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28.08.2026, Lokalredaktion
Rund drei Stunden lang diskutierten die vier Bürgermeisterkandidaten am Dienstagabend, vor rund 200 Zuschauern, im BBZ, über die Zukunft der Stadt Brake. Organisiert hatte die Podiumsdiskussion der Freundeskreis Zwiesel. Unter der Moderation von Kerstin Seeland (Wesermarsch Aktuell) stellten sich Daniel Jochens, Jaqueline Günther, Jonas Ising und Vehbi Sentürkler den Fragen der Moderatorin und des Publikums, engagiert, kontrovers und mit vielen konkreten Vorstellungen für die kommenden Jahre.
Schwerpunkte: Jugendarbeit, Infrastruktur und Wohnraum
Gleich zu Beginn wurde deutlich, dass alle Kandidaten Brake vor allem für junge Menschen stärken wollen. Daniel Jochens betonte die Notwendigkeit eines deutlichen Ausbaus der Jugendarbeit. Streetwork, Prävention und zusätzliche pädagogische Stellen seien dringend erforderlich, um Jugendliche besser zu erreichen und zu unterstützen.
Jaqueline Günther knüpfte daran an und stellte die finanzielle Stabilität der Stadt als Grundlage für alle weiteren Projekte heraus. Sie sprach sich für eine engere Verzahnung von Wirtschaft, Ausbildung und Jugendarbeit aus und kündigte an, das Ehrenamt als „Rückgrat der Gesellschaft“ stärker sichtbar machen zu wollen.
Jonas Ising hob die Bedeutung eines zentralen Treffpunkts für alle Generationen hervor. Der geplante Neubau der„Begu“ könne ein Ort werden, an dem Jugendliche, Familien und Senioren gleichermaßen Raum finden. Zudem forderte er ein langfristig geplantes, zusammenhängendes Radwegenetz und eine moderne, motivierende Verwaltungskultur.
Vehbi Sentürkler legte den Fokus auf die Innenstadtbelebung und den Zustand der Straßen. Er kritisierte den Sanierungsstau und sprach sich dafür aus, Leerstände durch Nutzungsänderungen wieder nutzbar zu machen, auch für Wohnraum. Zudem brauche Brake dringend mehr Handwerksbetriebe und Nachfolgelösungen, um Ausbildungsplätze und lokale Dienstleistungen zu sichern.
Nachhaltigkeit und Klimaschutz
Beim Thema Nachhaltigkeit waren sich die Kandidaten einig: Brake müsse konsequent weiter investieren. Daniel Jochens verwies auf bereits geplante Photovoltaikanlagen auf städtischen Gebäuden und innovative Konzepte wie die Nutzung von Abwärme aus dem geplanten Rechenzentrum. Jaqueline Günther betonte die Bedeutung von Entsiegelung, Begrünung und Lebensqualität. Jonas Ising formulierte ein klares Ziel: „Alle städtischen Gebäude sollen in der nächsten Amtszeit PV auf dem Dach haben.“ Und Vehbi Sentürkler hob die Verantwortung jedes Einzelnen hervor, vom Mülltrennen bis zum Verzicht aufs Auto.
Transparenz, Verwaltung und Kommunikation
Auf die Frage nach einer transparenteren Verwaltung betonten alle Kandidaten die Bedeutung moderner Kommunikation. Jaqueline Günther sprach sich für verständlichere Darstellungen von Ratsentscheidungen und Baumaßnahmen aus. Daniel Jochens verwies auf seine Social-Media-Arbeit, mit der er Verwaltungsprozesse erklärt und entbürokratische Hürden sichtbar macht. Jonas Ising plädierte für „ehrliche, klare und direkte Kommunikation“, auch über digitale Kanäle.
Publikumsfragen: Ärzteversorgung, Hafenverkehr, Strandzugang
Die Fragen aus dem Publikum zeigten, welche Themen die Bürgerinnen und Bürger besonders bewegen:
Ärzteversorgung
Alle Kandidaten waren sich einig: Die Lage ist kritisch. Moderatorin Kerstin Seeland erläuterte die strukturellen Probleme durch die Kassenärztliche Vereinigung und die Folgen der Krankenhaus-Schließung. Die Kandidaten versprachen, politischen Druck zu erhöhen, Gespräche zu intensivieren und neue Modelle, etwa finanzielle Unterstützung für Medizinstudierende, zu prüfen.
Hafenverkehr und Umgehung
Ein Bürger thematisierte die Belastung in Golzwarden. Die Kandidaten erklärten, dass eine Umgehungsstraße derzeit weder finanzierbar noch genehmigungsfähig sei. Jaqueline Günther und Jonas Ising betonten kurzfristige Maßnahmen wie Verkehrsberuhigung, sichere Schulwege und bauliche Veränderungen. Daniel Jochens erläuterte die rechtlichen und finanziellen Grenzen einer kommunalen Lösung.
Zugang zum Käseburger Strand
Mehrere Kandidaten unterstützten die Idee eines zweiten Zugangs. Jonas Ising bezeichnete den Strand als „Gold wert“ und sprach sich für eine dauerhafte Sicherung des bestehenden Weges aus. Vehbi Sentürkler regte an, den Bereich touristisch stärker sichtbar zu machen.
Abschluss: Engagement und Ausblick
Zum Ende der Veranstaltung wurde deutlich: Alle vier Kandidaten wollen Brake weiterentwickeln, mit unterschiedlichen Schwerpunkten, aber einem gemeinsamen Ziel: mehr Lebensqualität für alle Generationen. Moderatorin Kerstin Seeland dankte den Kandidaten und dem Publikum für die intensive Diskussion: „Ich hoffe, dieser Abend macht die Entscheidung am 13. September ein Stück leichter.“ (lr – Foto: Sascha Gollenstede)