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07.11.2025, Lokalredaktion
„Die Arktis – Eine Welt im Wandel“ lautete der Titel der eindringlichen, multimediale Reise durch Schönheit und Bedrohung der Polarregionen, die Arved Fuchs am Mittwoch im Centraltheater Brake präsentierte. Er war auf Einladung der Buchhandlung Gollenstede und der Kulturförderung Brake vor Ort und nahm die rund 150 Zuschauer mit in eine der kältesten Regionen der Erde. Durch die Unterstützung eines Unterstützers, der nicht genannt werden möchte, konnte diese Veranstaltung angeboten werden. 2015 war Arved Fuchs das letzte Mal in Brake.

Der renommierte Polarforscher, Extremaussteiger und Umweltaktivist Arved Fuchs berichtete von seiner Initiative Ocean Change, die er mit eindrucksvollen Bilder, Video-Sequenzen und persönliche Erzählungen zu einer eindringlichen Bestandsaufnahme der Polarregionen verband: Wie der Klimawandel und Umweltzerstörung die Arktis verändern und welche globale Verantwortung daraus erwächst.

Arved Fuchs gehört zu den erfahrensten deutschen Polarforschern. Seit 1977 unternahm er mehr als 40 Expeditionen in die Polarregionen und darüber hinaus, dokumentierte Expeditionen medial und wurde international bekannt, als er 1989 als erster Mensch den Nord- und Südpol innerhalb eines Jahres zu Fuß erreichte. Sein Expeditionsschiff Dagmar Aaen (Baujahr 1931) begleitet ihn seit 1989; es hat erprobt, extreme Polarbedingungen zu bewältigen und ist zentraler Bestandteil der Ocean Change-Initiative.
Die Zuschauer bekamen an diesem Abend erfahrungsbasierte Einblicke aus über vier Jahrzehnten Polar-Expeditionen, darunter Arktis, Antarktis, Grönland, Patagonien sowie die Nordost- und Nordwestpassagen. Auch das Leben an Bord, in der Einsamkeit des Eises und die Schönheit der Natur hatte Arved Fuchs in Film- und Videoaufnahmen festgehalten.

1979 ist er erstmalig in die Arktis aufgebrochen. Schon in jungen Jahren hatte er stets den Traum gehabt, in diese, für ihn faszinierende Landschaft zu fahren und diese zu erforschen. Um seinen Traum leben zu können, hatte er schon früh damit begonnen, sich für die Reise in das ewige Eis entsprechend abzuhärten. Unter anderem verbrachte er mehrere Nächte in einem Kühlhaus einer Großschlachterei – auch mit Unterstützung von Freunden – bei -37 °C. Da es zu dieser Zeit noch kein Internet gab, plante er seine Reisen mit dem Diercke Schulatlas und taste sich damit durch die Region.
Bei seiner ersten Reisen, ganz in den Norden Kanadas landete er bei den Innuit, die den „verrückten Europäer“ nicht unterstützen wollten. Nachdem der gelernte Maschinist jedoch einen Dieselgenerator vor Ort repariert hatte, akzeptierten ihn die Innunit und unterwiesen ihn in die Kunst des Arctic Survival. Die Innuit waren seine Lehrmeister. Sie brachten ihm das Schlittenfahren mit Hunden bei, das ihm Jahre später noch zugute kam. 1983 folgte eine selbst organisierte Expedition mit Freunden nach Grönland, eine weitere später zum Nordpol, die so genannte Ice Walk Expedition. „Derartiges wäre heute gar nicht mehr möglich“, meint Arved Fuchs.

Es folgte die Ice Sail mit seinem eigenen Schiff, der „Dagmar Aaen“ und im Laufe der nächsten Jahren weitere Expeditionen, auch mit Wissenschaftlern aus aller Welt, nach Alaska, Grönland und an den Polarkreis.
Arved Fuchs wies in seiner Multivisionsshow auf die fragilen Schönheit der Arktis und ihrer ökologischen Bedrohung und vor allem die Dramatik des Klimawandels hin: Rückgang des Meereises, Artensterben, Vermüllung der Ozeane und eine zunehmende industrielle Ausbeutung. Er sah und sieht es als seine Aufgabe an, die Sensibilisierung bei den Menschen für die ökologische Krise in der Arktis und Motivation zu individuellem sowie politischem Handeln voranzutreiben.
Das Projekt Ocean Change dokumentiert seit 2015 die Auswirkungen der Erderwärmung auf die Polarregionen. Die Initiative nutzt visuelles Material, wissenschaftliche Kontextualisierung und öffentliche Vorträge, um Transparenz zu schaffen, Wissen zu verbreiten und zu gesellschaftlichem Engagement zu motivieren.
In der Pause suchten Zuschauer den direkten Austausch mit dem Polarforscher und hatten zudem die Gelegenheit, Bücher von der Buchhandlung Gollenstede zu erwerben und diese vor Ort signieren zu lassen. (Fotos und Text: Kerstin Seeland)