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08.06.2026, Lokalredaktion
Rund 150 Demonstrierende haben am Sonnabend in Brake ein deutliches Signal gegen weitere Weservertiefungen und gegen Futtermittelimporte gesetzt. Die Kundgebung an der Braker Kaje war Teil des diesjährigen Wesercamps und wurde von Robin Wood sowie weiteren Klimaaktivisten organisiert.

Zu Wasser starteten Teilnehmende in Sandstedt, an Land kamen Unterstützerinnen und Unterstützer aus der gesamten Region zusammen – darunter auch Fridays for Future Rastede, die per Fahrraddemo anreisten und zugleich über ihren Widerstand gegen die geplante A20 informierten.

Regionale Betroffenheit: Uferabbrüche, steigende Wasserstände und Sorgen um die Wesermarsch
Die Proteste fallen in eine Zeit wachsender Sorge um die Unterweser. Erst zu Jahresbeginn war in Brake ein Stück Weserufer abgebrochen – ein Ereignis, das in der Region hohe Aufmerksamkeit erzeugte.
Das niedersächsische Umweltministerium kündigte daraufhin Investitionen in Küstenschutz und Pumpwerke an. Gleichzeitig unterstützt die Landesregierung weitere Weservertiefungen – ein Widerspruch, den das Aktionsbündnis gegen die Weservertiefung in einem Offenen Brief scharf kritisiert.

„Existenz der Unterweserregion bedroht“
In dem Schreiben, das am 5. Mai 2026 an Verantwortliche in Niedersachsen, Bremen und im Bund verschickt wurde, warnt das Bündnis vor gravierenden Folgen für die gesamte Region zwischen Brake, Elsfleth, Nordenham, Varel und Bremen.
Jochen Dudeck vom Aktionsbündnis beschreibt die Lage so: „Die gesamte Unterweserregion nördlich des Bremer Weserwehrs ist wassertechnisch untrennbar miteinander verbunden. Bei weiterem Meeresspiegelanstieg und Extremwetterlagen geraten wir in ein Dilemma, das wir nicht mehr beherrschen können.“

Er verweist auf den stark gestiegenen Tidenhub in Bremen – heute über vier Meter – und warnt vor Situationen, in denen Sperrwerke geschlossen werden müssten, während Starkregen gleichzeitig große Wassermengen aus dem Binnenland in Richtung Wesermarsch drückt.
Wirtschaftliche Folgen für die Region: Landwirtschaft, Tourismus, Industrie
Besonders deutlich wird das Bündnis bei der Frage der Wirtschaftlichkeit. Gert Rosenbohm erklärt: „Die Weservertiefungen schaden uns mehr, als sie nutzen. Das zeigt sich in der Wesermarsch längst im Alltag.“

An der Braker Kaje wurde auf die Folgen hingewiesen:
- Landwirtschaft: Versalzung von Gräben, Probleme bei der Trinkwasserversorgung für Weidetiere
- Tourismus: verschlickende Badestellen, eingeschränkte Nutzung von Prielen
- Industrie: steigende Kosten für Anlegerunterhaltung und Schlickentsorgung
- Binnenschifffahrt: höherer Treibstoffverbrauch und riskantere Fahrmanöver
Auch die Unfälle an der Elsflether Huntebrücke sieht das Bündnis im Zusammenhang mit veränderten Strömungsverhältnissen.
„Keine Vorteile durch weitere Vertiefungen“
Für die Häfen an der Unterweser – darunter Brake und Bremerhaven – sieht das Bündnis keine positiven Perspektiven durch zusätzliche Vertiefungen. Annette Chapligin formuliert es so: „Es ist eine psychologische Irreführung, Hoffnungen für den Containerhafen auf weitere Weservertiefungen zu projizieren. Brake und Bremerhaven gewinnen nichts.“
Sie verweist auf sinkende Anlandungen, bereits größere Tiefgangsfenster als Hamburg und die Beteiligung Bremens am Tiefwasserhafen Wilhelmshaven, der weiterhin nicht ausgelastet ist. (Text Kerstin Seeland, Fotos: Gert Rosenbohm)