Sie können uns unterstützen

12.08.2026, Lokalredaktion
Erstmals seit 1997 fand am Dienstag wieder ein öffentliches Gelöbnis der Deutschen Marine in Brake statt. Vor der Kulisse der Weser legten 107 Rekrutinnen und Rekruten, 104 Zeitsoldaten und drei Freiwillige, ihren Eid beziehungsweise ihr feierliches Gelöbnis ab – ein Moment von hoher symbolischer Bedeutung, der zahlreiche Bürgerinnen und Bürger, Familien und Vertreter aus Politik, Bundeswehr und Gesellschaft an die Braker Kaje lockte.

Ein starkes Zeichen der Verbundenheit zwischen Marine und Gesellschaft
Bei bestem Sommerwetter verfolgten mehrere Reihen von Gästen den Einmarsch der Truppenfahne und des Marinemusikkorps, der mit leichter Verzögerung begann. Die jungen Soldatinnen und Soldaten haben erst vor vier Wochen ihren Dienst angetreten und bereits einen Teil der Grundausbildung absolviert. Kapitän zur See Andreas Seidl, Kommandeur der Marineoperationsschule, würdigte in seiner Ansprache die Bedeutung der öffentlichen Vereidigung. „Der Eid ist weit mehr als ein formaler Akt. Mit ihm übernehmen Sie Verantwortung für die freiheitlich-demokratische Grundordnung und die Werte unseres Staates.“

Seidl dankte der Stadt Brake, Bürgermeister Michael Kurz sowie der Stadt Bremerhaven für die Möglichkeit, die Zeremonie außerhalb der Kasernen durchzuführen. Die große Beteiligung aus Politik, Kommunen und Gesellschaft sei ein Zeichen des Zusammenhalts und der Wertschätzung gegenüber der Bundeswehr.
Soldatische Tugenden und Verantwortung
In seiner Rede hob Seidl zentrale Werte hervor, die den Dienst in der Marine prägen: Freiheitsliebe – Freiheit zu schützen bedeute, persönliche Einschränkungen in Kauf zu nehmen, Tapferkeit – nicht die Abwesenheit von Angst, sondern das mutige Handeln trotz Angst und Ritterlichkeit – Fairness, Respekt und Maßhalten, auch gegenüber einem Gegner.
Besonders betonte er die Kameradschaft als tragende Säule des militärischen Dienstes: Sie verbinde Menschen unabhängig von Herkunft oder Hintergrund und sei entscheidend, wenn es darauf ankomme, sich blind aufeinander verlassen zu können. Seidl richtete seinen Dank auch an die Familien. „Sie sind ein wichtiger Rückhalt und vertrauen uns Ihre Angehörigen an.“

Ministerpräsident Olaf Lies: „Freiheit und Sicherheit gehören zusammen“
Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies würdigte die Entscheidung der Rekrutinnen und Rekruten, Verantwortung für Deutschland zu übernehmen. „Wer Frieden bewahren will, muss glaubwürdig für seine Sicherheit sorgen.“
Angesichts globaler Krisen und des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine sei deutlich geworden, dass Freiheit und Frieden nicht selbstverständlich seien. Sicherheit sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, bei der Politik, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Bundeswehr gemeinsam Verantwortung tragen.
Als maritimes Bundesland habe Niedersachsen eine besondere Rolle: Sichere Seewege seien essenziell für Handel, Versorgung und wirtschaftliche Stabilität. Die Marine leiste hierzu einen unverzichtbaren Beitrag.

Junge Rekrutinnen und Rekruten berichten
Für viele der jungen Soldatinnen und Soldaten war das Gelöbnis ein prägender Moment. Die 21-jährige Hannah aus Ostfriesland sagt: „Ich stehe hinter den Werten der Bundeswehr. Die Kameradschaft gefällt mir besonders gut.“ Der 18-jährige Riad entschied sich nach frühen Berührungspunkten mit Sicherheitsberufen bewusst für die Marine: „Die Waffenausbildung macht mir besonders Spaß.“ Und entscheidend sei für ihn, dass sein Vater, der aus Montenegro stammt, auch bei der Marine war. Beide berichten von positiven Reaktionen auf ihre Uniform – sowohl in der Öffentlichkeit als auch im persönlichen Umfeld.

Brake als maritimer Ort des Gelöbnisses
Für viele Rekrutinnen und Rekruten war es der erste Besuch in Brake. Der Standort direkt am Wasser hinterließ Eindruck. „Ich freue mich, dass wir das am Wasser machen konnten. Da ist der Bezug zur Marine noch stärker“, meinte Hannah.
Ein feierlicher Moment mit großer Bedeutung
Mit dem öffentlichen Gelöbnis bekannten sich die Rekrutinnen und Rekruten sichtbar zu ihrer Verantwortung für Deutschland, seine freiheitlich-demokratische Grundordnung und die Sicherheit der Gesellschaft. Die Zeremonie an der Weser war damit nicht nur ein traditionsreicher Akt, sondern auch ein starkes Zeichen der Verbundenheit zwischen Marine, Bevölkerung und demokratischer Gemeinschaft. (Fotos und Text: Kerstin Seeland)