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23.10.2026, Lokalredaktion
Michael Michael Kurz blickt auf seine Amtszeit in Brake zurück und freut sich auf einen neuen Lebensabschnitt
Zwölf Jahre an der Spitze der Stadt Brake gehen am 31. Oktober 2026 zu Ende. Für Bürgermeister Michael Michael Kurz ist das Anlass, zurückzublicken, auf schwierige Entscheidungen, wichtige Zukunftsprojekte, viele Begegnungen und eine intensive Zeit, die ihn beruflich wie persönlich geprägt hat. Vor allem aber blickt er mit Dankbarkeit auf seine Amtszeit zurück. „Ich glaube, das waren zwölf gute Jahre“, sagt er. Was in dieser Zeit erreicht wurde, sei für ihn allerdings keine Einzelleistung. „Ein Bürgermeister hat im Rat nur eine Stimme. Das, was wir geleistet haben, ist eine Gemeinschaftsleistung von Bürgermeister, Verwaltung und Rat.“
Von der Haushaltskrise zu neuen Gestaltungsmöglichkeiten
Als Michael Kurz 2014 sein Amt antrat, stand Brake finanziell vor großen Herausforderungen. Rund zwölf Millionen Euro an Kassenkrediten belasteten die Stadt, der Haushaltsentwurf sah ein Defizit von 1,5 Millionen Euro vor. Die Kommunalaufsicht forderte einen konsequenten Sparkurs.
Michael Kurz setzte gemeinsam mit seinen Mitarbeitenden im Rathaus auf eine systematische Analyse der Ausgaben. 42 konkrete Sparmaßnahmen wurden erarbeitet, intensiv beraten und größtenteils beschlossen. Bereits 2015 konnte Brake statt des erwarteten Defizits einen Überschuss von rund 362.000 Euro verbuchen.
Neben der Haushaltskonsolidierung profitierte die Stadt von einer guten wirtschaftlichen Entwicklung, starken heimischen Unternehmen und zusätzlichen Fördermitteln. Gleichzeitig wurde kräftig investiert: in Kitas, Schulen, Sporthallen und öffentliche Gebäude ebenso wie in die Ausstattung der Feuerwehr. Mehr als 200 zusätzliche Betreuungsplätze wurden geschaffen, und der Sanierungsstau in allen kommunalen Einrichtungen konnte beseitigt werden.
Für den noch amtierenden Bürgermeister zeigt sich darin, was kommunale Verantwortung ausmacht: sorgfältig mit öffentlichen Geldern umzugehen und zugleich die Voraussetzungen für eine gute Zukunft zu schaffen.
Projekte, die Brake nachhaltig verändern
Zu den Entwicklungen, auf die Michael Kurz besonders stolz ist, gehört das Quartier an der Ladestraße. Das Gelände lag rund 50 Jahre brach. Trotz anfänglicher Widerstände entstand dort ein neues Quartier mit wichtigen Angeboten für Bildung, Kinderbetreuung und einer geplanten Wohnbebauung. Auch die Entwicklung des Gewerbegebiets an der Lise-Meitner-Straße zählt zu den bedeutenden Weichenstellungen. Neue Flächen schaffen Perspektiven für bestehende Betriebe und weitere Unternehmensansiedlungen.
Ein Herzensprojekt ist für Michael Kurz auch das Centraltheater Brake. Als Gründungsmitglied der Genossenschaft hat er sich dafür eingesetzt, das Kino als wichtigen kulturellen Treffpunkt zu erhalten. Gemeinsam wurden Fördermöglichkeiten erschlossen und finanzielle Unterstützung organisiert. Auch die Sommerlounge und das Lichterfest sind für ihn Beispiele dafür, wie Veranstaltungen Menschen zusammenbringen und Brake über die Stadtgrenzen hinaus sichtbar machen können.
Ein sichtbares Zeichen für Veränderung ist zudem die künstlerische Gestaltung eines rund 200 Meter langen Abschnitts der Deichmauer durch den Künstler Michael Fischer-Art. Die farbenfrohe Gestaltung habe Brake ein Stück bunter gemacht. Für Michael Kurz ist sie zugleich ein Anfang: Weitere Abschnitte könnten künftig ebenfalls künstlerisch gestaltet werden.
Nachhaltigkeit braucht Ideen – und verlässliche Unterstützung
Besonders am Herzen liegt ihm das Schwammstadtprojekt. Mit einem Klimapark und einem Naturbad, das auf der Nutzung von Oberflächenwasser basiert, verfolgt Brake einen innovativen Ansatz für Klimaanpassung und nachhaltige Stadtentwicklung. Die Umsetzung ist komplex und erfordert sorgfältige Planung. Michael Kurz rechnet damit, dass das Projekt voraussichtlich bis Mitte 2029 weitgehend umgesetzt werden kann.
„Wir können nicht einen Förderbescheid bekommen und übermorgen fertig sein“, betont er. Er ist überzeugt, dass sich die Geduld auszahlen wird und Brake mit dem Vorhaben ein besonderes Beispiel für andere Kommunen schaffen kann.
Dass Klimaschutz und Nachhaltigkeit nicht allein auf kommunaler Ebene gelöst werden können, ist für ihn eine zentrale Erkenntnis seiner Amtszeit. Städte und Gemeinden müssten politische Ziele von Bund und Ländern umsetzen, verfügten dafür aber häufig nicht über ausreichende finanzielle und personelle Ressourcen.
Gemeinsam mit Eltville am Rhein und Zwiesel hat Brake deshalb ein Städtenetzwerk gegründet, dem sich inzwischen zahlreiche weitere Kommunen angeschlossen haben. Ziel ist es, den Interessen kleinerer Städte und des ländlichen Raums mehr Gewicht zu verleihen und eine verlässliche Finanzierung kommunaler Aufgaben einzufordern. Für Michael Kurz ist das ein Beleg dafür, dass auch kleinere Kommunen gemeinsam eine starke Stimme entwickeln können.
Eine starke Verwaltung und ein lebendiges Ehrenamt
Bei allen Projekten betont er immer wieder die Bedeutung der Menschen, die hinter den Entwicklungen stehen. Er habe eine leistungsfähige Verwaltung erlebt, deren Strukturen während seiner Amtszeit verschlankt wurden. Auch die Zusammenarbeit mit dem Rat und den Bürgermeisterkolleginnen und -kollegen im Landkreis Wesermarsch sei von Vertrauen und gegenseitiger Unterstützung geprägt gewesen.
Besonders wichtig ist ihm das ehrenamtliche Engagement. Seit fast vier Jahrzehnten bringt er sich selbst in verschiedenen Bereichen ein. Umso mehr weiß er zu schätzen, was Menschen in Vereinen, Hilfsorganisationen, kulturellen Einrichtungen und sozialen Initiativen für das Gemeinwohl leisten.
Gleichzeitig beobachtet er, dass es schwieriger wird, Menschen für verantwortungsvolle Aufgaben im Ehrenamt zu gewinnen. Deshalb richtet er einen ausdrücklichen Appell an die jüngere Generation: „Engagiert euch ehrenamtlich, damit die Gesellschaft weiter am Laufen bleibt.“ Ohne dieses Engagement, ist Michael Kurz überzeugt, würde vieles im gesellschaftlichen Leben nicht funktionieren.
„Jeder muss seinen Weg selber finden“
Für seine Nachfolgerin Jacqueline Günther hat Michael Michael Kurz bewusst keine Ratschläge parat. Sie kenne die Ratsarbeit, sei eine gefestigte Persönlichkeit und werde ihren eigenen Weg finden. „Jeder muss seinen Weg selber finden und gehen“, sagt er. Es sei nicht seine Aufgabe, ihr vorzuschreiben, wie sie das Amt ausüben
solle.
Diese Haltung zeigt auch, dass Michael Kurz bereit ist, Verantwortung abzugeben. Er möchte sich nicht in die Arbeit seiner Nachfolgerin einmischen, sondern ihr den Raum geben, eigene Entscheidungen zu treffen und eigene Schwerpunkte zu setzen.
Ganz ohne Wehmut wird der Abschied dennoch nicht sein. Vermissen werde er vermutlich den intensiven Austausch mit Kolleginnen und Kollegen, die gemeinsame Suche nach Lösungen und das über Jahre gewachsene Netzwerk. Auch die Menschen in der Verwaltung seien ihm ans Herz gewachsen.
Mehr Zeit für Familie, Freundschaften und Ehrenamt
Nach insgesamt 48 Dienstjahren und einem Monat beginnt für Michael Kurz ein neuer Lebensabschnitt. Die vergangenen zwölf Jahre als Bürgermeister waren intensiv, mit langen Arbeitstagen, zahlreichen Terminen und großer Verantwortung. Nicht selten, erzählt er mit einem Schmunzeln, habe ihn seine Sekretärin länger gesehen als seine Frau.
Nun möchte er mehr Zeit mit seiner Familie verbringen, Freundschaften wieder intensiver pflegen, mehr Sport treiben und sich um Haus und Garten kümmern. Auch Reisen sollen künftig leichter möglich sein. Dass der Wechsel von einem durchgetakteten Arbeitstag in einen selbstbestimmten Ruhestand eine Umstellung wird, ist ihm bewusst. Er will die neue Situation jedoch gelassen auf sich zukommen lassen und auch lernen, nicht jeden Tag verplanen zu müssen.
Sein ehrenamtliches Engagement möchte er fortsetzen. Dazu zählen seine Tätigkeiten rund um das Centraltheater, den Verein Lebenswunsch, den Förderverein Stationäres Hospiz und die Karl-Rudolph-Bromme-Gesellschaft. Er will also weiterhin Verantwortung übernehmen, künftig aber mit mehr Freiraum und nach eigenem Zeitplan.
Wenn Michael Kurz auf seine Amtszeit zurückblickt, überwiegt die Zufriedenheit mit dem gemeinsam Erreichten. Er weiß, dass nicht jedes Vorhaben ohne Schwierigkeiten umgesetzt werden konnte und dass kommunale Entwicklung Zeit braucht. Entscheidend sei, Probleme offen anzugehen, Lösungen zu suchen und dabei zusammenzuarbeiten. (Foto und Text: Kerstin Seeland)