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07.07.2026, Lokalredaktion
Seit mehr als vier Jahrzehnten kämpft Wilfried Albers aus Golzwarden für eine Ortsumgehung, die den zunehmenden Schwerlastverkehr aus der Weser- und Raiffeisenstraße herausführen soll. Bei einem Gespräch zwischen Wilfried Albers und Nachbarin Talkea Hoffmann aus Golzwarden und dem Landtagsabgeordneten Björn Thümler (CDU) wurde erneut deutlich, wie dringend die Situation ist – und wie schwierig der Weg zu einer Lösung bleibt.
Wilfried Albers schilderte eindrücklich die Belastungen, die der Hafenverkehr für die Anwohner mit sich bringt. Besonders der Schwerlastverkehr gefährde zunehmend die Sicherheit im Ort: „Wenn da Kinder oder Fußgänger unterwegs sind und der richtige Schwerlastverkehr kommt, ist das hochgefährlich.“ Auch die Engstellen im Bereich der Kirche und des Schützenhauses seien für Lkw kaum sicher zu passieren.
Björn Thümler bestätigte die Problemlage, machte aber zugleich klar, dass das Land Niedersachsen seit Jahrzehnten keine neuen Landesstraßen mehr baut: „Das Land baut keine Landesstraßen – nicht gestern, nicht heute und auch nicht morgen. Für Neubau gibt es schlicht kein Geld.“ Damit sei eine landesseitige Realisierung der Ortsumgehung ausgeschlossen.
Nur zwei Wege sind realistisch – beide führen über die Stadt Brake
Der Landtagsabgeordnete erläuterte, dass eine neue Umgehungsstraße nur unter zwei Voraussetzungen entstehen könne:
- Die Stadt Brake baut die Straße selbst, finanziert sie vollständig und kann sie nach 15 Jahren an das Land übergeben.
- Der Bund baut eine Bundesstraße – eine Option, die Thümler als „noch unwahrscheinlicher“ bezeichnete.
Damit liegt die Verantwortung faktisch bei der Stadt Brake. Thümler betonte: „Die Stadt ist die Einzige, die diese Straße bauen könnte.“
Trasse vorhanden – aber seit Jahren in der Schublade
Wilfried Albers erinnerte daran, dass eine mögliche Trasse bereits vor Jahren gemeinsam mit der Stadt abgestimmt wurde. Die Führung würde nördlich von Brake verlaufen und den Verkehr direkt zum Hafen leiten. Doch die Planung wurde nie weiterverfolgt.
Hafenerweiterung verstärkt den Druck
Mit jeder Erweiterung des Hafens nimmt der Verkehr weiter zu. „NPorts baut den Hafen immer weiter aus – und wir leiden unter dem Verkehr.“ Björn Thümler sieht hier einen möglichen Ansatzpunkt: Eine Mitfinanzierung durch die landeseigene Hafengesellschaft NPorts müsse geprüft werden. Auch europäische Fördermittel könnten eine Rolle spielen.
Sicherheitsrisiken und Infrastrukturprobleme
Die marode „Designerbrücke“ (Berliner Straße), wie Wilfried Albers sie bezeichnet, deren Kosten sich von ursprünglich geplanten 4 Millionen auf 16 Millionen Euro erhöht haben, erfüllt nach Ansicht der Bürger nicht den gewünschten Zweck. Zudem sei sie aktuell beschädigt und nur eingeschränkt nutzbar.
Im Zuge des Gesprächs berichtete Wilfried Albers von gefährlichen Situationen mit überlangen Transporten, die teils außerhalb der erlaubten Zeiten durch Golzwarden fahren. Die Polizei könne in diesen Fällen oft nur reagieren, nicht verhindern.
Politik mahnt realistische Erwartungen an
„Seit 43 Jahren wird gesagt: Irgendjemand muss das machen. Aber es passiert nichts.“ Björn Thümler verwies auf Beispiele aus anderen Gemeinden, in denen Kommunen selbst die Planung und den Grunderwerb übernommen haben, bevor der Bund den Bau ausführte. Ein ähnliches Modell sei für Brake denkbar – aber finanziell herausfordernd.
Dringender Handlungsbedarf – aber nur kommunale Initiative kann Bewegung bringen
Die Gesprächspartner waren sich einig: Die Verkehrssituation in Brake und Golzwarden ist nicht länger tragbar. Ohne eine Ortsumgehung drohen weitere Gefährdungen und zunehmende Belastungen für die Bevölkerung. Doch klar ist auch: Eine Lösung wird nur möglich, wenn die Stadt Brake die Initiative ergreift und gemeinsam mit NPorts, dem Landkreis und möglichen Fördergebern einen tragfähigen Finanzierungsweg findet. (Foto und Text: Kerstin Seeland)
Titelfoto: MdL Björn Thümler (CDU), Wilfrid Albers und Talkea Hoffmann an der möglichen Trasse, von der B 212, durch Schmalenfleth, zur Nordstraße am Hafen