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26.07.2026, Lokalredaktion
Die Landfrauenvereine Jade und Schweiburg luden am Donnerstag, 23. Juli 2026, zur großen Podiumsdiskussion ins Walter‑Spitta‑Haus ein. Unter der Moderation von Kerstin Seeland (Wesermarsch Aktuell) stellten sich die Bürgermeisterkandidaten den mehr als 80 Anwesenden vor und diskutierten engagiert über die zentralen Zukunftsthemen der Kommune. Die Veranstaltung bot einen umfassenden Einblick in die Positionen der Bewerber.

Persönliche Vorstellungen: Fünf Kandidaten, fünf Wege nach Jade
Zum Auftakt präsentierten die Kandidaten ihre persönlichen Hintergründe und Motivation.
Stefan Grolig berichtete von seinen langjährigen Erfahrungen in Jaderberg und hob die Bedeutung eines respektvollen Miteinanders hervor. Er setzt auf Gemeinschaftssinn, neue Begegnungsangebote und stärkere Nachbarschaftshilfe: „Es gibt so viel Bedarf für ältere Menschen, die jemanden zum Einkaufen bräuchten. Vielleicht können wir da noch sensibler werden.“
Andreas Quelle, in Jade geboren und aufgewachsen, brachte vielfältige berufliche Stationen ein – vom Schornsteinfeger über die Finanzbranche bis zur Organisationsentwicklung. Seine Motivation: die Gemeinde wirtschaftlich stärken und Potenziale heben. „Umso länger jemand selbstbestimmt zu Hause leben kann, umso mehr Lebensqualität hängt da ja auch dran.“
Nils Möhlmann, Verwaltungsfachwirt und Mitarbeiter im Ordnungsamt der Gemeinde Jade, kennt die Gemeindeverwaltung von innen. Er lebt mit seiner Patchwork‑Familie in Schweiburg und betonte die Bedeutung von Bürgernähe und Ehrenamt: „Lasst uns Jung und Alt zusammenkommen. Lasst uns Veranstaltungen machen, wo Jung und Alt gemeinsam etwas schaffen.“
Tamara Heinemann, Erzieherin, setzt auf Transparenz und Generationenverbindung: „Wir brauchen nicht immer nebeneinander her leben. Wir können auch miteinander leben.“ Sie sprach sich für einen Bürgerbus und Vergünstigungen für Senioren aus.
Andreas Sturitis, rechtlicher Betreuer, arbeitet täglich mit älteren Menschen und kennt deren Herausforderungen aus nächster Nähe: „Die nächsten 15, 20 Jahre wird unsere Altersschicht immer älter werden. Wir müssen näher zusammenrücken.“
Schwerpunkt Seniorenarbeit: Selbstbestimmung und Nähe
Alle Kandidaten waren sich einig: Die Gemeinde muss ältere Menschen stärker unterstützen. Stefan Grolig regte eine Begegnungsstätte für Jung und Alt sowie eine Telefonstation für schnelle Hilfe an. Andreas Quelle möchte frühere Angebote wie den mobilen Supermarkt wiederbeleben. Nils Möhlmann setzt auf gemeinsame Aktivitäten und Gewerbetreibende als Partner. Tamara Heinemann betonte die Bedeutung von Mobilität und sozialen Kontakten. Andreas Sturitis verwies auf generationenübergreifende Projekte und Bürgerbus‑Modelle.
Feuerwehr: Pflichtaufgabe mit Investitionsdruck
Ein zentrales Thema war die Ausstattung der vier Ortswehren in Jade. Andreas Quelle betonte die Pflicht der Gemeinde, Gerätehäuser und Fahrzeuge zu erneuern: „Es ist eine Pflichtausgabe. Wir haben gar keine andere Wahl.“ Nils Möhlmann erläuterte den neuen Feuerwehrbedarfsplan und die großen Investitionsbedarfe: „Wir kommen gar nicht drum herum, dass wir da Geld aufnehmen müssen.“ Tamara Heinemann zeigte sich beeindruckt von der Arbeit der Ehrenamtlichen und den teils schwierigen Bedingungen in den Gerätehäusern. Andreas Sturitis hob die Bedeutung der Nachwuchsarbeit hervor, etwa durch die geplante Jugendfeuerwehr. Grolig ergänzte die Rolle von Fördervereinen und externen Unterstützern.
Straßen und Radwege: Sicherheit, Sanierung und Tourismus
Die Gemeinde Jade unterhält rund 100 Kilometer Gemeindestraßen – eine große Herausforderung angesichts Moorboden, Verschleiß und begrenzter Mittel. Tamara Heinemann betonte die schwierigen Bodenverhältnisse und die Notwendigkeit realistischer Planung. Andreas Sturitis verwies auf das bestehende Straßensanierungskonzept und die Zuständigkeiten zwischen Gemeinde und Landkreis. Stefan Grolig legte den Fokus auf Verkehrssicherheit und Sensibilisierung: „Ich bin hier sogar für Tempo‑30‑Zonen in der ganzen Gemeinde.“ Andreas Quelle plädierte für interkommunale Zusammenarbeit beim Radwegebau, insbesondere im Hinblick auf den Tourismus und Nils Möhlmann betonte, dass die Bestandssicherung ein wichtiger Faktor sei.
Finanzen: Der gemeinsame Nenner aller Herausforderungen
Immer wieder kehrte die Diskussion zu den Gemeindefinanzen zurück. Alle Kandidaten betonten, dass die kommenden Jahre finanziell anspruchsvoll werden. Andreas Quelle sieht die Finanzen als zentralen Hebel für alle anderen Themen. Nils Möhlmann fordert stärkere Unterstützung durch Land und Bund. Tamara Heinemann setzt auf Ehrlichkeit gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern. Andreas Sturitis betonte die Notwendigkeit strategischer Fördermittel und Stefan Grolig möchte zusätzliche Einnahmequellen über Fördervereine und Unternehmensspenden erschließen.
Ein Abend voller Engagement und klarer Worte
Die Podiumsdiskussion zeigte eindrucksvoll, wie vielfältig die Perspektiven der Kandidaten sind – und wie groß das Interesse der Bevölkerung an der Zukunft ihrer Gemeinde bleibt. Die Landfrauenvereine Jade und Schweiburg schufen einen offenen Rahmen für Austausch, Fragen und konstruktive Diskussionen. (Text: Kerstin Seeland, Fotos: Madita Hessler)