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06.09.2025, Lokalredaktion
Trotz des meteorologischen Herbstbeginns begrüßte die Gemeinde Lemwerder 125 Gäste zum traditionellen Sommerempfang 2025. Der Empfang bot Gelegenheit zum Austausch und zur Vernetzung zwischen Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Kirche, Feuerwehr, Hilfsorganisationen, Ehrenamt und Verwaltung. Die Veranstaltung unterstreicht die enge Verbundenheit der Gäste mit der Gemeinde und ihren Menschen.
Bürgermeisterin Christina Winkelmann begrüßte auch politische Vertreter verschiedener Ebenen, darunter der MdL und Minister a.D. Björn Thümler und Landrat Stephan Siefken, Auch Bürgermeisterinnen und Bürgermeister aus benachbarten Kommunen wie Elsfleth, Berne, Jade und Stadland waren anwesend und trugen zur überregionalen Verbundenheit bei.
Ein zentrales Anliegen des Abends war die Würdigung des ehrenamtlichen Engagements, das das Fundament des Gemeinwohls bildet. Ob in Vereinen, Kirchen, Hilfsorganisationen oder der Feuerwehr – die Gemeinde dankt allen, die ihre Zeit und Energie für das Gemeinwesen einsetzen.
Trotz der positiven Stimmung thematisierte Christina Winkelmann auch die angespannte Finanzlage. Die Gemeinde Lemwerder sieht sich 2025 mit einem defizitären Haushalt konfrontiert – verursacht durch sinkende Gewerbesteuereinnahmen und hohe Sanierungskosten der kommunalen Kita. Diese Entwicklung spiegelt sich bundesweit wider: Kommunen verzeichneten 2024 ein Rekorddefizit von 24 Milliarden Euro. Ursachen sind stagnierende Steuereinnahmen, steigende Personalkosten und Sozialausgaben. Der Investitionsstau in Bereichen wie Straßenbau, Brandschutz und Bildung erfordert dringend ein unbürokratisches Kommunalinvestitionsprogramm, um die Zukunftsfähigkeit der Gemeinden zu sichern.
Die finanzielle Lage vieler Kommunen bleibt angespannt – trotz der Unterstützung durch Bund und Land. Die Bürgermeisterin stellte in ihrer Rede die aktuellen Fördermaßnahmen vor und ordnete sie kritisch ein.
Das Sondervermögen „Infrastruktur und Klimaschutz“ des Bundes umfasst 100 Milliarden Euro. Für Niedersachsen bedeutet das rund 25 Euro pro Einwohner – für Lemwerder etwa 168.000 Euro jährlich bzw. 2,1 Millionen Euro über zwölf Jahre. Eine größere Maßnahme ließe sich damit jedoch kaum realisieren. Weitere Mittel zur Kompensation von Gewerbesteuerausfällen sind angekündigt, aber die Verteilung ist noch unklar. Einmalige Zuwendungen von 37 Euro pro Einwohner aus einem niedersächsischen Fördertopf bringen Lemwerder rund 262.000 Euro – zu wenig für den Bau einer Schule oder Kita. Die Bürgermeisterin betonte: „Diese Hilfen sind ein richtiger Schritt, aber sie reichen nicht aus. Besonders kleinere Gemeinden mit einer Pro-Kopf-Verschuldung von 4.300 Euro stehen unter enormem Druck.“
Die Investitionskosten für den Ausbau des Ganztagsangebots sind hoch. Ein Zuschuss von 40 Euro pro Einwohner reicht bei Baukosten von über 4.400 Euro pro Quadratmeter nicht aus. Auch die laufende Finanzierung der Betreuung ist unzureichend: 10.000 Euro pro Schuljahr lassen keine angemessene Vergütung pädagogischer Fachkräfte zu.
Trotz aller Herausforderungen rief die Bürgermeisterin zu Ehrlichkeit gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern auf. „Wenn die Daseinsvorsorge nicht mehr funktioniert, droht eine Spaltung der Gesellschaft. Wir müssen auf allen Ebenen gegensteuern – mit Zusammenhalt und einem offenen Dialog.“
Abschließend appellierte die Bürgermeisterin an die Gäste: „Lassen Sie uns heute Abend den kurzen Wegen und persönlichen Kontakten in unserer Gemeinde nutzen. Netzwerken Sie, tauschen Sie Ideen aus – denn nur gemeinsam können wir die Herausforderungen meistern.“
Die Ratsvorsitzende der Gemeinde Lemwerder, Viktoria Heller, würdigte das Ehrenamt als tragende Säule der Gesellschaft gewürdigt. Ob in Vereinen, Feuerwehr, Jugendarbeit, Flüchtlingshilfe oder politischen Ortsvereinen – viele Bürgerinnen und Bürger engagieren sich mit großem Einsatz für das Gemeinwohl. „Dieses Engagement stärkt nicht nur das Miteinander, sondern auch unsere demokratischen Strukturen“, betonte sie.
Doch das Ehrenamt steht unter Druck: fehlender Nachwuchs, begrenzte Gestaltungsspielräume und finanzielle Engpässe erschweren die Arbeit. „Leere Kassen lassen auch die Gemeinderäte oft machtlos erscheinen – dabei braucht es gerade jetzt aktive Mitgestaltung vor Ort“, sagte Viktoria Heller.
Abschließend rief sie dazu auf, die Rahmenbedingungen zu verbessern: bezahlbarer Wohnraum, moderne Bildungseinrichtungen, digitale Infrastruktur und weniger Bürokratie. „Denn nur mit starken Kommunen und engagierten Menschen kann unsere Gesellschaft zusammenhalten und Zukunft gestalten“. (Foto und Text: Kerstin Seeland)