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03.11.2026, Lokalredaktion
Mitreißende Klangwelten, bekannte Melodien und eine Prise britischer Humor: Das Orchester des Bundesbahn-Sozialwerks (BSW) bescherte seinen Zuhörern in Golzwarden einen außergewöhnlichen Konzertnachmittag.
Eine Reise nach Großbritannien, ganz ohne Kofferpacken, lange Anreise oder wechselhaftes Inselwetter: Dazu hatte das Orchester des Bundesbahn-Sozialwerks (BSW) am Sonntag in die St.-Bartholomäuskirche nach Golzwarden eingeladen. Unter dem Motto „Eine Reise nach Großbritannien“ erwartete die zahlreichen Besucher ein musikalisches Erlebnis, das die besondere Atmosphäre der britischen Inseln auf eindrucksvolle Weise zum Leben erweckte. Am Ende stand lang anhaltender Applaus für ein Konzert, das gleichermaßen durch musikalische Ausdruckskraft, beeindruckende Klanggewalt und eine unterhaltsame Moderation überzeugte.

Schon beim Betreten der Kirche wurde deutlich, wohin die musikalische Reise führen sollte. Der Innenraum war passend zum Thema mit verschiedenen Nationalflaggen geschmückt. Neben dem Union Jack, der Flagge des Vereinigten Königreichs, waren auch die Flaggen Schottlands und Wales zu entdecken. So entstand bereits vor dem ersten Ton ein stimmungsvolles Ambiente, das die Besucher auf einen abwechslungsreichen Nachmittag einstimmte.
Unter der musikalischen Leitung von Dirigent Florian Hartmann entfaltete das Orchester von Beginn an seine ganze klangliche Stärke. Mit „Around the Whiskey Jar“, einem Arrangement, das auf fünf traditionellen irischen Melodien basiert, begann die musikalische Rundreise schwungvoll und temperamentvoll. Mit lebendigen Rhythmen und typisch irischem Flair war der Auftakt zugleich eine Einladung, sich auf die musikalischen Facetten der britischen Inseln einzulassen. Anschließend nahm „A Ship in the Mist“ von Rossano Galante die Zuhörer mit auf eine imaginäre Schiffsreise. Maritim geprägte Klangbilder, wechselnde Stimmungen und eine eindrucksvolle musikalische Dramaturgie ließen vor dem inneren Auge die Weite des Meeres und die geheimnisvolle Atmosphäre einer Überfahrt entstehen.

Ein ganz anderer, besonders berührender Moment folgte mit „Amazing Grace“. Das weltbekannte geistliche Lied geht auf den englischen Geistlichen John Newton zurück, der den Text im Jahr 1772 verfasste. Die Geschichte dahinter ist ebenso bemerkenswert wie die Melodie selbst: Newton hatte ein bewegtes Leben hinter sich, bevor er sich mit Fragen nach Glauben, Gnade und einem neuen Lebensweg auseinandersetzte. In der eindrucksvollen Orchesterbearbeitung von Frank Ticheli entfaltete das Stück seine ganze emotionale Tiefe und ließ die besondere Kraft dieser zeitlosen Melodie spürbar werden.
Mit „Scarborough Fair“ führte die Reise weiter in die geheimnisvolle Welt englischer Volksmusik. Das traditionelle Lied erzählt von einer unerreichbar scheinenden Liebe und ist geprägt von einer beinahe mystischen Atmosphäre. Die einfühlsame Interpretation ließ die charakteristische Melancholie und den besonderen Zauber des Stückes lebendig werden. Die begleitenden Erläuterungen zur englischen Küstenstadt Scarborough, ihrer Geschichte und den kulturellen Besonderheiten machten deutlich, dass dieses Konzert weit mehr sein wollte als eine reine Aneinanderreihung musikalischer Werke.
Überhaupt erwies sich die Moderation als charmante Bereicherung des Nachmittags. Mit einer gelungenen Mischung aus Hintergrundwissen, kleinen Anekdoten und humorvollen Bemerkungen nahmen die Ansager das Publikum mit auf die Reise. Dabei ging es nicht nur um die Entstehungsgeschichten der Kompositionen, sondern auch um Land und Leute, geschichtliche Verbindungen und kulturelle Eigenheiten. Selbst das mitunter wenig einladende norddeutsche Wetter wurde mit einem Augenzwinkern in die Betrachtungen einbezogen , denn schließlich könne ein wenig britisches Wetter auch nicht schaden, wenn man sich ohnehin musikalisch auf die Insel begebe.
Auch die historischen Verbindungen zwischen England und Niedersachsen fanden Erwähnung. Die Angelsachsen, zu denen einst auch Menschen aus dem heutigen norddeutschen Raum gehörten, prägten die frühe Geschichte Englands. Solche kleinen Ausflüge in die Geschichte verliehen dem Konzert zusätzliche Tiefe und machten die Moderation zu einem unterhaltsamen Bindeglied zwischen Musik, Kultur und Wissenswertem.
Filmisch wurde die Reise anschließend mit zwei bekannten Werken aus der Welt von Harry Potter fortgesetzt. Mit „Hogwarts‘ March“ und „A Window to the Past“ standen gleich zwei Kompositionen aus dem musikalischen Universum der erfolgreichen Filmreihe auf dem Programm. Die Musik stammt aus der Feder von Patrick Doyle und wurde für das Orchester von Finn Boyksen arrangiert. Während der „Hogwarts‘ March“ die geheimnisvolle Welt der berühmten Zauberschule aufgriff, öffnete „A Window to the Past“ ein musikalisches Fenster zu vergangenen Zeiten und entfaltete eine nachdenkliche, beinahe märchenhafte Stimmung.
Mit der Filmmusik zu „Robin Hood – Prince of Thieves“ ging es weiter in die Welt mittelalterlicher Legenden. Kraftvolle musikalische Bilder, heroische Motive und große orchestrale Bögen erinnerten an die Geschichte des berühmten Bogenschützen aus dem Sherwood Forest. Hier konnte das Orchester seine ganze klangliche Bandbreite ausspielen.
Ein weiterer Höhepunkt war das anschließende „Titanic-Medley“. Die Musik nahm die Zuhörer mit auf eine Reise an Bord des legendären Ozeandampfers, vom hoffnungsvollen Aufbruch über die dramatischen Ereignisse rund um die Kollision mit dem Eisberg bis hin zur bewegenden Liebesgeschichte von Jack und Rose. Gerade die Verbindung aus kraftvollen orchestralen Passagen und gefühlvollen Melodien machte dieses Medley zu einem besonders eindrucksvollen Erlebnis.
Natürlich durfte auch der wohl berühmteste Geheimagent der Filmgeschichte nicht fehlen. Mit der Musik zu „James Bond 007“ hielt ein Hauch von Spannung, Eleganz und britischer Coolness Einzug in die Kirche. Markante Rhythmen und die unverwechselbare musikalische Handschrift der Bond-Filme sorgten für einen weiteren mitreißenden Programmpunkt. Mit „Robinson Crusoe“ fand die eigentliche musikalische Rundreise schließlich einen abenteuerlichen Abschluss. Die Geschichte des berühmten Schiffbrüchigen, dessen Erlebnisse auf einer einsamen Insel zu einem Klassiker der Weltliteratur wurden, bildete einen passenden Schlusspunkt für die Reise durch die britische Musik- und Kulturgeschichte.
Doch das Publikum ließ das Orchester nicht ohne Zugaben ziehen. Der lang anhaltende Applaus war ein unmissverständlicher Beweis dafür, wie sehr die musikalische Darbietung die Besucher begeistert hatte. Mit „Pomp and Circumstance Nr. 1“ von Edward Elgar folgte zunächst ein Werk, das wie kaum ein anderes für die britische Musiktradition und festliche Feierlichkeiten steht. Die majestätische Melodie ist insbesondere durch das Lied „Land of Hope and Glory“ weltbekannt und gehört bis heute zu den musikalischen Wahrzeichen Großbritanniens.
Den krönenden Abschluss bildete schließlich „Highland Cathedral“. Die ergreifende Melodie, die längst zu einem musikalischen Symbol Schottlands geworden ist, entfaltete in der besonderen Akustik der Kirche noch einmal ihre ganze emotionale Wirkung. Ein würdiger und stimmungsvoller Ausklang eines außergewöhnlichen Konzertnachmittags.
Ein besonderer Dank galt auch den Unterstützern und Helfern, die zum Gelingen des Konzertes beigetragen hatten. Am 13. Dezember 2026 lädt das Orchester, um 16 Uhr, zu einem Konzert in die St.-Matthäus Kirche, in Rodenkirchen, ein. (Fotos und Text: Kerstin Seeland)