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30.07.2026, Lokalredaktion
Die Betriebseinstellung erfolgt sechs Wochen früher als ursprünglich geplant – Rund 350 Beschäftigte betroffen
Die Geschäftsführung des St. Bernhard Hospitals Brake hat entschieden, den Krankenhausbetrieb zum 14. August 2026 einzustellen. Bereits ab dem 7. August 2026 können keine neuen Patientinnen und Patienten mehr aufgenommen werden. Die Mitarbeitenden wurden heute über diese Entscheidung informiert. Die Betriebseinstellung erfolgt damit rund sechs Wochen früher als nach den bisherigen Planungen vorgesehen.
„Wir hätten uns gewünscht, den Mitarbeitenden, unseren Patientinnen und Patienten sowie der Region mehr Zeit für diesen Prozess geben zu können“, erklärt die Geschäftsführung. „Ursprünglich war vorgesehen, den Krankenhausbetrieb erst rund sechs Wochen später einzustellen. Die Entwicklung der vergangenen Wochen hat jedoch dazu geführt, dass wir diesen Schritt deutlich früher vollziehen müssen. Unser oberstes Ziel ist es jetzt, den Übergang für unsere Patientinnen und Patienten, unsere Mitarbeitenden und alle Partner verantwortungsvoll, geordnet und mit größtmöglicher Unterstützung zu gestalten.“
Das St. Bernhard Hospital befindet sich seit November 2025 in einem Eigenverwaltungsverfahren mit dem Ziel einer wirtschaftlichen Sanierung. Trotz zahlreicher eingeleiteter Maßnahmen hat sich die wirtschaftliche Situation in den vergangenen Wochen weiter verschärft. Gleichzeitig führten rückläufige Patientenzahlen und eine zunehmende personelle Fluktuation dazu, dass ein dauerhaft sicherer und wirtschaftlich verantwortbarer Krankenhausbetrieb nicht mehr gewährleistet werden kann. Vor diesem Hintergrund war es nicht mehr möglich, den ursprünglich vorgesehenen Schließungszeitpunkt aufrechtzuerhalten.
Ab dem 7. August 2026 gilt ein Aufnahmestopp für neue Patientinnen und Patienten. Bis zur endgültigen Betriebseinstellung am 14. August 2026 bleibt die medizinische Versorgung der bereits aufgenommenen Patientinnen und Patienten uneingeschränkt sichergestellt. Oberstes Ziel ist es, möglichst viele Patientinnen und Patienten nach Abschluss ihrer Akutbehandlung regulär in ihre häusliche Umgebung oder – sofern medizinisch erforderlich – in eine Kurzzeitpflege- oder Pflegeeinrichtung zu entlassen. Verlegungen in andere Krankenhäuser sollen auf die medizinisch notwendigen Ausnahmefälle beschränkt werden. Hierzu arbeitet das St. Bernhard Hospital eng mit den behandelnden Ärztinnen und Ärzten, den Sozialdiensten, den Pflegeeinrichtungen sowie den zuständigen Kostenträgern zusammen, um für jede Patientin und jeden Patienten eine sichere und individuell passende Anschlussversorgung zu gewährleisten.
Parallel dazu wurden die umliegenden Krankenhäuser, die Rettungsdienste, die Krankenkassen, die zuständigen Behörden sowie das Niedersächsische Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung über die Betriebseinstellung informiert. Alle beteiligten Institutionen haben ihre uneingeschränkte Unterstützung zugesagt und begleiten den geordneten Übergang aktiv. Ziel ist es, die medizinische Versorgung der Bevölkerung während des gesamten Übergangszeitraums jederzeit
sicherzustellen.
Krankenhaus mit großer Bedeutung für die Region
Das St. Bernhard Hospital verfügt über 103 Planbetten und sechs medizinische Fachabteilungen. Gemeinsam mit dem Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) werden jährlich rund 36.000 Patientinnen und Patienten ambulant und stationär versorgt. Rund 350 Mitarbeitende sind derzeit im Krankenhaus und im MVZ beschäftigt.
„Die Leistungen unserer Mitarbeitenden in den vergangenen Monaten verdienen höchste Anerkennung. Trotz der außerordentlich schwierigen Rahmenbedingungen haben sie die Versorgung unserer Patientinnen und Patienten jederzeit mit großem Engagement, hoher Professionalität und großem persönlichen Einsatz sichergestellt.
Dafür gilt ihnen unser ausdrücklicher Dank. Unser gemeinsames Ziel ist es nun, möglichst vielen Beschäftigten neue berufliche Perspektiven in der Region zu eröffnen.“
Bereits seit Bekanntwerden der Entscheidung steht die Geschäftsführung im engen Austausch mit Krankenhäusern der Region, unter anderem in Oldenburg, Bremerhaven, Delmenhorst, Friesland und Nordenham. Mehrere Kliniken haben bereits Informationsveranstaltungen und Bewerbungsgespräche direkt im St. Bernhard Hospital angeboten, damit Mitarbeitende unkompliziert Kontakte knüpfen
und sich frühzeitig über Beschäftigungsmöglichkeiten informieren können.
Erste Perspektiven für die Gesundheitsversorgung
Bereits am 21. Juli 2026 haben Vertreter des St. Bernhard Hospitals, der Helios Klinik Wesermarsch und der Stadt Brake auf Einladung der Kreistags-Arbeitsgruppe „Gesundheit 2040“ über die Folgen der Betriebseinstellung sowie über Perspektiven für die zukünftige ambulante und stationäre Gesundheitsversorgung beraten.
Das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) des St. Bernhard Hospitals ist vom Krankenhausbetrieb unabhängig und soll fortgeführt sowie weiterentwickelt werden. Darüber hinaus hat die Helios Klinik Wesermarsch angekündigt, in Brake ein Gesundheitszentrum aufzubauen. Eine entsprechendes Konzept soll in den kommenden Tagen vorgestellt werden. Landrat und Bürgermeister haben sich in den
Gesprächen ausdrücklich für den Erhalt einer wohnortnahen Gesundheitsversorgung in Brake ausgesprochen.
Verantwortung für einen geordneten Übergang
Die Einstellung des Krankenhausbetriebs markiert das Ende einer 146-jährigen Krankenhausgeschichte in Brake. Gleichzeitig richtet sich der Blick nach vorn. Gemeinsam mit den regionalen Partnern wird intensiv daran gearbeitet, die medizinische Versorgung der Wesermarsch zukunftsfähig weiterzuentwickeln und
möglichst viele Arbeitsplätze in der Region zu erhalten. Die Geschäftsführung bedankt sich ausdrücklich bei allen Mitarbeitenden für ihren außergewöhnlichen Einsatz und ihre hohe Professionalität in den vergangenen Monaten. Der Dank gilt ebenso den Patientinnen und Patienten, den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten, den Rettungsdiensten, den Pflegeeinrichtungen, den Krankenhäusern der Region, den Krankenkassen, den kommunalen Partnern, dem Niedersächsischen Sozialministerium sowie allen
weiteren Institutionen, die ihre Unterstützung in dieser außergewöhnlichen Situation zugesagt haben.
Unser gemeinsames Ziel ist es, die letzten Tage des Krankenhausbetriebs ebenso verantwortungsvoll zu gestalten wie die vergangenen 146 Jahre medizinischer Versorgung in Brake – mit einem geordneten Übergang für die Patientinnen und Patienten, einer verlässlichen Perspektive für die Mitarbeitenden und einer tragfähigen Grundlage für die zukünftige Gesundheitsversorgung in der Wesermarsch. (pm/lr – Foto: Kerstin Seeland)