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13.05.2026, Lokalredaktion
Im „Schiffahrtsmuseum Haus Elsfleth“ kamen Museumsleiterin Dr. Christine Keitsch, Silke Struck von der Museumsakademie „Musealog“ sowie Imke Janssen, Tochter des verstorbenen Kapitäns und Reeders Horst Werner Janssen, zu einem fachlichen Austausch zusammen. Im Mittelpunkt standen aktuelle Forschungserkenntnisse zur Elsflether Reederfamilie Bolte sowie der Fortschritt der baulichen Arbeiten am Museumsstandort.
Horst Werner Janssen hatte vor rund einem Jahrzehnt den umfangreichen Nachlass der Familie Bolte erworben und damit die Grundlage für weitere wissenschaftliche Aufarbeitung geschaffen. Die von Silke Struck erarbeiteten Ergebnisse sind derzeit auf der Webseite des „Schiffahrtsmuseums Brake“ unter dem Titel „Von der Wesermarsch in die Welt“ einsehbar. Zusätzlich werden sie über einen QR‑Code in der Ausstellung im Haus Elsfleth für Besucherinnen und Besucher zugänglich gemacht.
Unter dem Titel „Von der Wesermarsch in die Welt“ hat das Schiffahrtsmuseum Unterweser am 1. Mai 2026 die digitale Ausstellung über die Elsflether Reeders- und Kapitänsfamilie Bolte online gestellt. Spannend erzählt, können Nutzer des Onlineangebots des Museums die Biografie zweier Kapitäne – lebendig und anschaulich illustriert durch vom renomierten Berliner Schauspieler Thorsten Merten eingesprochenen Zitate beider Kapitäne- erschließen.
Der Nachlass der Familie Bolte, der seit 2014 im Schiffahrtsmuseum Unterweser in Brake verwahrt wird, enthält unzählige Briefe, Fotos und handschriftliche Aufzeichnungen aus zwei Jahrhunderten und zeigt auf, was es bedeutet, durch seinen Beruf – als Seefahrer, Reeder und Kapitän – seinen Blick auf und in die Welt hinein zu weiten.
Neben der ungewöhnlich hohen Zahl an originalen Fotografien machen zwei handschriftlich verfasste Kladden und ein Bericht diesen Nachlass besonders. Sie und der 170 Geburtstag ihrer Heimatgemeinde Elsfleth waren der Anlass dafür ihre Lebensgeschichten online zur Verfügung zu stellen.
Die in Elsfleth 1829 und 1862 geborenen Gerd und Gerhard Bolte – Vater und Sohn befuhren als Seeleute und später Kapitäne die Weltmeere und lernten durch ihren Beruf alle Kontinente kennen. Ihre dabei gesammelten Eindrücke und Erlebnisse prägten ihre eindrücklichen Schilderungen und veranlassen beide in ihren persönlichen Aufzeichnungen gesellschaftliche, ökonomische und politische Geschehnisse auf lokaler und internationaler Ebene einzuordnen und zu beschreiben.
Der 1829 geborene Gerd Bolte stammt aus einer seit dem 17. Jahrhundert in der Wesermarsch ansässigen Familie von Kahnschiffern. Noch als Jugendlicher wechselt er von der Kahnschifffahrt zur Segelschifffahrt und befährt die Welt. Er lernt Englisch und geht 1852 bei einer seiner Reisen in Kalifornien an Land, um dort als Goldsucher sein Glück zu versuchen. Zurückgekehrt in die Heimat baut er mit seinem dort erworbenen Geld sein Reedereigeschäft auf. Er wird zu einem erfolgreichen Reeder, der aufgrund seiner internationalen Erfahrungen seine Berufskollegen ermahnt sich dem Stahlschiffbau und der Dampfschifffahrt, anstatt der Segelschifffahrt zuzuwenden.
Sein 1862 geborener Sohn Gerhard Bolte geht folgerichtig nur kurz ins elterliche bis 1906 existierende Unternehmen und wechselt 1887 ausgestattet mit einem Kapitänspatent auf Anraten seines Vaters zum Norddeutschen Lloyd nach Bremen. Innerhalb weniger Jahre wird er dort zu einem der erfolgreichsten und bekanntesten Kapitäne. Als 1. Offizier auf der KAISER WILHELM DER GOSSE ist er 1897 dabei als das Dampfschiff das „Blaue Band“ für die schnellste Atlantiküberquerung gewinnt. Beim verheerenden Brand im New Yorker Hafen 1900 in Hoboken/New York, dem viele Menschen zum Opfer fallen, trägt er maßgeblich zur Rettung des einzigen Schiffes bei, dass die Katastrophe übersteht. Am ersten Weltkrieg nimmt er als Kapitän eines Lazarettschiffes teil.
In seinen erst 1944 begonnenen Tagebuchaufzeichnungen beschäftigt sich Gerhard Bolte dennoch nur am Rande mit seinen „Heldentaten“ rund um die Jahrhundertwende. Für ihn ist es im Alter von über 80 Jahren wesentlich wichtiger sich intensiv mit der NS-Zeit und deren Folgen für Deutschland auseinanderzusetzen. Bis zu seinem Lebensende 1964 bleibt Gerhard Bolte, der auch regelmäßiger Gast der Bremer Schaffermahlzeit ist, ein politisch reflektierter, aufmerksamer Beobachter seiner Zeit mit Kontakten in die hohe Politik.
Die Onlinepräsentation einer Ausstellung zur Familie Bolte auf einer responsiv abrufbaren und bald auch über QR Code abrufbaren Website schließt wichtige Lücken in der Erzählung der Geschichte Elsfleths. (pm/lr – Foto: Dr. Christine Keitsch)
Hier geht es direkt zur digitalen Sammlung: https://www.schiffahrtsmuseum-unterweser.de/digital/sammlung-digital/nachlass-bolte/
Titelfoto: Silke Struck und Imke Janssen