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26.03.2026, Lokalredaktion
Der Vorsitzende der Kreisjägerschaft Wesermarsch, Jörg Kuck, hat auf der Jahreshauptversammlung des Hegerings Wesermarsch umfassend über aktuelle Entwicklungen im niedersächsischen Jagdrecht, über Herausforderungen im Wildtiermanagement sowie über interne Verbandsangelegenheiten informiert.

Vorsitzender Jörg Kuck machte deutlich, dass die Jägerschaft in einem Jahr tiefgreifender Veränderungen steht. Die Demonstration in Hannover im Januar 2025 habe spürbare Korrekturen an den geplanten Änderungen des Niedersächsischen Jagdgesetzes bewirkt; das Gesetzespaket sei zwar noch nicht endgültig beschlossen, aber weitgehend ausverhandelt. So bleibt es unter anderem dabei, dass Fallenstandorte nicht meldepflichtig werden und der Nutria im Jagdrecht verbleibt. Für wildernde Katzen ist eine Anhebung des Mindestabstands auf 350 Meter vorgesehen.
Besondere Aufmerksamkeit galt der möglichen Abschaffung des Rehwild-Abschussplans. Um eine zeitliche Lücke und damit eine Jagdpause zu vermeiden, wurde vorsorglich ein neuer Dreijahresplan eingereicht und genehmigt, der bis zur tatsächlichen Gesetzesänderung gültig bleibt. Die Jägerschaft spricht sich zudem dafür aus, die Jagdzeit für Rehböcke wieder auf den 15. Oktober zu begrenzen und die allgemeine Rehwildjagd zum 1. Januar enden zu lassen, um die Bestände in den Wintermonaten zu schonen. Kuck betonte, dass die Reviere ihre Abschussplanung weiterhin verantwortungsvoll an die tatsächliche Bestandslage anpassen.
Im praktischen Wildtiermanagement standen die Rehkitzrettung, die Nutria-Bejagung und der zunehmende Einsatz von Nachtsichttechnik im Mittelpunkt. Drei Drohnen fanden in der vergangenen Saison rund 200 Kitze; die Anwesenheit der Revierpächter vor Ort erleichtere die Einsätze erheblich. Mit 1900 erlegten Nutrias verzeichnet die Wesermarsch außergewöhnlich hohe Zahlen. Behörden können eine Bejagung anordnen, wenn Reviere trotz regional hoher Bestände keine Meldungen abgeben. Die Nutzung von Nachtsichttechnik ist um 141 Prozent gestiegen. Der Vorsitzende mahnte eindringlich zur Sorgfalt, insbesondere nach einem Vorfall im Januar, bei dem eine Spaziergängerin verletzt wurde. Der Kugelfang müsse jederzeit eindeutig sein, vor allem in den Sommermonaten, wenn Weidetiere auf den Flächen stehen.
Die Wildtiererfassung erreicht mit 87 Prozent eine hohe Beteiligung; Ziel ist eine Steigerung auf bis zu 95 Prozent. Die Erfassung dient der Trendanalyse und soll künftig per Smartphone möglich sein, um Meldungen direkt nach dem Jagdgang zu erleichtern. Beim Thema Wolf berichtete Jörn Kuck von rund 700 Tieren in Niedersachsen. Für den Fall einer jagdrechtlichen Freigabe schlägt die Jägerschaft eine Bejagung von Jungwölfen im Herbst vor. Wolfssichtungen sollten konsequent gemeldet werden, da der Meldestand jährlich zurückgesetzt wird.
Die Saatkrähe bleibt ein ungelöstes Konfliktfeld: Trotz jahrelanger Vorbereitung wurde die geplante Bejagung kurzfristig durch einen NABU-Einspruch gestoppt. Die Bestände steigen rasant – von 1500 Nestern im Jahr 2018 auf rund 6000 in 2025. Für eine Freigabe muss eine Gesundheitsgefährdung medizinisch nachgewiesen werden.
Auch interne Themen prägten die Versammlung. Die Förderung für Fallenmelder war landesweit stark überzeichnet; dennoch konnte die Kreisjägerschaft 54 Geräte bereitstellen und weitere vergünstigt anbieten. Die Landesjägerschaft plant zudem eine Beitragserhöhung, begründet durch hohe Kosten für Rechtsberatung und Demonstrationen. In der Öffentlichkeitsarbeit setzt der Verband künftig stärker auf Social Media, um die nicht jagende Bevölkerung mit kurzen, mobiloptimierten Videos zu erreichen. (Foto und Text: Kerstin Seeland)