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10.03.2026, Lokalredaktion
Das St. Bernhard-Hospital hat in einem ausführlichen Pressegespräch über den aktuellen Stand des Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung, über organisatorische Veränderungen sowie über die Perspektiven des Hauses informiert. Geschäftsführung, Pflegedirektion, ärztliche Leitung, Mitarbeitervertretung und Stiftungsrat standen gemeinsam Rede und Antwort.
Wie Geschäftsführer Frank Germeroth erläuterte, war das Krankenhaus am 24. November 2025, aufgrund einer nicht mehr auskömmlichen Finanzierung und rückläufiger Erlöse, in die vorläufige Insolvenz gegangen. Seitdem arbeitet das Haus intensiv an einer strukturellen Neuaufstellung. Am 1. März 2026 wurde durch das Amtsgericht Nordenham die vorläufige Insolvenz eingestellt und das reguläre Insolvenzverfahren eröffnet.
„Wir sind tief in die Kernprozesse eingestiegen und haben innerhalb kurzer Zeit ambitionierte Maßnahmen umgesetzt“, betont Frank Germeroth. Dazu zählt insbesondere die neu eingerichtete Kurzlieger-Station mit 18 Betten, die auf Patienten mit einer Verweildauer von maximal 48 Stunden ausgerichtet ist. Diese Maßnahme zeigt bereits deutliche Wirkung: „Die meisten Patienten verlassen das Haus inzwischen innerhalb von 48 Stunden.“ Die Station wird von Ärzten, Pflege und Mitarbeitervertretung gleichermaßen unterstützt und gilt als modernes Versorgungskonzept, das die Abläufe spürbar entlastet.
Optimierte Abläufe und organisatorische Modernisierung
Neben der Kurzlieger-Station wurden weitere Prozesse neu strukturiert: Einführung eines zentralen Planungstools für Diagnostik, um Wartezeiten zu reduzieren, tägliche interdisziplinäre Kurzbesprechungen („Huddles“) zur Abstimmung von Entlassungen und Untersuchungen, Neuaufstellung von Logistik und Einkauf durch die Nutzung insolvenzrechtlicher Möglichkeiten, was zu deutlichen Kosteneinsparungen führte sowie Anpassungen in der Infrastruktur, darunter die Schließung der defizitären Caféteria zum 30. März und die Umstellung auf ein 24/7-Automatensystem.
Auch das Tochterunternehmen für Wirtschaftsdienste befindet sich im Verfahren, wird jedoch ebenfalls voraussichtlich Ende Mai aus der Insolvenz herausgeführt.
Finanzielle Lage: erste positive Signale
Trotz der weiterhin angespannten Rahmenbedingungen zeigt sich ein vorsichtiger Aufwärtstrend. Im Februar 2026 konnte erstmals ein ausgeglichenes Ergebnis erzielt werden. Die Personalkosten schlagen mit rund 1,6 Millionen Euro pro Monat zu Buche und machen – wie in Krankenhäusern üblich – etwa 65 bis 70 Prozent der Gesamtkosten aus. Die Gehälter wurden während der ersten drei Monate über die Insolvenzkasse abgesichert, in der Ergebnisrechnung jedoch vollständig berücksichtigt. „Wir planen keinen Personalabbau, sondern für uns steht die Qualität der Versorgung unserer Patienten an erster Stelle“, sagt Frank Germeroth.
Mitarbeitende stehen geschlossen hinter dem Haus
Erfreulich ist die hohe Loyalität der Belegschaft. Trotz der Insolvenz kam es zu keiner erhöhten Fluktuation. „Im Gegenteil – wir haben 18 neue Mitarbeitende eingestellt“, betont Frank Germeroth.
Regelmäßige offene Sprechstunden, Informationsveranstaltungen und transparente Kommunikation haben wesentlich dazu beigetragen, Vertrauen zu schaffen. Antje Ahting, Mitarbeitervertretung, bestätigte eine „große Verbundenheit zum Haus“ und eine spürbare Motivation, den eingeschlagenen Weg mitzugehen. Am Montag wurde dies, nachdem die Geschäftsführung den neuen Sachstand in einer Personalversammlung mitgeteilt hat, noch einmal deutlich. „Es ist bei den Mitarbeitenden durchweg eine ‚Pack-an-Mentalität‘ zu spüren“, ergänzt Pflegedirektor Dirk Schrage.
Der Stiftungsrat, vertreten durch den Vorsitzenden, Pfarrer Christian Fechtenkötter, bekräftigte die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Geschäftsführung. Die Stiftung, der die Immobilie Krankenhaus, nebst dem Grundstück gehört, verfügt selbst jedoch über kein eigenes Vermögen und kann das Krankenhaus daher nicht finanziell stützen. „Wir können begleiten, beraten und unterstützen – aber nicht finanziell eingreifen“, so der Stiftungsratsvorsitzende.
Ein entscheidender Faktor für die langfristige Perspektive wird das Gutachten des Medizinischen Dienstes zu den beantragten Leistungsgruppen sein, das im Sommer erwartet wird. Erst danach können regionale Versorgungsstrukturen gemeinsam mit anderen Häusern abgestimmt werden. „Wir stehen in ständigem Kontakt mit der Helios Klinik Nordenham und werden, nach Bekanntgabe der Leistungsgruppen, die gemeinsame Verantwortung für die Versorgung der Region tragen“, sagt Frank Germeroth.
Das Ziel bleibt, das Insolvenzverfahren bis Ende Mai/Anfang Juni erfolgreich abzuschließen. Risiken bestehen weiterhin, insbesondere wenn unerwartete Defizite auftreten sollten. „Wir rechnen uns nichts schön. Aber wir planen vorsichtig und realistisch“, so der Geschäftsführer. Trotz aller Herausforderungen blickt das Team zuversichtlich nach vorn. Die Motivation im Haus sei hoch, die Maßnahmen greifen, und die Versorgung der Bürgerinnen und Bürger der Wesermarsch habe oberste Priorität. (Foto und Text: Kerstin Seeland)
Titelfoto: von links: Antje Ahting, Mitarbeitervertretung, Pfarrer Christian Fechtenkötter, Klinikmanagerin Imke Siemers, Geschäftsführer Frank Germeroth, ärztlicher Leiter Dr. Steffen Ulbrich und Pflegedirektor Dirk Schrage