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15.05.2026, Lokalredaktion
Mit großer Wertschätzung und spürbarer Verbundenheit hat die Pfarrei St. Marien Brake am Sonntag Pastoralreferent Thomas Fohrmann verabschiedet. In zwei sehr persönlichen Ansprachen würdigten Pfarrer Christian Fechtenkötter und Claus Plachetka vom Kirchenausschuss dessen seelsorgliches Wirken in der Gemeinde. Anschließend gab Thomas Fohrmann einen eindrucksvollen Einblick in seine neue Aufgabe als Gefängnisseelsorger in der JVA Oldenburg.

Pfarrer Christian Fechtenkötter stellte in seiner Ansprache das Leitmotiv „Du bist so fern, du bist so nah“ in den Mittelpunkt. Es beschreibe treffend die Situation von Inhaftierten, die zwar Teil der Gesellschaft bleiben, aber hinter Mauern und Türen oft aus dem Blick geraten.
Thomas Fohrmann habe von Beginn an eine klare Idee verfolgt: Brücken zu bauen – zwischen Gemeinde und Gefängnis, zwischen Freiheit und Haft, zwischen Menschen, die selten gesehen werden. Sein Wunsch, zum Abschied nicht sich selbst, sondern die Gefangenen in den Mittelpunkt zu stellen, führte dazu, dass die Kollekte des Festtages dem Förderverein der JVA Oldenburg zugutekommt. Dieser unterstützt besonders jene Inhaftierten, die keinen familiären Rückhalt haben.
Christian Fechtenkötter würdigte Thomas Fohrmann als „Seelsorger mit Leib und Seele“, der den Menschen gezeigt habe, dass Gott nicht fern, sondern spürbar nah sei. Für seine neue Aufgabe wünschte er ihm Gottes Segen – und betonte, dass die Verbindung zur Gemeinde bestehen bleibt.

Claus Plachetka hob hervor, wie sehr Thomas Fohrmanns Stimme, Gedanken und seelsorgliche Haltung die Gemeinde geprägt haben. Er habe das Wort Gottes verständlich und lebensnah gemacht und besonders jene im Blick behalten, die am Rand stehen.
Mit einem Augenzwinkern griff Claus Plachetka Fohrmanns Liebe zur Liturgie und zur lateinischen Sprache auf, bevor er den Bogen zur neuen Aufgabe schlug: Im Gefängnis werde Fohrmann nicht nur mit Worten wirken, sondern vor allem durch seine Präsenz, Licht in die Dunkelheit bringe.
Als symbolisches Geschenk überreichte der Kirchenausschuss löslichen Kaffee – ein schlichtes, aber bedeutungsvolles Zeichen für Begegnung auf Augenhöhe. Claus Plachetka verband dies mit einer Einladung, sich auch künftig einmal „auf einen starken Kaffee“ außerhalb des Gefängnisses zu treffen.
In seiner eigenen Rede verzichtete Thomas Fohrmann bewusst auf einen Rückblick und erzählte stattdessen von seinen ersten sechs Wochen in der JVA Oldenburg – einer Zeit voller intensiver, teils skurriler, teils tief bewegender Erfahrungen.
Er berichtete von den strengen Abläufen am ersten Tag, von Begegnungen mit Menschen, die zwischen Hoffnung und Verzweiflung schwanken, und von Momenten großer Ehrlichkeit. Besonders bewegend war die Begleitung eines Gefangenen, dessen Angehörige im Irak ermordet wurden – und für den die Seelsorge ein außergewöhnliches Familientreffen ermöglichen konnte.
Thomas Fohrmann schilderte, wie er in der klaren Struktur des Gefängnisses einen neuen Lebensrhythmus gefunden habe, der ihm gut tue und ihn spüren lasse, „dass ich da bin, wo ich eigentlich immer hin wollte“. Mit Dankbarkeit blickte er auf seine Jahre in Brake, Elsfleth und Ovelgönne zurück – und mit Zuversicht auf die kommenden Jahre in der JVA, die er humorvoll als „17 Jahre lebenslang – mit besonderer Schwere der Schuld, aber ohne Sicherheitsverwahrung“ bezeichnete.
Die Verabschiedung machte deutlich, wie sehr Thomas Fohrmann die Gemeinde geprägt hat – und wie sehr seine neue Aufgabe zugleich Teil des gemeinsamen Weges bleibt. Christian Fechtenkötter und Claus Plachetka beschrieben so einen Seelsorgers, der Menschen nahekommt, wo andere Distanz empfinden, und der auch hinter Mauern das Wesentliche lebt: Zuwendung, Präsenz und echte Begegnung.
Umrahmt wurde der Gottesdienst von dem konfessionsübergreifenden Chor New Voices, unter der Leitung von Christoph Hartz.
Im Anschluss an den Gottesdienst bot sich im Pfarrheim, bei Kaffee und Kuchen und später einem Grillbüffet, sich noch persönlich von Thomas Fohrmann zu verabschieden. Auch die stellvertretende Bürgermeisterin Brake kam dem Wunsch von Thomas Fohrmann nach und überreichte als Präsent ein Päckchen mit Instantkaffee. (Fotos und Text: Kerstin Seeland)