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29.10.2026, Lokalredaktion
Jahrelang bot der Bahnhof in Brake ein Bild des Verfalls. Zerbrochene Fenster, Graffiti an den Wänden und leerstehende Räume prägten das Erscheinungsbild des denkmalgeschützten Gebäudes, das für viele Bürgerinnen und Bürger längst zum Sinnbild eines ungenutzten Potenzials geworden war. Nun zeichnet sich eine neue Zukunft für das markante Bauwerk ab: Der Bahnhof soll umfassend saniert und zu einem lebendigen Ort für Wohnen, Versorgung und Mobilität entwickelt werden.
Seit rund zwei Jahren führt Bürgermeister Michael Kurz intensive Gespräche mit einem Investor aus dem Landkreis Oldenburg, der das Gebäude Mitte 2024 erworben hat und derzeit noch nicht öffentlich genannt werden möchte. Von Beginn an habe ihn die besondere Architektur und die Geschichte des Bahnhofs fasziniert. In den vergangenen Monaten wurden zahlreiche Gespräche mit den Denkmalschutzbehörden geführt, Konzepte entwickelt, verworfen und neu gedacht. Nun steht das Vorhaben kurz vor der Umsetzung.
Die Verantwortlichen rechnen damit, dass die Baugenehmigung Ende November beziehungsweise Anfang Dezember vorliegt. Spätestens im Frühjahr 2027 sollen die Sanierungsarbeiten beginnen. Die Bauzeit wird auf etwa zwei Jahre veranschlagt.
Geplant ist eine umfassende Neugestaltung des Gebäudes. In den oberen Etagen entstehen insgesamt 23 barrierefreie Wohnungen mit Wohnflächen zwischen 30 und 50 Quadratmetern. Ein Aufzug soll künftig alle Ebenen erschließen. Das Wohnangebot richtet sich insbesondere an Auszubildende, Studierende sowie Seniorinnen und Senioren. Ziel ist es, trotz eines Investitionsvolumens in Millionenhöhe bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Ermöglicht werden soll dies durch Fördermittel, deren konkrete Ausgestaltung derzeit noch geprüft wird.
Auch das Erdgeschoss erhält eine neue Funktion. Dort soll ein Kiosk einziehen, der Waren des täglichen Bedarfs anbietet. Zudem wird eine barrierefreie Toilette eingerichtet, die während der Öffnungszeiten genutzt werden kann. Ein weiterer wichtiger Baustein des Projekts ist die Wiederherstellung des Zugangs von der historischen Empfangshalle direkt zum Bahnsteig. Damit soll der Bahnhof nicht nur optisch aufgewertet, sondern auch funktional deutlich verbessert werden.
Für die Planung verantwortlich zeichnet das Oldenburger Architektur- und Ingenieurbüro Brockmann und Tolan. Sobald die Förderung gesichert und die Genehmigungen vorliegen, können die Bauarbeiten starten.
Bürgermeister Michael Kurz zeigt sich erleichtert über den Fortgang des Projekts: „Ich bin sehr dankbar, dass dieses Vorhaben nun umgesetzt wird. Die Sanierung ist ein großes Geschenk für unsere Stadt.“ Auch Brakes künftige Bürgermeisterin Jaqueline Günther begrüßt die Entwicklung. Sie wird das Projekt auf Seiten der Verwaltung künftig begleiten.
Nach Fertigstellung der Wohnungen soll die Wohnungsbau Wesermarsch die Verwaltung des Gebäudes übernehmen. Geschäftsführerin Regina Neuke sieht darin einen wichtigen Beitrag zur Schaffung dringend benötigten Wohnraums in der Region.
Die Vision der Beteiligten ist klar: Dort, wo heute noch ehemalige Büroräume der Deutschen Bahn leer stehen, sollen schon in wenigen Jahren moderne Wohnungen entstehen. Und dort, wo aktuell bröckelnde Decken, eingeschlagene Fenster und Graffiti den Eindruck bestimmen, könnte schon bald eines der prägendsten Gebäude der Stadt wieder in neuem Glanz erstrahlen. Aus einem langjährigen Sorgenkind würde damit ein Ort werden, auf den Brake wieder stolz sein kann. (Foto und Text: Kerstin Seeland)