Butjadingen – „Rund um den Wolf“ auf Hof Iggewarden/Butjadingen
26.08.2026, Lokalredaktion
Schon das abschließende Resümee der Veranstaltung ließ erkennen, wohin die Stimmung tendierte. Mit seinem Fazit „Der Wolf gehört hier nicht hin“ brachte der CDU‑Landtagsabgeordnete Björn Thümler (Berne) die Debatte auf den Punkt und erhielt dafür deutlichen Applaus von den mehr als 100 Teilnehmern aus Landwirtschaft, Deichsicherheit und Politik. Der CDU‑Gemeindeverband Butjadingen, der CDU‑Stadtverband Nordenham und der Hegering Butenland hatten zu der öffentlichen Informationsveranstaltung „Rund um den Wolf“ auf Hof Iggewarden eingeladen.
Annegret Conrady, Björn Thümler, Helmut Dammann-Tamke, Jörn Ehlers und Henning Kaars
Bei der Veranstaltung am Montag wurde deutlich, dass die Herausforderungen im Umgang mit dem Wolf groß sind und der Handlungsdruck wächst. Helmut Dammann‑Tamke, Präsident des Deutschen Jagdverbandes, erläuterte die neuen niedersächsischen Regeln seit Inkrafttreten des Managementplans Wolf am 1. Juli 2026. Dieser sieht zwei zentrale Instrumente wie Schnellabschüsse nach bestätigten Rissereignissen trotz Herdenschutz sowie Interventionsgebiete vor, in denen nach mehreren Schadereignissen ganze Rudel entnommen werden dürfen. Ziel sei es, auf Risse schnell, rechtssicher und unbürokratisch reagieren zu können. Die meisten der 61 Rudel in Niedersachsen seien unauffällig, doch sieben Rudel verursachten 55 Prozent der Schäden. Dazu würde auch das Wolfsrudel im Landkreis Cuxhaven gehören.
Björn Thümler, Annegret Conrady und Helmut Dammann-Tamke
Helmut Dammann-Tamke ist seit 2010 zum Thema Wolf unterwegs. Im Jahr 2000 sei das erste Wolfsrudel in der Lausitz registriert worden, merkte er an. In den vergangenen 25 Jahren sei der Wolf im höchsten Maße geschützt gewesen. Seit der Änderung des Jagdrechts und vor allem seit Inkrafttreten des Managementplans Wolf gelten in Niedersachsen nun neue Regeln. Ein Schnellabschuss wird möglich, wenn ein von der Landwirtschaftskammer (LWK) beauftragter Sachverständiger für Wolfsrisse festgestellt hat, dass ein Schaden mit hoher Wahrscheinlichkeit von einem Wolf verursacht wurde und trotz zumutbar ergriffener Herdenschutzmaßnahmen eingetreten ist. Die Jagd endet, sobald in diesem Jagdgebiet ein Wolf erlegt worden ist, spätestens nach Ablauf der sechswöchigen Jagdzeit. Interventionsgebiete entstehen bei wiederholten, durch Wölfe verursachten Schadereignissen. Es gilt der jagdliche Grundsatz „jung vor alt“. Während des Bejagungszeitraums ist die Jagd unter Beachtung des Elterntierschutzes mit zulässigen jagdlichen Mitteln und Methoden auszuüben.
Aus Sicht der Weidewirtschaft forderte Jörn Ehlers vom Aktionsbündnis „Aktives Wolfsmanagement“ mehr Planungssicherheit und praxistaugliche Lösungen. Kleine Parzellen oder Deiche ließen sich nicht wirksam einzäunen. Henning Kaars, Verbandsvorsteher des II. Oldenburgischen Deichbandes, betonte die Bedeutung wolfsfreier Küstenregionen für die Deichsicherheit und kritisierte die langwierigen Debatten. Seine Forderung, sich nicht von „selbsternannten Tierschützern“ bevormunden zu lassen, fand breite Zustimmung. Björn Thümler hob hervor, dass der Wolf die Gesellschaft polarisiere und der Artenschutz teils falsch ausgelegt werde. Für Nutztierhalter brauche es schnelle und klare Entscheidungen.
Der Butjadinger CDU‑Gemeindeverbandsvorsitzende Johann Evers führte durch den Abend, ehe Annegret Conrady, stellvertretende Vorsitzende des CDU‑Stadtverbands Nordenham, mit einem Schlusswort die Veranstaltung abrundete. Einig waren sich die Teilnehmenden darin, dass es in der Gesellschaft ein Umdenken braucht. Jeder Wolfsriss müsse konsequent gemeldet werden, betonte Helmut Dammann‑Tamke, um belastbare Entscheidungsgrundlagen zu schaffen. (pm/lr – Fotos: Büro Thümler)