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01.12.2025, Lokalredaktion
In einer Zeit, in der Bilderfluten auf sozialen Netzwerken oft nur Sekundenbruchteile Aufmerksamkeit erhalten, geht eine Oldenburger Fotografin Carola Bührmann bewusst einen anderen Weg. Sie setzt auf Entschleunigung, auf die Kraft der Langeweile als Quelle von Kreativität – und auf die intensive Begegnung mit Menschen vor der Kamera.

Ihre Leidenschaft gilt der Schwarz-Weiß-Fotografie. Farben empfindet sie als Ablenkung, während Kontraste, Licht und Schatten für sie die eigentliche Essenz eines Bildes darstellen. Bereits in der Kamera fotografiert sie monochrom, um die Komposition und die emotionale Wirkung in den Vordergrund zu stellen. Unterbelichtungen nutzt sie gezielt, um Spannung und Tiefe zu erzeugen. „Ein Bild muss den Betrachter zum Nachdenken bringen“, sagt sie – und genau das gelingt ihr.

Die Fotografin ist Mitglied im Haus der Fotografie Oldenburg und engagiert sich dort aktiv. Auf Fotoreisen, unter anderem nach Dänemark, entstanden Werke, die bereits ausgestellt wurden. Besonders eindrucksvoll sind ihre „Lampenschirm-Fotos“ und die „Badewannen-Bilder“. Sie verbinden surrealistische Elemente mit klassischer Bildkomposition und erinnern an große Vorbilder wie Henri Cartier-Bresson oder Jim Rakete. Ein Frauenporträt mit Lampenschirm vor einem Industriefenster oder eine Szene am Flusslauf mit Gummistiefeln und Lampenschirm – ihre Arbeiten überraschen, irritieren und faszinieren zugleich.
Ihre Arbeitsweise ist geprägt von Nähe und Vertrauen. Vor jedem Shooting nimmt sie sich Zeit, mit den Models ins Gespräch zu kommen. Aus dieser Verbindung entstehen oft neue Ideen, die weit über die ursprüngliche Konzeption hinausgehen. So entstehen Porträts, die nicht nur die äußere Erscheinung zeigen, sondern eine zweite Ebene eröffnen – die menschliche Komponente.
Technisch arbeitet sie bevorzugt mit Festbrennweiten von 50 und 85 Millimetern, oft mit offener Blende, um ein charakteristisches Bokeh zu erzeugen. Landschaften hält sie mit 26 Millimetern fest. Doch Technik ist für sie nur Mittel zum Zweck: Entscheidend ist die künstlerische Aussage.
Ihre Bilder sind keine gefälligen Instagram-Porträts, sondern Kunstwerke mit Tiefgang. Sie lebt ihre Leidenschaft kompromisslos, unkonventionell und ohne Angst vor Kritik. „Kunst entsteht erst, wenn man sich traut, unbefangen zu arbeiten“, betont sie. Genau diese Haltung macht ihre Arbeiten zu einem inspirierenden Gegenpol zur schnelllebigen Bilderwelt unserer Zeit.
Mit ihrer Schwarz-Weiß-Fotografie schafft sie Momente des Innehaltens. Wer ihre Werke betrachtet, spürt, wie der Kopf auf „Pause“ drückt – und entdeckt die Schönheit von Ruhe, Tiefe und menschlicher Nähe.
Die Ausstellung ist bis zum 25. Januar 2026 sonntags von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Leider ist die Galerie nicht barrierefrei. Vom 15. Dezember 2025 bis 3. Januar 2026 ist die Galerie geschlossen. (Fotos: Madita Hessler, Text: Kerstin Seeland)