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21.06.2026, Lokalredaktion
Mit einem feierlichen Festkommers in der voll besetzten Golzwarder Kirche hat der Schützenverein Golzwarden sein 75‑jähriges Jubiläum begangen. Zahlreiche Gäste aus Politik, Kirche, Kultur und den Dachverbänden des Schützenwesens würdigten den Verein mit persönlichen Worten, und herzlichen Glückwünschen. Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung vom Ensemble Liz’n Brass.


Ein Verein mit Geschichte – und Zukunft
Vorstandsmitglied Stefan Meyer führte durch den Nachmittag und erinnerte an die besondere Bedeutung des Schützenwesens, das seit 2015 zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO gehört. „Das Schützenwesen verbindet Sport, Spaß, Religion und Gesellschaft auf eine ganz besondere Weise“, betonte Meyer. Seit seiner Gründung am 1. Juni 1951 sei der Verein „ein lebendiger Teil der Dorfgemeinschaft“ und mit über 250 Mitgliedern heute der größte Verein der Wesermarsch.
Ein bebilderter Rückblick von Ehrenvorsitzender Wilfried Albers zeigte die Vielfalt des Vereinslebens – von Königsbällen und Pokalschießen über Landesmeisterschaften bis hin zum traditionellen Weihnachtsmarkt, der gemeinsam mit der Dorfgemeinschaft gestaltet wird.

Grußworte
Der Vizepräsident des Oldenburger Schützenbundes, Markus Langfeld, würdigte die gesellschaftliche Bedeutung des Schützenwesens. Mit einem Zitat von Ringelnatz erinnerte er daran, dass „Sport stäkt Arme, Rumpf und Beine, kürzt die öde Zeit und er schützt uns durch Vereine vor der Einsamkeit“.
Er betonte besonders die Verantwortung gegenüber jungen Menschen: „Wer die Jugend in seinem Verein haben will, darf nicht warten, bis sie kommt – man muss sie abholen.“ Zum Jubiläum überreichte er eine Ehrenurkunde des Oldenburger Schützenbundes.
Der stellvertretende Landrat Horst Kortlang überbrachte die Grüße des Landkreises und würdigte die Ausdauer des Vereins: „Einen Verein über 75 Jahre lebendig zu halten, erfordert Tugenden, Engagement und manchmal auch ein strenges Wort.“ Mit einem Augenzwinkern erinnerte er an eigene Jugendjahre im Golzwarder Schützenwesen.

Die stellvertretende Bürgermeisterin Jaqueline Günther sprach bewusst im familiären Ton: „Ich habe von euch gelernt – das hier ist eine Schützenfamilie.“ Sie gratulierte zu 75 Jahren Wachstum und lebendiger Gemeinschaft.
Der Vizepräsident des Schützenbundes Wesermarsch, Lenert Tapken, würdigte die jahrzehntelange Verbundenheit des Vereins mit dem Kreisverband: „In über sieben Jahrzehnten hat sich hier ein Verein entwickelt, der nicht nur sportlich erfolgreich ist, sondern das ganze Dorf inspiriert.“ Er unterstrich die Bedeutung des Zusammenhalts, gerade in Zeiten, in denen Schützenfeste und Vereinsstrukturen vielerorts unter Druck stehen.


Pastor Dirk Jährig, zugleich unmittelbarer Nachbar des Schützenhauses, eröffnete sein Grußwort mit einer warmen, persönlichen Ansprache. „Wer 75 Jahre besteht, hat nicht nur gut gezielt, sondern vor allem gut zusammengehalten“, sagte er und hob hervor, wie selbstverständlich die Kirchengemeinde die Kirche für den Festkommers geöffnet habe: „Die Kirche ist ein Ort der Gemeinschaft – deshalb brauchte es im Gemeindekirchenrat keine Diskussion.“
Jährig zog eine Parallele zwischen Kirche und Schützenwesen: Beide lebten davon, dass Menschen Verantwortung übernehmen und gemeinsam etwas gestalten, „das größer ist als der Einzelne“. Zum Abschluss wünschte er dem Verein „eine ruhige Hand, ein sicheres Auge und vor allem ein starkes Miteinander“ – verbunden mit Gottes Segen.
Helmut Bahlmann brachte die kulturelle Perspektive ein und erinnerte daran, dass sowohl das Schützenwesen als auch die norddeutsche Orgelbau‑Tradition immaterielles Kulturerbe sind. „Fünf Meter Luftlinie trennen das Arp‑Schnitger‑Zentrum vom Schützenhaus – näher beieinander liegen zwei Kulturerben in Deutschland wohl kaum.“ Er würdigte die Flexibilität der Schützentradition und bezeichnete die Golzwarder Schützen als ein Sinnbild für gelebte Kultur und Gemeinsinn.
Der Ehrenpräsident des Schützenbundes Wesermarsch, Reinhard Krause, brachte eine sehr persönliche Note ein. Er erinnerte sich an frühere Wettkämpfe und gesellige Abende, die „nicht selten bis weit nach Mitternacht“ dauerten. Besonders eindrücklich schilderte er die Wintermonate im alten Schießstand: „Durch die dünnen Wände zog der Frost – geschossen wurde dann auch bei zehn Grad minus.“ Krause würdigte die besondere Kompetenz des Vereins: „Viele Golzwarder Mitglieder wurden in übergeordnete Verbände eingeladen. Das zeugt von einer ganz besonderen Kompetenz hier in Golzwarden.“
Ein Fest der Verbundenheit
Alle Redner machten deutlich, wie tief der Golzwarder Schützenverein in der Dorfgemeinschaft verwurzelt ist – als sozialer Ankerpunkt, kultureller Partner und sportlich erfolgreicher Verein. Der Festkommers endete mit einem großen Gruppenfoto im Pfarrgarten und einer gemeinsamen Kaffeetafel im Gemeindehaus. (Fotos und Text: Kerstin Seeland)
Titelfoto: Jan Marten Kalus – die Teilnehmendem am Festkommers