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30.08.2026, Lokalredaktion
Mit einem festlichen Rückblick, vielen persönlichen Worten und einem sommerlichen Miteinander hat die Lebenshilfe Wesermarsch am Sonnabend zwei besondere Jubiläen gefeiert: 50 Jahre Tagesbildungsstätte / Karl-Eichler-Schule und 40 Jahre Kindertagesstätte. Hinter diesen Zahlen stehen, wie Landrat Stephan Siefken es betonte, „Generationen von Kindern und Jugendlichen, die hier gelernt haben, gespielt haben, Freundschaften geschlossen haben und wichtige Schritte in ihrer Entwicklung gemacht haben.“

Ein Ort, an dem Kinder aufblühen, wachsen und stark werden
Seit ihrer Gründung 1970 folgt die Lebenshilfe Wesermarsch einem klaren Leitsatz: „Jeder Mensch hat das Recht, sich nach seinen individuellen Möglichkeiten zu entfalten.“ Mit Fachkompetenz, Erfahrung und Herzblut schafft das Team ein Umfeld, in dem Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderung Vertrauen, Wertschätzung und Geborgenheit erfahren. Heute betreut die Lebenshilfe über 250 Kinder und Jugendliche an sechs Standorten in Brake, darunter die Karl-Eichler-Schule, integrative und halbpädagogische Kindergartengruppen, zwei Krippen sowie eine externe Autismustherapie.
Ein Blick zurück: Mutige Anfänge und starke Partner
In seiner Rede erinnerte Geschäftsführer Hans Kemmeries an die Wurzeln der Organisation: die Vereinsgründung 1970, die Eröffnung der Tagesbildungsstätte 1976 und den Aufbau des integrativen Kindergartens 1986 zu einer Zeit, in der gemeinsame Erziehung von Kindern mit und ohne Behinderung offiziell noch nicht vorgesehen war. „Es durfte keine gemeinsame Erziehung stattfinden – nur Begegnung.“

Zu den prägenden Persönlichkeiten zählt Karl Eichler, der sich früh dafür einsetzte, dass Kinder mit geistiger Behinderung ein Recht auf Bildung erhalten. Die Schule trägt seit 2016 seinen Namen. Auch die Entwicklung der Einrichtungen wurde durch starke Partner begleitet – darunter der Landkreis Wesermarsch, die Stadt Brake, der Paritätische Wohlfahrtsverband und der Landesverband Lebenshilfe Niedersachsen.
Wertschätzung für Mitarbeitende und Ehrenamt
Alle Rednerinnen und Redner betonten die Bedeutung der Mitarbeitenden, die mit Geduld, Fachkompetenz und persönlichem Einsatz täglich Teilhabe ermöglichen. Landrat Siefken würdigte sie als „wichtigen Pfeiler des sozialen Zusammenlebens in unserem Landkreis“.

Auch das Ehrenamt wurde hervorgehoben: „Ohne Ehrenamtliche geht es nicht – nur die GmbHs lösen das Problem nicht“ unterstrich Erwin Drews, Landesverband Lebenshilfe Niedersachsen.
Einrichtung mit Zukunft: Umwandlung zur Förderschule in freier Trägerschaft
Ein zentraler Meilenstein wurde ebenfalls vorgestellt: Die staatlich anerkannte Tagesbildungsstätte soll zur Förderschule in freier Trägerschaft weiterentwickelt werden. Der Antrag wurde im August in Osnabrück eingereicht, der Schulbetrieb soll zum 1. August 2027 starten. „Wir haben sehr gute Aussichten – für die Anerkennung der Klassenleitungen und unserer Schulleitung“, führte Hans Kemmeries aus. Die politische Unterstützung sei entscheidend gewesen: Ein gemeinsamer Antrag von SPD, CDU und Bündnis 90/Die Grünen habe die finanzielle Grundlage gesichert.

Stimmen der Gäste: Teilhabe als gelebter Wert
Die stellvertretende Bürgermeisterin Jaqueline Günther hob die Entwicklung von Fürsorge über Inklusion hin zu echter Selbstständigkeit hervor: „Mich beeindruckt vor allem dieses ganzheitliche Konzept – Aufblühen, wachsen und stark für die Zukunft.“ Anja von Bülow vom Paritätischen Wohlfahrtsverband würdigte die Lebenshilfe als Partnerin im Einsatz für einen starken Sozialstaat: „Teilhabe ist kein Luxus und Inklusion keine freiwillige Leistung.“ Und Erwin Drews vom Landesverband Lebenshilfe Niedersachsen erinnerte an die bundesweite Bedeutung der Lebenshilfe und die Verantwortung, Menschen mit Unterstützungsbedarf eine Stimme zu geben: „Wir sind die Lobby für Menschen mit geistiger Beeinträchtigung.“
Untermalt wurde der offizielle Teil von musikalischen Darbietungen des Chors der Lebenshilfe, der viel Anklang fand.
Sommerfest als lebendiger Abschluss
Nach dem offiziellen Teil lud die Lebenshilfe zum Sommerfest ein – mit Spielangeboten, Musik des Ensembles der Stiftung Lebensräume Ovelgönner Mühle, verschiedenen Leckereien und vielen Begegnungen. Das Fest bot Gelegenheit, die Einrichtungen zu besuchen und miteinander ins Gespräch zu kommen.
Gemeinsam Zukunft gestalten
Die Lebenshilfe Wesermarsch blickt dankbar auf fünf Jahrzehnte Engagement zurück – und zugleich optimistisch nach vorn. „Gemeinsam gestalten wir Zukunft – mit Herz, Kompetenz und dem festen Glauben daran, dass jeder Mensch einzigartig ist.“ (Fotos und Text: Kerstin Seeland)