Sie können uns unterstützen

07.07.2026, Lokalredaktion
Die Geschäftsführung des St. Bernhard Hospital Brake hat heute bekanntgegeben, dass der Krankenhausbetrieb eingestellt wird. Auch das angeschlossene Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) wird geschlossen. Die Entscheidung markiert einen tiefen Einschnitt für die Gesundheitsversorgung in der Wesermarsch und bedeutet das Ende eines traditionsreichen Klinikstandorts.

Geschäftsführer Frank Germeroth erläuterte im Pressegespräch die Hintergründe der Entscheidung, die nach einer umfassenden wirtschaftlichen und strategischen Neubewertung im laufenden Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung getroffen wurde. „Wir mussten feststellen, dass für das Jahr 2026 keine wirtschaftliche Stabilisierung mehr möglich ist und dass für 2027 keinerlei belastbare Perspektive besteht“, so Germeroth.
Sanierungsbemühungen ohne ausreichende Wirkung
Das Krankenhaus war im November 2025 in die Insolvenz in Eigenverwaltung gegangen, um den Standort zu sanieren und langfristig zu sichern. Ein umfangreicher Sanierungsplan wurde umgesetzt und zeigte zunächst Wirkung. „Wir hatten ein starkes erstes Quartal 2026“, Berichtet Frank Germeroth. Doch ab April verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage deutlich: Die Erlöse gingen zurück, während die Kosten – insbesondere für Energie, medizinische Materialien, Dienstleistungen und Personal – weiter stiegen.
Diese Entwicklung setzte sich über mehrere Monate fort. „Ein schlechter April war noch kein Grund zur Panik. Aber als wir gesehen haben, dass die Folgemonate eine ähnliche Entwicklung genommen haben, war es an der Zeit, über Konsequenzen nachzudenken“, so Germeroth.
Gesetzliche Rahmenbedingungen verschärfen die Lage
Besonders belastend wirkt das neue (Gesetzliche Krankenversicherung) GKV‑Beitragsstabilisierungsgesetz, das bundesweit für Krankenhäuser erhebliche finanzielle Einschnitte bedeutet. Die Geschäftsführung hat die Auswirkungen konservativ für das Jahr 2027 berechnet und kommt zu dem Ergebnis, dass das Gesetz dem Haus „Substanz nimmt“.
Auch die geplante Einführung der bundesweiten Leistungsgruppen schafft zusätzliche Unsicherheit. Der ärztlicher Direktor Dr. Steffen Ulbrich betonte: „Wir hätten als Krankenhaus gar nicht gewusst, wo wir im kommenden Jahr stehen, weil wir nicht wissen, ob wir die beantragten Leistungsgruppen überhaupt zugesprochen bekommen.“
Für freigemeinnützige Häuser wie Brake, die keine kommunale oder private Konzernstruktur im Rücken haben, sei diese Unsicherheit besonders gravierend.
Investitionsstau und fehlende Eigenmittel
Neben den laufenden Kosten belasten auch strukturelle Faktoren den Standort. Das Gebäude ist „hochgradig sanierungsbedürftig“, moderne Abläufe seien in der bestehenden Infrastruktur kaum umsetzbar. Zwar lag ein Fördermittelbescheid des Landes über 54 Millionen Euro für einen Erweiterungsbau vor, doch der notwendige Eigenanteil von rund acht Millionen Euro war nicht finanzierbar.
Ähnlich verhält es sich beim Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG): Für die Digitalisierung wären rund 900.000 Euro Eigenanteil erforderlich gewesen – ebenfalls nicht leistbar. „Wenn Sie keine Eigenmittel haben, bleiben Sie am Wegesrand stehen und sagen: Das kann ich nicht“, fasst Germeroth zusammen.
Große Bedeutung für die Region – geordneter Übergang geplant
Das St. Bernhard Hospital versorgt jährlich rund 36.000 Patientinnen und Patienten, davon etwa 6.000 stationär. Rund 350 Mitarbeitende sind im Krankenhaus und MVZ beschäftigt. Die Geschäftsführung betont, dass die Schließung für Mitarbeitende und Patienten ein schwerer Einschnitt ist.
Bis zur endgültigen Betriebseinstellung im Herbst bleibt die Versorgung vollumfänglich gewährleistet. „Die Versorgungsqualität leidet nicht“, so Germeroth. Ein Rückgang der Patientenzahlen würde die Situation jedoch zusätzlich verschärfen.
Parallel beginnt nun die Organisation eines geordneten Übergangs. Die Klinik hat bereits Kontakt zu umliegenden Krankenhäusern aufgenommen, um Anschlussbeschäftigungen für die Mitarbeitenden zu ermöglichen. Klinikmanagerin Imke Siemers erklärt: „Wir helfen, wo wir können. Unsere Mitarbeitenden sollen Perspektiven erhalten.“
Zukunft des Standorts: ambulante Strukturen möglich
Während die stationäre Versorgung endet, sieht die Geschäftsführung Chancen für eine ambulante Weiterentwicklung des Standorts. Die bestehenden Einrichtungen – darunter Dialyse, Radiologie, Physiotherapie und Apotheke – sind eigenständige Unternehmen und bleiben zunächst bestehen. Erste Interessensbekundungen für neue ambulante Angebote liegen bereits vor. „Ich sehe eine gute Perspektive, dass hier eine vernünftige ambulante Versorgungsstruktur entsteht“, so Germeroth.
Dank an die Mitarbeitenden
Die Geschäftsführung würdigt ausdrücklich den außergewöhnlichen Einsatz der Beschäftigten. „Die Mitarbeitenden haben dieses Krankenhaus durch schwierige Zeiten getragen und seit November noch einmal eine Schippe draufgelegt“, betont Frank Germeroth, „Die Loyalität und Professionalität des Teams hat den Betrieb bis zuletzt gesichert.“
Fakten auf einen Blick
- Schließungsprozess startet jetzt
- Eigenverwaltungsverfahren seit: November 2025
- Planbetten: 103
- Fachabteilungen: 6
- Mitarbeitende: rund 350
- Patienten pro Jahr: ca. 6.000 stationär, ca. 30.000 ambulant. (Fotos und Text: Kerstin Seeland)