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03.11.2025, Lokalredaktion
Mit dem Inkrafttreten des neuen Orientierungsrahmens zur nachhaltigen Beschaffung am 1. Mai 2025 geht die Stadt Brake einen wichtigen Schritt in Richtung ökologischer und sozial verantwortlicher Verwaltungspraxis. Ziel ist es, das Bewusstsein für nachhaltige Produkte zu stärken und die Mitarbeitenden der Verwaltung bei der Auswahl umweltfreundlicher und fair gehandelter Güter zu unterstützen. Dies stellten Bürgermeister Michael Kurz und Uwe Schubert beim jüngsten Nachhaltigkeitsforum vor.
Der bewusst gewählte Begriff „Orientierungsrahmen“ signalisiert: Es geht nicht um starre Vorgaben, sondern um eine Phase des Lernens und Ausprobierens. In den kommenden zwei Jahren erhalten Mitarbeitende praxisnahe Hinweise, worauf bei der Beschaffung zu achten ist – etwa bei der Auswahl von Gütesiegeln wie dem Blauen Engel oder bei der Berücksichtigung fairer Handelsbedingungen. Diese Phase dient als Vorbereitung auf eine spätere verbindliche Dienstanweisung.
„Wir wollen alte Strukturen aufbrechen und neue Denkweisen fördern“, heißt es aus der Verwaltung. Die Orientierungshilfe soll dabei helfen, nachhaltige Kriterien in den Arbeitsalltag zu integrieren – ohne Überforderung, aber mit klarer Zielsetzung.
Der Orientierungsrahmen gilt für die gesamte Verwaltung – vom Rathaus über Grundschulen und Kitas bis hin zu Bauhof, Sportstätten und Pflegeeinrichtungen. Mit einem Beschaffungsvolumen von rund 2,5 Millionen Euro im Ergebnishaushalt bietet sich ein großes Potenzial, nachhaltige Standards zu etablieren. Auch wenn nicht alle Bereiche – etwa der Bausektor – sofort vollständig umgestellt werden können, sind erste Schritte bereits möglich: bei Reinigungsmitteln, Bürobedarf oder Lebensmitteln.
Ein Beispiel: Die Zusammenarbeit mit dem Weltladen in Brake ermöglicht den Zugang zu fair gehandelten Produkten, insbesondere im Lebensmittelbereich. Weitere Kooperationen, etwa mit dem Wochenmarkt, sollen folgen.
Langfristig strebt die Stadt an, mindestens 20 Prozent der Beschaffung nach nachhaltigen Kriterien abzuwickeln. Dieses Ziel wird in der städtischen Nachhaltigkeitsstrategie verankert und soll durch eine einfache, nachvollziehbare Systematik überprüfbar sein – ohne übermäßige Bürokratie. Zusammenarbeit und Wissenstransfer
Die Stadt Brake setzt auf interkommunale Zusammenarbeit und den Austausch mit anderen Kommunen. Der Orientierungsrahmen basiert auf bewährten Vorlagen aus anderen Regionen und wurde auf die lokalen Gegebenheiten angepasst. „Man muss das Rad nicht neu erfinden, wenn es gute Beispiele gibt“, sagt Uwe Schubert.
Auch die Bevölkerung soll mitgenommen werden: Ein geplanter Einkaufsführer soll zeigen, wo nachhaltige Produkte erhältlich sind. Workshops – etwa mit Kitas zum Thema „Faire Kita“ – fördern das Verständnis und die Umsetzung vor Ort.
Der Orientierungsrahmen umfasst lediglich sieben Seiten – bewusst kurz gehalten, um die Lesbarkeit und Akzeptanz zu erhöhen. „Wir wollen keine Papierflut erzeugen, sondern praktikable Lösungen bieten“, betont die Verwaltung. Auch die Nachhaltigkeitsstrategie der Stadt bleibt mit 20 Seiten überschaubar und praxisnah. (Text: Kerstin Seeland)