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07.06.2026, Lokalredaktion
Rund um das Mehrzweckhaus in Nordenham feierte das Refugium Wesermarsch am Sonnabend sein 20‑jähriges Bestehen am Standort Nordenham – ein Jubiläum, bei dem zahlreiche Gästen, politische Vertreterinnen und Vertretern sowie vielen Wegbegleitende zugegen waren. Bei strahlendem Sommerwetter, Musik, Tanz und internationaler Küche wurde deutlich, wie sehr das Refugium in zwei Jahrzehnten zu einem festen Bestandteil der sozialen Landschaft der Stadt geworden ist.

Landrat Stephan Siefken würdigte in seinem Grußwort die Bedeutung des Vereins für die gesamte Region. Das Jubiläum sei weit mehr als ein feierlicher Anlass: „Es zeigt, dass aus einer guten Idee eine feste Adresse geworden ist – ein Ort des Schutzes, der Orientierung und der Zuversicht.“

Er hob hervor, dass Vertrauen nicht durch Aktenzeichen entstehe, sondern durch menschliche Begegnung. Integration beginne im Alltag – beim Zuhören, beim Erklären von Formularen, beim Begleiten zu Behörden. „Ihr schenkt den Menschen Zeit, Kraft und Herzblut. Ihr öffnet Türen, wenn Wege verschlossen scheinen.“ Der Landrat unterstrich, dass die Arbeit des Refugiums auch in Zukunft unverzichtbar bleibe: „Ihr macht unsere Gesellschaft menschlicher – und damit stärker.“

Auch Nils Siemen, Bürgermeister der Stadt Nordenham, gratulierte herzlich zum Jubiläum. Er erinnerte an die Anfänge in den 2000er‑Jahren, als im Rahmen des Projekts „Soziale Stadt“ erste Begegnungsräume in Einswarden entstanden. Besonders hob er das Engagement von Zeliha Aykanat hervor, die damals ohne Zögern ein Frauenprojekt übernahm und damit wichtige Grundlagen legte.
Nils Siemen bekräftigte die enge Zusammenarbeit zwischen Stadt und Refugium: „Ihr organisiert Sprachkurse, Ämtergänge, Hilfen beim Einrichten – Dinge, die wir als Stadt allein gar nicht leisten könnten.“ Besonders beeindrucke ihn, dass viele Mitarbeitende selbst einmal Ratsuchende waren: „Das ist gelebte Solidarität und ein starkes Zeichen für eine funktionierende Gesellschaft.“

Altbürgermeister Hans Francksen blickte auf die frühen Jahre zurück und erinnerte an den Gemeinschaftsgarten, der 2009 gemeinsam mit dem Kleingartenverein am Wasserturm entstand. „Menschen sollten gemeinsam pflanzen, pflegen und wachsen sehen, was sie geschaffen hatten – ein Bild dafür, wie auch menschliches Zusammenwachsen gelingt.“
Er würdigte besonders jene, die vor Jahrzehnten selbst als Zugewanderte nach Nordenham kamen und heute zu den Gastgebern gehören: „Das ist eine beeindruckende Entwicklung und ein starkes Zeichen für gelungene Integration.“

Sivalingam Sireetharan, langjähriger Mitarbeiter des Refugiums, blickte auf zwei Jahrzehnte intensiver Arbeit zurück. Mit Unterstützung des Paritätischen Niedersachsen habe man zunächst in Einswarden, später im Zentrum Nordenhams Räume geschaffen, die Nähe zu den Menschen ermöglichen. „Unsere Arbeit war immer mehr als Beratung. Sie war Begegnung, Zuhören, praktische Hilfe – manchmal auch Trost und Ermutigung“, meinte sie.
Einen besonderen Dank richtete er an seine Kollegin Zelia Aykanat, deren Engagement und Ausdauer den Aufbau der Arbeit maßgeblich geprägt hätten. Ebenso dankte rt der Stadt Nordenham für die kontinuierliche Unterstützung.

Zelia Aykanat ergänzte das Bild um konkrete Einblicke in den Alltag des Refugiums. Täglich fänden 30 bis 40 Beratungen statt, allein von Januar bis Mai dieses Jahres waren es 1.250. „Ich habe ein großartiges Team, das im Büro hervorragende Arbeit leistet.“
Die Themen reichten von Aufenthaltsfragen über Zeugnisanerkennung bis hin zu niedrigschwelligen Deutschkursen, Kinderbetreuung, Lernförderung, Frauenfrühstücken und kreativen Angeboten. „Soziale Arbeit bedeutet, dass man morgens nie genau weiß, was der Tag bringt.“ Sie erinnerte an die großen Herausforderungen der vergangenen Jahre – die Fluchtbewegung 2015, den Syrien‑Krieg, den Ukraine‑Krieg – und dankte den langjährigen Partnern im Sozialamt für die enge Zusammenarbeit. Besonders hob er das Bündnis „Nordenham ist bunt“ hervor, das wichtige Arbeit gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit leiste.
Nach all den Grußworten stand erst einmal das gemeinsame Feiern im Vordergrund. Das Jubiläum wurde von einem bunten Rahmenprogramm begleitet kühlen Getränke, Kuchen, Gegrilltem und internationale Speisen, Spiele für Kinder und eine große Hüpfburg, Glitzer‑Tattoos am Stand von „Nordenham bleibt bunt“, ein großes Zelt zum Essen, Plaudern und Kennenlernen, die SVN‑Tanzgruppe Gracia unter Leitung von Olga Deutschmann, die verschiedene Tänze und bunten Kostümen aufführte und ein Auftritt der ukrainischen Frauengruppe „Seelenblumen“. Bei strahlendem Sommerwetter nutzten viele Gäste die Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen, zu tanzen und die Vielfalt der Stadtgesellschaft zu feiern. (Fotos und Text: Kerstin Seeland)