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03.05.2026, Lokalredaktion
Fedderwardersieler Fischer sehen sich durch eine EU-Verordnung in ihrer Existenz bedroht Der CDU-Gemeindeverband Butjadingen hatte zu einer Info-Veranstaltung eingeladen:
In Butjadingen wächst die Sorge: Eine neue EU-Verordnung im Rahmen der Biodiversitätsstrategie könnte weitreichende Folgen für die Küstenfischerei haben bis hin zum vollständigen Aus der letzten vier Fischereibetriebe im Hafen von Fedderwardersiel. Was als Beitrag zum Naturschutz gedacht ist, wird vor Ort zunehmend als existenzielle Bedrohung wahrgenommen.
Im Zentrum der Kritik stehen geplante sogenannte „strenge Schutzgebiete“, die künftig zehn Prozent des niedersächsischen Küstenmeeres umfassen sollen. Die dafür vorgeschlagenen Suchräume wurden unter Beteiligung von Naturschutzverbänden, jedoch ohne Einbindung der betroffenen Fischer erarbeitet. Für diese hätte eine Umsetzung gravierende Konsequenzen. Wichtige Fanggebiete würden dauerhaft verloren gehen. In vielen Bereichen käme dies einem faktischen Berufsverbot gleich.
Wie groß die Verunsicherung ist, wurde bei einer Informationsveranstaltung des CDU-Gemeindeverbandes Butjadingen deutlich. Der CDU-Verbandsvorsitzende Johann Evers moderierte die Veranstaltung im Havenhuus. Die Fedderwardersieler Fischer, vertreten durch ihren Sprecher Söhnke Thaden sowie seine Kollegen Manfred und Lennart Wefer und Dirk Ostendorf, schilderten eindringlich ihre Lage. „Die Flächen werden immer kleiner, auch für die Krabbe“, betonte Thaden. Die geplanten Maßnahmen könnten das wirtschaftliche Fundament der Betriebe zerstören. „Wir haben Angst, dass wir einfach überrollt werden.“
Hinter diesen Worten stehen nicht nur einzelne Unternehmer, sondern Familienbetriebe mit langer Tradition. In Fedderwardersiel sichern vier aktive Fischereibetriebe Arbeitsplätze auf See und an Land von der Verarbeitung über den Transport bis hin zur Vermarktung. Gleichzeitig ist der Hafen ein wichtiger Bestandteil des touristischen Angebots der Region. Ein Wegfall der Fischerei hätte daher weitreichende wirtschaftliche Folgen für die gesamte Küste.
Besonders kritisch sehen die Fischer die fachliche Grundlage der vorgeschlagenen Schutzgebiete. Die herangezogenen Daten, insbesondere sogenannte VMS-Positionsdaten, seien nicht geeignet, die tatsächliche Nutzung der Fanggebiete realistisch abzubilden. Fangaktivitäten unterliegen saisonalen und ökologischen Schwankungen, kurzfristige Datenauswertungen könnten diese Dynamik nicht erfassen.
Eigene Auswertungen der Betriebe zeigen, dass sich die Fangaktivitäten im Weserästuar auf wenige zentrale „Hotspots“ konzentrieren. Zwei dieser drei wirtschaftlich entscheidenden Gebiete würden durch die geplanten Ausschlusszonen wegfallen. Die Folge seien Umsatzverluste von bis zu 60 Prozent je Betrieb und ein möglicher Gesamtschaden von bis zu 1,8 Millionen Euro jährlich für den Standort.
Schon jetzt ist der verfügbare Fangraum deutlich reduziert. Windparks, Schifffahrtswege, Seekabel, Baggerarbeiten und weitere Eingriffe haben zahlreiche Gebiete unzugänglich oder unwirtschaftlich gemacht. Hinzu kommen bislang unzureichend kartierte Unterwasserhindernisse, die zusätzliche Risiken darstellen.
Vor diesem Hintergrund empfinden viele Fischer die neuen Planungen als weiteren Schritt in einer Entwicklung, die ihre berufliche Zukunft zunehmend infrage stellt.
Unterstützung erhalten die Betroffenen vom CDU-Landtagsabgeordneten Björn Thümler. Er kritisierte, dass weder die Politik noch die Fischer ausreichend in die bisherigen Planungen einbezogen worden seien. Thümler kündigte an, das Thema mit einer Kleinen Anfrage in den Landtag zu bringen und so öffentlich mehr Transparenz zu schaffen.
Darüber hinaus sieht er weitere politische Handlungsmöglichkeiten, etwa eine Behandlung im Petitionsausschuss sowie die Einbindung des CDU-Bundestagsabgeordneten Bastian Ernst. Auch auf kommunaler Ebene soll der Druck erhöht werden. Resolutionen des Gemeinderates und des Kreistages könnten den Anliegen der Küstenfischer mehr Gewicht verleihen.
Auch Butjadingens Bürgermeister Axel Linneweber äußerte Bedenken. In einer Stellungnahme an das Niedersächsische Umweltministerium verweist die Gemeindeverwaltung auf offene Fragen im Verfahren und insbesondere darauf, ob tatsächlich ausschließlich Hauptfanggebiete als Grundlage für die Flächenauswahl dienen müssen. Eine Klärung dieser Frage könnte zu völlig anderen Ergebnissen führen.
Zudem wird kritisiert, dass wirtschaftliche und touristische Auswirkungen bislang kaum berücksichtigt wurden. Vertreter aus Wirtschaft und Tourismus zeigen sich irritiert darüber, dass entsprechende Daten den zuständigen Ministerien offenbar nicht vollständig vorliegen. Dabei gilt die Küstenfischerei als wichtiger Bestandteil der regionalen Identität und als bedeutender Faktor für die Attraktivität der Nordseeküste.
Trotz aller Kritik betonen die Fedderwardersieler Fischer ihre grundsätzliche Bereitschaft zur Zusammenarbeit. Sie fordern jedoch ein transparentes Verfahren, belastbare Datengrundlagen und eine echte Beteiligung der Betroffenen. Ziel müsse es sein, Naturschutz und wirtschaftliche Existenz in Einklang zu bringen. (pm/lr – Foto: Büro Thümler)
Titelfoto: Der CDU-Gemeindeverband Butjadingen hatte zu der Veranstaltung eingeladen, an der auch die Fedderwardersieler Fischer sowie der CDU-Landtagsabgeordnete Björn Thümler teilnahmen