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22.05.2026, Lokalredaktion
Rund 80 Bürgerinnen und Bürger haben am Donnerstagabend an der öffentlichen Informationsveranstaltung der Stadt Brake zum Bebauungsplan Nr. 89 – Hafenerweiterung in Golzwarden – und dem dazugehörigen Verkehrsgutachten teilgenommen. Im Ratssaal informierten Verwaltung, Planungsbüros und Hafenvertreter ausführlich über den aktuellen Stand des Bauleitverfahrens, die geplante Entwicklung hafenaffiner Gewerbeflächen sowie die erwarteten Auswirkungen auf den Verkehr.
Bereits zu Beginn machte Bürgermeister Michael Kurz deutlich, wie groß das Interesse in der Bevölkerung ist: „Ich freue mich, dass wirklich so viele Bürgerinnen und Bürger gekommen sind, um an einer Informationsveranstaltung teilzunehmen.“
Bauleitverfahren: Bürger können zweimal Stellung nehmen
Bauamtsleiter Rainer Hinrichs erläuterte zunächst den Ablauf des Bauleitplanverfahrens. Der Aufstellungsbeschluss sei bereits im September 2024 gefasst worden. Aktuell befinde man sich in der frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit, in deren Rahmen die Unterlagen bereits seit dem 12. Mai im Rathaus ausliegen. Er betonte, dass die Bürger zweimal Gelegenheit haben, Stellungnahmen einzureichen: „Sie haben in der Konsequenz zweimal die Möglichkeit, zu dem Verfahren Stellung zu nehmen. Einmal jetzt unmittelbar in den nächsten Wochen und danach ein zweites Mal.“
Planungsziel: Erweiterung hafenaffiner Gewerbeflächen
Im Anschluss stellte Ina Rehfeldt vom Planungsbüro MBP die städtebaulichen Überlegungen vor. Das Plangebiet liegt zwischen Nordstraße, Raiffeisenstraße, Berliner Straße und der Bahnlinie Brake–Nordenham. Ziel sei die Erweiterung bestehender hafenaffiner Gewerbegebiete, um langfristig Flächen für Umschlag, Logistik und Hafenwirtschaft bereitzustellen. Sie verwies auf die positive Entwicklung des Hafens und den prognostizierten Flächenbedarf: „Bis 2035 ergibt sich ein Bedarf von 52 Hektar offener Lagerfläche und 13 Hektar gedeckter Lagerfläche.“
Zu den bereits vorliegenden Gutachten gehören u. a. ein Verkehrsgutachten, ein Schallgutachten, ein Oberflächenentwässerungskonzept sowie fischfaunistische Erfassungen. Weitere naturschutzfachliche Untersuchungen laufen noch.
Verkehrsgutachten: Belastung steigt – Leistungsfähigkeit bleibt laut Gutachter erhalten
Verkehrsplaner Lothar Zacharias stellte die Ergebnisse der Verkehrsuntersuchung vor. Grundlage waren Zählungen an der Raiffeisenstraße, Nordstraße und Berliner Straße. Aktuell wurden dort rund 1.425 Fahrzeuge pro Werktag ermittelt, darunter 410 schwere Lkw. Für das geplante Gewerbegebiet wurde ein Worst-Case-Szenario berechnet, das bewusst ohne Bahn- oder Schiffstransporte kalkuliert wurde. Insgesamt könnten demnach bis zu 3.800 zusätzliche Fahrzeugbewegungen pro Tag entstehen, davon rund 1.140 Lkw-Fahrten.
Trotz der erwarteten Zunahme sieht der Gutachter die Leistungsfähigkeit der Knotenpunkte weiterhin gewährleistet: „Alle Knotenpunkte laufen mit einer sehr guten Verkehrsqualität der Stufe A.“
Diskussion: Sorgen der Anwohner – Brücke Weserstraße, Lärm, Sicherheit
In der anschließenden Fragerunde äußerten viele Anwohner ihre Sorgen über steigende Verkehrsbelastungen, insbesondere in Golzwarden. Ein wiederkehrendes Thema war die derzeit auf 3,5 Tonnen begrenzte Brücke in der Weserstraße. Bürgermeister Michael Kurz erklärte, dass die Stadt an einer kurzfristigen Sanierung arbeite: „Wir arbeiten gerade an der Lösung, dass diese Brücke wieder für den normalen Lkw-Verkehr befahrbar ist.“
Auch langfristige Maßnahmen wie eine mögliche Hafenumfahrung („Golzwarder Spange“) wurden diskutiert. Michael Kurz betonte jedoch die schwierige Finanzierung und Zuständigkeit: „Wir sitzen da in einem echten Dilemma, weil es sich um eine Landesstraße handelt.“
Für die Beantwortung weitere Themen der Bürger standen neben den Referenten und Rainer Hinrichs auch der Niederlassungsleiter von N-Ports, Christian Helten, zur Verfügung. Im Wesentlichen drehten sich die Fragen um:
- Lärmbelastung durch Lkw und Hafenbetrieb
- Sicherheit an Bahnübergängen
- Schutz von Naturflächen und Gewässern
- Zukunft des Osterfeuerplatzes
- Erhalt sozialer Nutzungen wie Pferdehaltung auf angrenzenden Flächen
Die Stadt Brake kündigte an, die eingegangenen Stellungnahmen sorgfältig auszuwerten und in die weiteren Planungsschritte einzubeziehen. Die Unterlagen zum Bebauungsplan Nr. 89 und den Gutachten sind weiterhin im Rathaus sowie online einsehbar. Der Bebauungsplan wird nach den Worten von Rainer Hinrichs, vermutlich zum Ende des Jahres rechtskräftig werden.
Derzeit läuft eine Machbarkeitsstudie für die Brücke an der Weserstraße, im Hinblick auf eine mögliche Verstärkung des Betons, dass dort wieder LKWs, die mehr als 3.5 Tonnen wiegen, dort dauerhaft die Straße zum Hafen nutzen können. Hier werden Ergebnisse Anfang Juni erwartet. „Sobald wir hier eine positive Meldung erhalten, haben wir die Möglichkeit, entsprechende Maßnahmen umzusetzen, um dann eine Entlastung in Golzwarden herbeizuführen“, sagt Rainer Hinrichs. Auch das würde dem Baumt weitere Luft zum Planen ermöglichen.
Bürgermeister Michael Kurz bedankte sich zum Abschluss für die sachliche Diskussion: „Ich danke Ihnen, dass Sie hier gewesen sind. Die entsprechenden Unterlagen liegen im Rathaus aus, machen Sie sich schlau und geben Sie eine Stellungnahme ab.“ (Foto und Text: Kerstin Seeland)