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09.11.2025, Lokalredaktion
Bei der sehr gut besuchten Vernissage am Sonnabend, in der Galerie Schönhof, führte Galeristin Wibke Heumann mit der Künstlerin Doris Hauptmann. Die Ausstellung ist noch bis zum 4. Januar 2026 zu sehen. Die Öffnungszeiten der Galerie Schönhof sind dienstags – freitags von 15 – 18 Uhr, samstags von 11 – 18 Uhr, sonn- u. feiertags von 11 – 18 Uhr. Montags ist die Galerie geschlossen.

Der Künstlerin gewährte einen tiefen Einblick in ihre kreative Welt, die sich zwischen Kindheitsfaszination, physikalischer Neugier und künstlerischer Selbstfindung entfaltet. Ihre Werke sind mehr als bloße Bilder – sie sind emotionale Momentaufnahmen, die den Betrachter in eine Landschaft der Erinnerung und Bedeutung entführen.
Im Zentrum ihrer Arbeit steht die Begeisterung für den Augenblick, für Szenen, die man nicht vergessen kann. Am Beispiel des Tryptichons, das der Hamburger Hafen mit seinen Containerriesen, seiner industriellen Ästhetik und dem Wandel hin zur Nachhaltigkeit zeigt, dient als wiederkehrendes Motiv. Dabei verband die Künstler technische Herausforderungen mit einer kindlichen Bewunderung und schafft Werke, die sowohl dokumentieren als auch interpretieren.
Ihre künstlerische Reise begann früh – mit einem Theaterbesuch in der Grundschule und dem Staunen über Lichtreflexe auf einem Teppich. Später entdeckte sie im Physikunterricht die Schönheit physikalischer Gesetze und begann, diese in grafischen Skizzen und Formen umzusetzen. Geschwindigkeit, Masse und Bewegung wurden zu gestalterischen Elementen, die ihre Bildsprache prägen.
In ihren Stillleben und Kompositionen verstecken sich oft subtile Hinweise – etwa Sternbilder wie das der Fische, das auf mythologische Geschichten verweist, oder Aufschriften wie „Respect Nature“, die ihre Haltung transportieren. Diese Details laden zur Entschlüsselung ein und machen ihre Werke zu mehrdimensionalen Erzählungen.
Beeinflusst von Künstlern wie Kandinsky und Michelangelo, verbindet sie in ihren Bildern Linien, Flächen und Naturbeobachtungen mit einem tiefen Verständnis für das Geistige in der Kunst. Ihre Werke sind Ausdruck einer lebenslangen Suche nach Bedeutung, Schönheit und Struktur – eine Einladung, genauer hinzusehen und sich berühren zu lassen.
Doris Hauptmann beschreibt ihre Arbeitsweise und die emotionale Tiefe, die in jedem ihrer Werke steckt. Es beginnt oft mit einem flüchtigen Moment – etwa dem Sonnenaufgang, der ein Gefühl von Erwartung und Zerbrechlichkeit auslöst. Ein Bild entsteht nicht aus einem einzigen Impuls, sondern aus einem komplexen Prozess des Sehens, Fühlens und Schichtens.
Ihre Malerei ist mehrschichtig – sowohl technisch als auch gedanklich. In der ersten Phase legt sie Farbtöne nebeneinander, versucht sie präzise zu treffen und beobachtet, wie sie sich gegenseitig beeinflussen. Oft stellt sich dabei heraus, dass die ursprüngliche Harmonie gestört wird – ein Prozess, der sie dazu bringt, erneut zu überarbeiten, zu verdünnen, zu korrigieren. Es ist ein ständiges Ringen um Balance und Ausdruck.
Doris Hauptmann vermeidet bewusst plakative Flächen und sucht stattdessen nach Tiefe und Nuancen. Fehler werden nicht versteckt, sondern integriert – als Teil des lebendigen Prozesses. Die finale Phase ihrer Werke ist geprägt von Lichtakzenten und Details wie Tautropfen, die dem Bild eine poetische Vollendung verleihen.
Ihre Kunst ist eine Reflexion über das Leben selbst – über das Risiko, das Scheitern, das Wiederholen und das Streben nach Wahrhaftigkeit. Sie ist geprägt von einem dokumentarischen Blick, der nicht nur das Sichtbare, sondern auch das Unsichtbare festhalten will. (Fotos und Text: Kerstin Seeland)