert wird. Doch auch jeder Haushalt kann etwas beitragen. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) empfiehlt, Lebensmittel und Getränke für möglichst zehn Tage im Haus zu haben – mindestens aber für drei Tage. Laut einer BBK-Umfrage hat gut die Hälfte der Befragten (53 Prozent) bisher keine gezielte Vorsorge getroffen.
Wie Vorsorge im Alltag aussieht, zeigt das ZEHN mit seinen „Rezepten aus dem Vorratsschrank“. Ein Beispiel ist ein Chili sin Carne für vier Personen. Die Zutaten kommen fast komplett aus Dose, Glas und Tüte: Linsen, Kidneybohnen und Mais aus der Dose, passierte Tomaten und Gemüsebrühe, dazu Zwiebeln, Knoblauch und Gewürze. Alles kommt in einen Topf, wird abgelöscht und kurz aufgekocht.
Fällt der Strom aus, geht es auch ohne Herd. Dann werden die Zutaten einfach kalt gemischt, und das Chili wird kalt gegessen. Genau das ist der Kern guter Vorsorge: Viele Haushalte haben zwar Nudeln und Reis im Schrank, können sie ohne Strom aber nicht zubereiten. Das zeigt eine kleine Befragung der Hochschule Osnabrück, die das ZEHN veröffentlicht hat.
Wer mit seinem Vorrat regelmäßig kocht, verbraucht ihn rechtzeitig und füllt ihn wieder auf. So bleibt er frisch, und im Ernstfall weiß man, was man daraus machen kann. Linsen und Bohnen liefern zudem viel pflanzliches Eiweiß und machen lange satt.
Das Zentrum für Ernährung und Hauswirtschaft Niedersachsen (ZEHN) geht auf einen Beschluss des Landtags zurück, den SPD und CDU 2018 beantragt hatten. Es sitzt in Oldenburg, ist an die Landwirtschaftskammer Niedersachsen angegliedert und wird vom Niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz gefördert.
Das ZEHN vernetzt Akteure rund um Ernährung und Hauswirtschaft, informiert Verbraucherinnen und Verbraucher und schult Multiplikatoren – für private Haushalte ebenso wie für Kitas, Schulen und Gemeinschaftsverpflegung. Zu seinen Angeboten gehören der Saisonkalender, Aktionen gegen Lebensmittelverschwendung wie die „Mach Alle!“-Reste-Challenge, der Hauswirtschafts-Führerschein und Material zur privaten Ernährungsvorsorge. Außerdem erarbeitet das ZEHN eine Ernährungsstrategie für Niedersachsen.
„Das ZEHN ist ein echter Gewinn für Niedersachsen – und für jede Küche bei uns in der Wesermarsch und in Rastede“, sagt Logemann. „Ernährungssicherheit fängt nicht erst im Krisenstab an, sondern zu Hause am Vorratsschrank. Mein Tipp: Einfach mal ein Rezept vom ZEHN ausprobieren. Dann weiß man im Ernstfall, was man aus Dose und Glas auf den Tisch bringen kann.“ (pm/lr – Foto: Büro Logemann)