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08.10.2025, Lokalredaktion
Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger waren bei der Ratssitzung am Dienstagabend im Ratssaal Burhave anwesend. Das zentrale Thema an diesem Abend war das Vier-Sterne-Hotel-Projekt in Burhave, zur Erweiterung des Ferienparks am Meer.
An drittletzter Stelle der umfangreichen Tagesordnung war dieser Punkt angesiedelt. Ratsherr Hans-Gerd Gerdes beantragte, zu Beginn der Sitzung, eine Verlegung auf den Anfang, gerade weil zahlreiche Bürgerinnen und Bürger an diesem Abend anwesend waren. Dies wurde jedoch von zwei Dritteln der Ratsmitglieder abgelehnt, was zu Unverständnis in den Besucherreihen führte.
Und so wurde auch erst zu fortgeschrittener Zeit, kurz vor Mitternacht – da hatten schon einige Besucher den Ratssaal wieder verlassen – darüber entschieden, mit 13 Ja-Stimmen und vier Nein- Stimmen, dass die Gemeinde Butjadingen mit der Objektgesellschaft Burhave GmbH & Co. KG die in der Gemeinde vorliegende Vertragsübernahmevereinbarung abschließt. Zudem wurde Bürgermeister Axel Linneweber angewiesen, als Gemeindevertreter in den Gremien der Butjadingen Kur und Touristik GmbH dem zwischen der Butjadingen Kur und Touristik GmbH und der Objektgesellschaft Burhave GmbH & Co. KG zu schließende Grundstücks-Kaufvertrag zuzustimmen.
Zuvor gab es noch eine längere Diskussion unter den Ratsmitgliedern und auch einem später abgelehnten Antrag auf Vertagung dieses Tagesordnungspunktes. Die Vertragsübernahmevereinbarung wird mit dem Zusatz einer Bankbürgschaft und dem neuen Sitz der Gesellschaft ergänzt.
Der Vertrag sieht unter anderem vor, dass das Vier-Sterne-Hotel bis Ende 2028 fertiggestellt werden soll. Zudem muss der Investor sämtliche Erschließungsmaßnahmen in Höhe von 2.7 Millionen Euro tragen.
Da es auch zu diesem Projekt in der Einwohnerfragestunde zahlreiche Fragen und Anmerkungen von Seiten der Bürgerinnen und Bürger gab, insbesondere mit dem Verweis, dass die Gemeinde Butjadingen beschlossen habe, keine weiteren Ferienwohnungen mehr zuzulassen. Es wurden zahlreiche Bedenken geäußert, wie sich das Hotel auf die Umwelt, die Kanalisation und den Deich auswirken könne. Hier verwies Bürgermeister Axel Linneweber auf die Rückmeldungen der Träger öffentlicher Belange, die sich in keiner Weise negativ geäußert hätten.
„Es geht nicht nur um Immobilien – es geht um Verantwortung, um nachhaltige Nutzung und um die Menschen, die davon betroffen sind“, betonte Axel Linneweber, der hinter dem Hotelprojekt steht. „Wir müssen mehr leisten, als nur ein Gebäude zu errichten. Es geht um ein Konzept, das langfristig trägt und den Anforderungen der Gemeinde gerecht wird.“ Ein Kritikpunkt aus den Reihen der Ratsmitglieder war, dass der Investor keine Referenzen vorlegen konnte. Doch hier verwies der Bürgermeister auf den eigentlichen Investor, Eric Mozanowski, mit dem die Gemeinde Butjadingen bereits in Verhandlungen steht.
Besonders im Fokus steht die Frage, wie mit Investoren umgegangen werden soll. Der Bürgermeister betonte, dass wirtschaftliche Partnerschaften nicht pauschal abgelehnt werden dürfen: „Investoren sind keine Gegner – wir müssen differenziert prüfen, welche Modelle tragfähig sind und welche nicht.“ Dabei geht es auch um die Entwicklung dieses Immobilienprojekts, das mit einer Wertschöpfung von über 200.000 Euro jährlich zur Haushaltsstärkung beitragen könnten.
Die Gemeinde sieht sich in der Verantwortung, ideologiefreie Entscheidungen zu treffen, die dem Gemeinwohl dienen. „Es geht nicht um persönliche Sympathien oder Prinzipien – sondern darum, was für die Zukunft unserer Gemeinde sinnvoll und tragfähig ist.“
Tourismusentwicklung in Burhave: Hotelprojekt als wirtschaftlicher Impulsgeber
Die Gemeinde Burhave steht vor einem bedeutenden Entwicklungsschritt im Bereich Tourismus und Infrastruktur. Die Gründung der Tourismusgesellschaften und die langjährige Forderung nach einem hochwertigen Hotelprojekt haben nun konkrete Formen angenommen. Ein 4-Sterne-Hotel mit 120 Doppelzimmern, Wellnessbereich, Dachrestaurant und Hotelbar soll entstehen – mit dem Ziel, die touristische Wertschöpfung deutlich zu steigern und die regionale Infrastruktur zu stärken.
Die Oldenburgische Industrie- und Handelskammer sowie die Tourismusagentur Nordsee begrüßen das Vorhaben ausdrücklich. Auch die Nordsee GmbH sieht darin eine strategische Ausrichtung, die zur Qualitätssteigerung der gesamten Region beiträgt. Das Projekt soll nicht nur Urlaubsgäste anziehen, sondern auch Dienstleister, Einzelhandel und Gastronomie vor Ort beleben.
„Wir haben bislang maximal 3-Sterne-Angebote – das neue Hotel setzt ein klares Zeichen für Qualität und Attraktivität“, unterstrich Claudio Schrock-Opitz, Geschäftsführer der Tourismus-Servicegesellschaft Butjadingen (TSB). Die Aufenthaltsdauer der Gäste wird auf vier bis sechs Tage geschätzt, was deutlich über dem Durchschnitt von Tagungshotels liegt. Auch Selbstversorgungsmöglichkeiten im Hotel sind vorgesehen, um den Bedürfnissen moderner Reisender gerecht zu werden.
Die wirtschaftlichen Effekte sind erheblich: Laut einer Studie des Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts in München liegt die durchschnittliche Wertschöpfung pro Gast bei über 85 Euro. Bei einer konservativen Schätzung von 67.000 zusätzlichen Übernachtungen ergibt sich ein regionaler Effekt von rund 5,7 Millionen Euro jährlich – zugunsten von Einzelhandel, Gastronomie und Dienstleistern.
Das Projekt ist eingebettet in eine übergeordnete Konsolidierungsstrategie der Gemeinde. Ziel ist es, Einnahmen zu steigern und Kosten besser zu kontrollieren. Der zusätzliche Gästebeitrag sowie die langfristige Auslastung des Hotels sollen zur Haushaltsstabilisierung beitragen.
Ein Investor hat bereits Interesse bekundet, rund 200 Millionen Euro in das Areal zu investieren. Die Gemeinde sieht darin eine große Chance: „Wir dürfen nicht abwarten und hoffen – die Konkurrenz schläft nicht. Links und rechts entstehen neue Hotels. Jetzt ist der Moment, die Entwicklung aktiv zu gestalten“, betonte Claudio Schrock-Opitz. (Foto und Text: Kerstin Seeland)