Sie können uns unterstützen

14.10.2025, Lokalredaktion
Zum 1. Juni 2025 hat die J. Müller SE das Schwefelterminal im Seehafen Brake von der SulServ International GmbH übernommen. Der Verkauf des Terminals erfolgte im Zuge des Sanierungsprozesses bei der SulServ International GmbH und damit verbundenen Rückzug der SulServ aus dem operativen Terminalgeschäft. Mit der getroffenen Vereinbarung geht die Gesamtverantwortung auf J. Müller über und der Betrieb der Anlage wird, analog der übrigen operativen Tätigkeiten im Hafen Brake, durch die J. Müller Weser GmbH & Co. KG erfolgen.
„Wir danken SulServ für die vertrauensvolle und partnerschaftliche Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren“, erklärt Manuela Drews, Geschäftsführerin von J. Müller Weser. „Mit der Übernahme können wir das Terminal künftig in Eigenregie führen, gezielt weiterentwickeln und als leistungsfähigen Baustein in unserer Logistikkette ausbauen.“
Dr. Malte Köster (Partner bei WILLMERKÖSTER), der den Verkauf des Terminals als Sanierungsexperte bei SulServ begleitet hat, unterstrich: „Die Versorgung mit Schwefel ist von hoher strategischer Bedeutung für die chemische Industrie am Standort Deutschland. Unter dem Dach von J. Müller sind klare Perspektiven für das Schwefelterminal im Seehafen Brake geschaffen.“
Umschlag von Fest- und Flüssigschwefel
Die spezialisierte Anlage ist ausgelegt auf den sicheren Umschlag und die Lagerung von Fest- und Flüssigschwefel. Mit einer Umschlagskapazität von mehr als 500.000 Tonnen jährlich und der Möglichkeit zum Umschlag zwischen Seeschiff, Tankwagen, Kesselwaggon und Pipeline bietet das Terminal moderne logistische Schnittstellen für chemische Spezialprodukte. Die umfangreiche sicherheitstechnische Ausstattung erfüllt höchste Umwelt- und Sicherheitsstandards.
„Mit dem Eigentumsübergang sichern wir den Fortbestand einer logistisch wie wirtschaftlich bedeutenden Anlage und positionieren uns klar als starker Partner für die chemische Industrie“, betont Drews. „Gleichzeitig eröffnen wir neue Perspektiven: Der Fokus liegt künftig auf dem Importmarkt, der angesichts zurückgehender heimischer Schwefelquellen zunehmend an Bedeutung gewinnt.“
Neuausrichtung auf den Importmarkt
Mit der Übernahme richtet J. Müller den Blick bewusst in die Zukunft. Während der Schwefelumschlag in Brake ursprünglich auf die Sauergasförderung in Norddeutschland zurückzuführen war, etwa durch die Erdgasaufbereitung in Großenkneten, ist dieses Kapitel weitgehend abgeschlossen. Der heimische Schwefelmarkt ist heute erschöpft – umso wichtiger ist die strategische Entwicklung des Importgeschäfts.
Schwefel bleibt ein gefragter Rohstoff in zahlreichen industriellen Anwendungen.
Rückblick: 45 Jahre Schwefelumschlag in Brake – Ein Kapitel Hafengeschichte
Bereits 1980 titelte die Kreiszeitung Wesermarsch: „Festschwefel – neuestes Exportprodukt aus Brake“. Damals begann die Norddeutsche Erdgasaufbereitungs-Gesellschaft [NEAG] mit dem Schwefelumschlag im Hafen. Mit bis zu 820.000 Tonnen Schwefel jährlich erreichte der Standort 1999 seinen Höhepunkt.
In den Folgejahren wurde die Technik konsequent weiterentwickelt – von der Slating-Anlage zu Rotoformern, von staubintensivem Granulat zu lagerungsfreundlichen Schwefellinsen. Im Jahr 2020 verkaufte die NEAG, aufgrund des Rückganges der Sauergasförderung, den Terminal an die SulServ.
Die heutige Anlage knüpft an die Tradition an: modern, leistungsfähig und bereit für neue Herausforderungen. (pm/lr – Foto: J. Müller)