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02.03.2026, Lokalredaktion
Mit einer beeindruckenden Mischung aus Leichtigkeit, Tiefgang und scharfem Witz erzählt die Künstlerin Inka Meyer von ihrer eigenen Krebsdiagnose – und schafft es, ein schweres Thema so zu verpacken, dass das Publikum gleichzeitig lacht, schluckt und nachdenkt. Ihre Offenheit, ihr Tempo und ihr pointierter Humor machen den Abend zu einem Erlebnis, das lange nachhallt.
Zwischen Tumor und Theater: Eine Erzählweise, die fesselt
Die Protagonistin springt mühelos zwischen ernsten Momenten ihrer Behandlung, der Suche nach dem Haus ihrer Urgroßeltern in Polen und alltäglichen Anekdoten aus dem Gesundheitssystem. Diese schnellen Rollenwechsel – mal sie selbst, mal ihr Mann, mal eine Mitpatientin – wirken wie kleine Theaterszenen, die das Publikum unmittelbar hineinziehen. Ihre Sprache ist rasant, bildhaft und voller überraschender Wendungen.
Humor als Überlebensstrategie
Besonders eindrucksvoll ist, wie sie selbst die dunkelsten Momente mit Humor bricht.
Ob die Mitpatientin, die nach der Chemotherapie „Quarkteilchen“ bestellt, weil sie „Quarktaschen ja nicht mehr hat“, oder die Szene, in der ihr Mann zwischen Gülletraktor und Minions-Furzkanone verzweifelt das Fenster sucht – sie zeigt, dass Lachen nicht verharmlost, sondern befreit.
Ihr Credo: Wer lacht, wird schneller gesund.
Schonungslose Einblicke ins Gesundheitssystem
Mit feinem Spott und präziser Beobachtungsgabe legt sie die Schwächen des deutschen Gesundheitssystems offen: monatelange Wartezeiten auf Facharzttermine, fehlende Zuwendung in der Behandlung, ökonomischer Druck in Kliniken, die Ungleichheit zwischen gesetzlich und privat Versicherten.
Dabei bleibt sie nie bitter – sie bleibt klar. Und sie bleibt witzig. Wenn sie erzählt, wie sie zwei Tage nach einer schweren Operation nach Hause geschickt wurde, weil das Bett „Geld verdienen“ müsse, trifft Humor auf harte Realität.
Gesellschaftliche Perspektiven – und ein Blick nach Polen
Ihre Reise nach Pommern, auf der Suche nach dem Haus ihrer Urgroßeltern, liefert warmherzige Begegnungen und liebevolle Beobachtungen über polnische Mitbürger. Gleichzeitig erinnert sie daran, wie sehr Deutschland auf ausländische Fachkräfte angewiesen ist – besonders im Gesundheitswesen.
Ein alter Mann mit einem Gesicht „so faltig wie eine ganze Landkarte“ oder der polnische Humor über deutsche Autos vor polnischen Häusern: Diese Bilder bleiben hängen.
Zwischen Influencern, Eisenpräparaten und Irrtümern
Mit spitzer Zunge nimmt sie auch moderne Gesundheitsmythen auseinander:
überflüssige Nahrungsergänzungsmittel, fragwürdige Influencer-Versprechen und die Verwechslung von Influencer und Influenza.
Sie erklärt, warum wir tonnenweise Eisen zu uns nehmen, das die Wirkung einer Chemotherapie sogar beeinträchtigen kann – und warum Aufklärung heute wichtiger ist denn je.
Ein Abend, der Mut macht
Trotz aller Schwere bleibt ihre Botschaft lebensbejahend. Sie spricht offen über die Nähe zum Tod, über Angst und Hoffnung – und zeigt, dass Humor kein Weglaufen ist, sondern ein Hinsehen.
Ihr Auftritt ist nicht nur Unterhaltung, sondern ein Plädoyer dafür, Krankheit und Krisen mit mehr Leichtigkeit zu begegnen, ohne sie zu verharmlosen.
Ein Abend, der berührt, befreit und zum Nachdenken anregt. (Text: Kerstin Seeland, Foto: Madita Hessler)