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24.09.2025, Lokalredaktion
„Öztürk III – Die Traumhochzeit“ Eine interkulturelle Komödie über Liebe, Vorurteile und familiäre Erwartungen
Der lang ersehnte Moment ist gekommen: Nach zwei Jahren in der Türkei kehrt Hakan endlich zu seiner Familie Öztürk nach Deutschland zurück – und bringt eine Überraschung mit. Der fast 30-jährige Sohn will heiraten. Doch statt einer türkischen Braut stellt er seine deutsche Verlobte Nina vor. Was folgt, ist ein turbulenter, humorvoller und zugleich tiefgründiger Schlagabtausch zwischen Kulturen, Generationen und Weltanschauungen.

Hakan und Nina begegnen sich während eines Auslandssemesters in Istanbul – beide als Fremde in einem für sie neuen Land. Ihre Liebe wächst jenseits kultureller Grenzen. Doch zurück in Deutschland muss sich Hakans Vater, Ali Öztürk, von seinen traditionellen Vorstellungen verabschieden. Die Schwiegertochter in spe ist nicht nur Deutsche, sondern auch Vegetarierin – und ihr Vater, ein geschiedener Polizist mit deutschem Schäferhund, bringt weitere Herausforderungen mit sich.

In der Rolle des Familienvaters Ali Öztürk erzählt Autor und Regisseur Murat Isboğa mit viel Witz und Charme, was er in drei Jahrzehnten Deutschland über seine Mitbürger gelernt hat: von der Liebe zu Wandkalendern über die deutsche Planungskultur, bis hin zu der Frage, ob Gäste ihre Schuhe in der Wohnung ausziehen müssen. Dabei gelingt es ihm, kulturelle Eigenheiten pointiert und liebevoll zu karikieren – und endlich darf Vater Öztürk auch einmal eine deutsche Wohnung betreten, statt nur im Garten zu grillen und mit den Kollegen Fußball zu schauen. .
Die Braut Nina stellt in der Inszenierung zentrale Fragen: Ist es wirklich entscheidend, welche Hautfarbe jemand hat, welcher Religion er angehört oder welcher Kultur er entstammt? Oder zählt am Ende nicht vielmehr, ob ein Mensch gut oder böse ist? Ihr Vater gesteht offen, wie tief Ängste vor dem Unbekannten in Vorurteilen wurzeln können – ein Spiegelbild gesellschaftlicher Realität.

„Öztürk III – Die Traumhochzeit“ bietet 85 Minuten voller Komik, Emotion und Reflexion. Murat Isboğa gelingt es, unbegründete Vorurteile auf beiden Seiten mit Humor zu entlarven und das Publikum aktiv in das Geschehen einzubinden – selbst technische Pannen werden charmant in die Handlung integriert.

Das Stück ist der dritte Teil der erfolgreichen Öztürk-Reihe des deutsch-türkischen Theaterensembles „Halber Apfel“, das 2005 von Murat Isboğa gegründet wurde. Seit 2009 widmet sich das Ensemble mit deutschsprachigen Produktionen dem Thema Inter- und Transkulturalität. Unter dem Motto „Wenn der Vorhang aufgeht, treffen sich zwei Kulturen“ tourt das 15-köpfige Ensemble durch Deutschland und war bereits mehrfach Teil der Interkulturellen Woche – unter anderem in Nordenham.
Und das Besondere, das Murat Isboğa am Ende der Vorstellung berichtet: Die Frau an seiner Seite, die auf der Bühne seine Ehefrau spielt, ist seit sieben Monaten seine Ehefrau. Ganz im Gegenteil dazu die 42-jährige Ehe von Dieter und Emine, die als Zuschauer im Publikum sitzen. Mit den Beiden suchte der Regisseur begeistert den Dialog, denn schließlich geht es in seinem Stück auch um eine bevorstehende Ehe zwischen zwei Menschen aus verschiedenen Kulturen. (Fotos und Text: Kerstin Seeland)
Organisiert wurde das Theaterstück vom Refugium Wesermarsch mit der Koordinierungsstelle Migration und Teilhabe des Landkreises Wesermarsch.