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19.08.2026, Lokalredaktion
Nach der Schließung des St. Bernhard-Hospitals und dem Rücktritt des bisherigen Geschäftsführungsorgans hat der Stiftungsrat der Stiftung St. Bernhard Hospital den früheren Krankenhausgeschäftsführer Ingo Penner gebeten, vorübergehend Verantwortung zu übernehmen. Penner unterstützt die Stiftung seitdem ehrenamtlich und konzentriert sich ausschließlich auf die Immobilienfragen, nicht auf die medizinische Versorgung.

„Mir geht es um Brake, darum, dass hier kein Kahlschlag entsteht und ambulante Angebote erhalten bleiben“, betont Penner. Die stationäre Versorgung in der Wesermarsch sei entschieden, nun gehe es darum, die vorhandenen Strukturen in Brake sinnvoll weiterzuentwickeln.
Stiftung besitzt ausschließlich Immobilien – keine Rolle in der medizinischen Entscheidung
Penner stellt klar, dass die Stiftung keine Entscheidungen über die zukünftige Gesundheitsversorgung trifft. Diese obliegen der Kassenärztlichen Vereinigung, dem Landkreis sowie den zukünftigen medizinischen Anbietern. Die Stiftung ist reiner Immobilieneigentümer: Krankenhausgebäude, Reha- und Verwaltungsgebäude, das Kompetenzzentrum sowie die Erweiterungsflächen und das ehemalige Schulgrundstück.
Verkauf der Immobilien an öffentliche oder gesundheitliche Träger angeboten
Um die Zukunft des Standorts zu sichern, hat die Stiftung die Immobilien dem Landkreis Wesermarsch, der Stadt Brake sowie Helios zum Kauf angeboten. Ziel sei ein geordneter Übergang, der die weitere Nutzung für Gesundheitsangebote ermöglicht.
Penner betont, dass die Stiftung keine Gewinne erzielen möchte, sondern einen ausgeglichenen Haushalt benötigt, um bestehende Belastungen zu decken. Die Immobilien seien werthaltig, gleichzeitig aber mit Krediten aus der Krankenhauszeit belastet. Ein Verkauf unter Wert sei rechtlich nicht möglich.
Verantwortung des Landkreises – Beispiel aus 2008
Ingo Penner erinnert daran, dass der Landkreis in der Vergangenheit aktiv Verantwortung für die Gesundheitsversorgung übernommen hat. Im Jahr 2008 entschied der Kreistag, das damalige Kreiskrankenhaus an die Rhön-Klinikum AG zu übergeben – für einen symbolischen Euro, ergänzt durch eine finanzielle Unterstützung, um den Standort zu sichern. „Das, was Herr Siefken heute so betont – Gesundheitsversorgung muss aus einer Hand kommen – hätten wir 2008 längst haben können.“
Damals habe der Landkreis bewusst gehandelt, um die stationäre Versorgung zu stabilisieren. Ingo Penner sieht darin einen wichtigen Präzedenzfall, der zeigt, dass der Landkreis in besonderen Situationen bereit war, Verantwortung zu übernehmen, wenn es um die medizinische Infrastruktur der Wesermarsch ging.
Vor diesem Hintergrund wünscht sich die Stiftung, dass der Landkreis auch heute eine aktive Rolle einnimmt, um die ambulante Versorgung in Brake zu sichern und die Zukunft der vorhandenen Immobilien nicht dem Markt zu überlassen.
Bestehende Praxen und Einrichtungen sollen bleiben
Im Hauptgebäude und im Kompetenzzentrum befinden sich weiterhin:
- Dialyse
- Physiotherapie
- Radiologie
Alle drei Einrichtungen haben signalisiert, ihre Mietverträge fortsetzen zu wollen. Zusätzlich gebe es zwei weitere Interessenten aus dem Bereich der Pflegedienstleistungen, die Flächen im Krankenhaus nutzen möchten.
Zeitdruck durch laufende Mietverhältnisse und technische Infrastruktur
Die Krankenhausimmobilien sind derzeit noch bis Ende September an die gGmbH St. Bernhard Hospital vermietet. Erst nach Klärung des Übergangs könne die Stiftung über neue Mietverhältnisse entscheiden. Penner weist darauf hin, dass die vorhandenen OP-Bereiche und technischen Anlagen nur begrenzte Zeit ohne Nutzung hygienisch betriebsbereit bleiben. Ein längerer Stillstand würde einen kompletten Neuaufbau erfordern.
Warnung vor einer möglichen Insolvenz der Stiftung
Sollte sich kein Käufer finden, droht der Stiftung eine Insolvenz. In diesem Fall würden die Immobilien zwangsversteigert, was nach Einschätzung Penner „Investoren anziehen würde, die keinerlei Interesse an einer gesundheitlichen Nutzung haben“. Dies könne zu einer dauerhaften Fehlentwicklung des Standorts führen – etwa durch großflächige Handels- oder Wohnbebauung – und die Chance auf ein ambulantes Gesundheitszentrum zunichtemachen.
Appell an Landkreis und Stadt
Penner wünscht sich, dass die öffentlichen Akteure Verantwortung übernehmen: „Wir haben ein Fundament, auf dem man aufbauen kann – bestehende Praxen, das Kompetenzzentrum und eine große freie Fläche. Jetzt braucht es ein Konzept, das Brake eine verlässliche ambulante Versorgung sichert.“
Der angekündigte Besuch des niedersächsischen Gesundheitsministers in Brake könnte nach Einschätzung der Stiftung ein wichtiger Schritt sein, um gemeinsam eine tragfähige Lösung zu entwickeln. (Text: Kerstin Seeland, Foto: St. Bernhard Hospital)