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27.09.2025, Lokalredaktion
Die Wesermarsch bietet ideale Voraussetzungen für den Ausbau der Windenergie. Doch die regionale Energiewende umfasst weit mehr. Unter dem Titel „Energiewende in der Wesermarsch – Wie ist der Stand? Wo geht’s hin?“ hatte der CDU-Kreisverband Wesermarsch am Donnerstagabend zu einer Podiumsdiskussion ins Centraltheater Brake eingeladen. Zahlreiche Mitglieder und Interessierte nutzten die Gelegenheit, mit Fachleuten ins Gespräch zu kommen und sich über aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen der regionalen Energiewende zu informieren.
Moderiert wurde die Veranstaltung vom CDU-Landtagsabgeordneten und CDU-Kreisvorsitzenden Björn Thümler, der die Diskussion souverän leitete und gezielt Impulse setzte. Auf dem Podium diskutierten Justin Müller, Leiter der Abteilung Politische Angelegenheiten des EWE-Konzerns, der Windpark-Betreiber und Bio-Energiewirt Leenert Cornelius, Vorstandsvorsitzender der Windpark Ovelgönne Betriebs GmbH & Co. KG, sowie Alexandra Gloystein von Heinemann Solutions. Etwas später komplettierte Prof. Dr. Lutz Stührenberg, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Wesermarsch GmbH, die Runde.
Die Wesermarsch gilt als „Hotspot” der Windenergie. Leenert Cornelius verwies auf den Windpark Frieschenmoor, der seit 2018 ins Netz einspeist. Die Nachbarn seien bei dem Projekt einbezogen worden. Die Flächen in der Wesermarsch böten ideale Voraussetzungen für den weiteren Ausbau. Laut Cornelius gibt es eine gute Netzinfrastruktur. Er befasse sich seit 2006 mit dem Thema erneuerbare Energien. Auch Biogasanlagen seien eine „super Sache“, da Rohstoffe wie Mais, die für deren Betrieb benötigt werden, nachwachsen. Seit 2012 betreibt er eine Biogasanlage auf seinem Hof. Das Methan aus der Gülle wird energetisch verwertet.
Justin Müller betonte die Rolle von EWE bei der Transformation des Energiesystems. Insbesondere der Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft sei entscheidend für die Dekarbonisierung energieintensiver Betriebe in der Region. Die beiden Wasserstoffleitungen Huntorf–Elsfleth und Elsfleth–Nordenham sind bereits genehmigt und Teil des bundesweiten Wasserstoff-Kernnetzes. Kavernenspeicher wie in Huntorf sollen künftig Wasserstoff speichern und zur Netzstabilität beitragen. Müller bemängelte aber auch „unfassbar viele bürokratische Auflagen“. Das Stromnetz in der Wesermarsch ist seinen Worten zufolge 4000 Kilometer lang und das sicherste in Europa.
Prof. Dr. Lutz Stührenberg hob die strategische Bedeutung der Energiewende für die regionale Wirtschaft hervor. Die Wesermarsch sei nicht nur Standort für die Erzeugung, sondern auch für die industrielle Anwendung klimaneutraler Technologien. Durch die Einbindung in das „Net-Zero Valley“, eine EU-Initiative zur klimaneutralen Industriepolitik von Lingen bis Cuxhaven mit 13 Gebietskörperschaften und 1,6 Millionen Menschen, eröffnen sich neue Chancen für Investitionen und Innovationen. Die neu geplante Leitung Elsfleth-Nordenham soll Industrieunternehmen in der Wesermarsch versorgen. Das sei ein wichtiger Schritt für die Dekarbonisierung energieintensiver Betriebe wie Kronos Titan und Glencore.
Alexandra Gloystein betonte die Bedeutung regionaler Netzwerke und Infrastruktur für die Energiewende. Ihr Unternehmen betreibt das Shipyard Guesthouse im ehemaligen Casino der Elsflether Werft. Auf dem Werftgelände bietet Heinemann Solutions praxisnahe Sicherheitstrainings und elektrische Schulungen, auch für Offshore-Mitarbeiter, an. Das Unternehmen ist zudem eng mit dem Trainingszentrum Windskills auf dem Campus der Jade Hochschule verbunden.
Die Diskussion machte deutlich, dass die Wesermarsch über enormes Potenzial verfügt. Doch der Weg zur klimaneutralen Zukunft erfordert Koordination, Investitionen und gesellschaftliche Beteiligung. (pm/lr – Foto: Büro Thümler)
Titelfoto – von links: Björn Thümler, Lutz Stührenberg, Leenert Cornelius, Alexandra Gloystein und Justin Müller