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12.05.2026, Lokalredaktion
An zahlreichen Orten in der Wesermarsch gibt es zentrale Gedenk‑ und Erinnerungsorte für Verstorbene, wie beispielweise den „Garten der Erinnerung“ in Brake. Doch bei einer Seebestattung in der Nordsee gab es bisher keinen Platz für Angehörige, sich vor Ort zu erinnern. Das hat sich jetzt geändert, denn jetzt steht im Hafen von Fedderwardersiel ein Gedenkstein für die auf See Bestatteten.
Für Barbara Entrich aus Burhave ist dieser Ort von besonderer Bedeutung. Im April 2023 verlor sie ihren Mann Siegfried Entrich, der einst als Flüchtling aus Schlesien an die Nordseeküste kam und in Butjadingen seine Heimat fand. Die Verbundenheit zur See prägte sein Leben – und so war es sein ausdrücklicher Wunsch, auch dort seine letzte Ruhe zu finden. Im Mai 2023 erfüllte seine Frau ihm diesen Wunsch.
Drei Jahre später konnte Barbara Entrich nun selbst etwas verwirklichen, das ihr am Herzen lag: Ein sichtbares Zeichen für all jene, deren Angehörige im Meer beigesetzt wurden und damit einen Ort zu schaffen, am dem Angehörige sich erinnern und trauern können. Am Montag wurde der neue Gedenkstein im Fedderwardersieler Hafen feierlich eingeweiht.
Sie wandte sich an Bürgermeister Axel Linneweber und an den Bürgerverein Fedderwardersiel. Besonders Johann Evers aus Feldhausen griff die Idee engagiert auf. Gemeinsam mit den Vereinsmitgliedern unter Vorsitz von Birte Reimann begann er, das Vorhaben Schritt für Schritt umzusetzen. Unterstützung kam auch von der Butjadinger Fischereigesellschaft, die im Hafen ansässig ist.
Die Bürgervereinsmitglieder Wilfried Buchholz und Hein-Eric Eymers wurden auf der Suche nach einem geeigneten Gedenkstein in Friesoythe fündig. Der 800 Kilogramm schwere Stein aus Granit wurden den Beiden kostenfrei überlassen. Kurzerhand wurde der Transport nach Butjadingen organsiert. Mitarbeitende des Bauhofs reinigten den Stein und setzen zudem ein rund 400 Kilogramm schweres Fundament in den Hafenbereich Fedderwardersiels, als Standort für den Stein.
Der Gedenkstein wurde – ebenfalls vom Bürgerverein – mit einer Schiefertafel, auf dem sich auch das Abbild eines Kutters befindet und dem Spruch „Du bist da, wo das Meer den Himmel berührt“ versehen.
Bürgermeister Axel Linneweber betonte bei der Einweihung, dass mit dem Gedenkstein eine wichtige Lücke geschlossen worden sei. Der Stein steht zwischen zwei Bänken – ein Ort zum Verweilen und Erinnern.
Schon seit vielen Jahren werden Wünsche von Angehörigen bezüglich einer Seebestattung von den Besatzungen der „Wega II“ und dem Krabbenkutter „Christine“ auf der Außenweser umgesetzt. Die Ausgestattung der Beisetzungsfeier obliegt den Angehörigen. Die Asche des Verstorbenen wird in einer wasserlöslichen Seeurne zu einer zugelassenen Position gefahren, feierlich dem Meer übergeben, und anschließend erhalten die Angehörigen eine Seekarte mit den genauen Koordinaten. (Text: Kerstin Seeland, Foto: Axel Linneweber)