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20.02.2026, Lokalredaktion
Eine ausgewogene und gesunde Ernährung ist wichtig – besonders im Alter. Um noch zusätzlichen Schwung in den eigenen Speiseplan zu bringen, holte sich das Team um Küchenchef Uwe Christians drei echte Ernährungsexpert*innen für einen Kochworkshop ins Haus.

„Oh, das ist aber lecker“, schallt es aus gleich allen Ecken des Raums. Im großen Speiseraum des Wohnparks Lemwerder ist das angesichts zahlreicher Bewohner*innen und ebenso vieler Geschmäcker nicht ganz ungewöhnlich – in der im wahrsten Sinne unter Volldampf stehenden Küche hört man diese Worte jedoch eher selten, arbeiten hier doch alle Kräfte nach bewährten Mustern und Rezepten Hand in Hand. Diesmal ist jedoch vieles anders. Verderben mehrere Köche bekanntermaßen den Brei, lässt Küchenchef Uwe Christians ganz unprätentiös diesmal auch andere Topfgucker mitspielen. Darunter nicht nur, mit Verlaub, „Küchenlaien“ wie den Vorstand des AWO Bezirksverbandes, sondern auch die kollegialen Vollprofis aus anderen Großküchen der AWO Weser-Ems – und eben ein bis dato unbekanntes Trio mit geballter Expertise.
Grüner Frischkäse, Süßkartoffel-Karotten-Suppe, Saisonaler Gemüsestrudel oder Klopse „Königsberger Art“ mit Grünkern und Kapernsoße – Rezepte, die bislang noch nicht den Weg zur Umsetzung so wie heute und hier fanden, hat Martin Horn mitgebracht. Er ist Fachkoordinator der AWO Potsdam, leitet selbst die Küche mehrerer Seniorenzentren ebenda, und hat zusammen mit Thomas Diekamp (Projektleiter und Referent für Klimaschutz Qualitätsmanagement und Nachhaltigkeit der AWO) sowie Ökotrophologin Saskia Wendt („KLUG“ – Die Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit) den Teilnehmenden aus Einrichtungen zwischen Nordsee und Osnabrücker Land ganz praktisch das Konzept „KidZ“ vorgestellt.
„Wir möchten gerne vermitteln, wie nachhaltige Ernährung gelingen, dabei aber zugleich lecker, abwechslungsreich und gesund sein kann – denn nachhaltig essen bedeutet nicht Verzicht, sondern Vielfalt“, sagt Thomas Diekamp, „wir haben hier und heute aber schnell merken müssen, dass wir damit fast etwas zu spät kommen, hier läuft es schon sehr sehr gut.“ Dass dennoch nicht nur gemeinschaftlich gekocht und direkt am Herd bereits geschlemmt wird, sondern dazu jede Menge Infos über Klima, Nachhaltigkeit und Ernährungsbalance ausgetauscht werden können, unterstreicht die allseitigen Ambitionen.
Fakt ist: Lebensmittel können einen wichtigen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten. Wer weniger Verpackung nutzt oder den Fleischanteil reduziert, schont Ressourcen und das Klima. Eine vorwiegend pflanzenbasierte Ernährung wirkt sich zudem positiv auf die Gesundheit aus – sie senkt das Risiko vieler Krankheiten und kann bestehende Beschwerden mildern. Dass all das insbesondere in größeren Küchen und für Bewohner*innen im fortgeschrittenen Alter sinnvoll ist, steht außer Frage.
„Wir werden nicht müde, Abläufe zu optimieren und das bestmögliche Angebot für unsere Bewohner*innen zu schaffen“, so Uwe Christians – unter anderem werden daher beispielsweise Frühstücks- und Abendbuffets angeboten, die nicht nur das selbstbestimmte Leben der Bewohner*innen fördern, sondern auch einen gezielteren Einkauf ermöglichen und nicht zuletzt deutlich weniger Müll produzieren. Von Lebensmittelverschwendung ganz zu schweigen.
Dass all die Theorie zwischen dampfenden Töpfen, heißen Pfannen und gefüllten Speiseplatten noch Platz findet, beeindruckt alle Beteiligten. „Wer hätte gedacht, dass wir jemals zusammen am Herd stehen?“, bemerkte Thomas Elsner (Vorstandsvorsitzender) ins Rund, „aber ich muss sagen: tolle Truppe!“ Und tatsächlich hätten wohl weder die Küchenkräfte selbst noch Thore Wintermann (Vorstand Verband und Politik) und Christoph Fehringer (kaufmännischer Vorstand) jemals vermutet, gemeinsam Zwiebeln zu schneiden und Möhren zu hacken … Klar, nicht jeder bringt da möglicherweise das gleiche Geschick am Löffel an den Tag, aber wie im Pflegealltag, so auch in der Küche: Man hilft sich gegenseitig!
KidZ – Köstlich in die Zukunft
Wie sieht ein Speiseplan aus, der gut schmeckt und gut für Mensch und Klima ist? Dieser Frage geht das Projekt „KidZ“ nach. Das Programm wird vom AWO Bundesverband und der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG) getragen – mit Unterstützung des BKK-Dachverbandes. Ansprechpersonen sind Thomas Diekamp (thomas.diekamp@awo.org) sowie Saskia Wendt (saskia.wendt@klimawandel-gesundheit.de)von KLUG.
Grundprinzipien einer gesunden Ernährung …
…sind bspw.: Mehr pflanzliche Lebensmittel auf den Teller, tierische Produkte bewusst und naturbelassene Milchprodukte genießen, weniger Zucker und stark verarbeitete Lebensmittel verwenden, dazu nachhaltig und achtsam essen. Eine vorwiegend pflanzenbasierte Ernährung senkt das Risiko oder unterstützt die Behandlung von u.a. Bluthochdruck, Schlaganfall, Diabetes mellitus Typ 2, bestimmten Krebserkrankungen und entzündlichen Gelenkbeschwerden. Zudem trägt sie dazu bei, Grundlagen für ein gesundes Leben zu erhalten durch weniger Treibhausgasemissionen, sauberere Luft und Gewässer, gesündere Böden wie der Schutz von Pflanzen- und Tierarten.
Weshalb sich die AWO für nachhaltige Ernährung einsetzt:
Allein in den rund 600 Pflegeeinrichtungen werden täglich etwa 60.000 Mahlzeiten ausgegeben. Mit einer Verpflegung, die auf pflanzliche Lebensmittel setzt und Fleisch bewusst integriert, tragen wir aktiv zur Gesundheitsförderung der Bewohner*innen und zum Erhalt der Lebensgrundlagen bei. Eine überwiegend pflanzliche Ernährung verursacht deutlich weniger CO2-Emissionen und benötigt weniger Wasser und Ackerland. Daher ist die Umstellung auf eine klimafreundliche Ernährung ein wichtiger Hebel, um vor 2040 klimaneutral zu werden. (pm/lr – Fotos: © AWO Weser-Ems)
Titelfoto: Küchenchef Uwe Christians überwacht die Arbeit des Vorstands