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16.05.2026, Lokalredaktion
Nach 14 Jahren engagierter Arbeit verabschieden sich Pastorin Anke Claßen und Pastor Dietmar Reumann‑Claßen aus der evangelisch‑lutherischen Kirchengemeinde Friedrich‑August‑Hütte und Blexen. Anke Claßen wurde bereits offiziell in den Ruhestand verabschiedet, am kommenden Sonntag findet der offizielle Abschied für Dietmar Reumann-Claßen statt – ein Moment, der für beide „ein tiefer Einschnitt“ ist, wie beide betonen.
Ein gemeinsamer Weg seit 2012
Im Oktober 2012 traten beide ihren Dienst in Nordenham an. Pastorin Anke Claßen, gebürtig aus Beeck, bei Geilenkirchen, nahe Aachen, war seitdem Pfarrerin im Pfarrbezirk Friedrich‑August‑Hütte und Vorsitzende des Gemeindekirchenrates.
Der heute 65-jäjhrige Pastor Dietmar Reumann‑Claßen, zuvor in Duisburg tätig, übernahm den Pfarrbezirk Blexen und den Vorsitz des Friedhofsverbandes. Er ist zudem seit Jahren Beauftragter für die kirchliche Urlauberseelsorge im Tourismusgebiet Butjadingen, wo er unter andrem innovative Seelsorgeformate wie die „Zuhör‑Körbe“ am Nordseestrand mitentwickelte.
Schwerpunkte der Arbeit: Kinder, Familien, Gottesdienste und Ehrenamt
Pastorin Anke Claßen, heute 63 Jahre, setzte früh einen Schwerpunkt auf die Kita Regenbogen, die Kinderkirche und die Begleitung von Familien. Die Pfadfinderarbeit, die Kinderkirche und die klassischen Gemeindegruppen prägten ihren Alltag.
Beide Pastoren bauten gemeinsam eine starke Kinderkirche auf, die heute von einem engagierten ehrenamtlichen Team weitergeführt wird. Auch der Besuchsdienstkreis und zahlreiche Gottesdienste werden künftig von Ehrenamtlichen getragen. Dies ist ein Zeichen lebendiger Gemeindestrukturen.
Pastor Reumann‑Claßen initiierte zudem das beliebte Dorffrühstück, das zeitweise bis zu 80 Besucherinnen und Besucher anzog. Auch die Konfirmandenarbeit war für beide ein zentraler Bestandteil ihres Dienstes.
Liturgie, Wandel und Herausforderungen
Ein prägendes Element ihrer Anfangszeit war die Umstellung auf die in der Region übliche gesungene Liturgie, die beide aus dem Rheinland so nicht kannten. Gleichzeitig erlebten sie den tiefgreifenden Wandel der Kirche: In den vergangenen 14 Jahren verlor die Gemeinde rund ein Drittel ihrer Mitglieder – von etwa 4500 auf knapp 2900, wie Pastor Reumann‑Claßen erläutert. Diese Entwicklung sei kein lokales Phänomen, sondern betreffe viele Gemeinden im Oldenburger Land.
Dankbarkeit und Wehmut
Beide Pastoren beschreiben die Verabschiedungen in den Gruppen und Kreisen als „überwältigend“ und „zutiefst berührend“. Die große Wärme und Wertschätzung, die ihnen entgegengebracht wird, sei ein Höhepunkt ihrer Dienstzeit. Gleichzeitig fällt der Abschied schwer: „Viele Beziehungen sind über die Jahre gewachsen, sind belastbar, vertrauensvoll und vielfältig“, sagt Reumann‑Claßen. „Das jetzt zurückzulassen, ist nicht leicht.“
Ein neuer Lebensabschnitt in Schleswig‑Holstein
Nach Pfingsten zieht das Ehepaar nach Schleswig‑Holstein, in die Nähe von Husum. Dort wollen sie zunächst ankommen, das große Grundstück in Ordnung bringen und sich dann neue Aufgaben und Kontakte suchen. „Wir fangen nicht bei Null an, aber wir lassen viel zurück“, sagt Pastorin Claßen. „Die Nähe zum Wasser, der Deich, die Wege – wir haben hier sehr gern gelebt.“
Eine Lücke, die bleibt
Die Pfarrstellen wurden bereits zweimal ausgeschrieben – bislang ohne Erfolg. Wie in vielen Gemeinden der Region bleibt die Nachfolge ungewiss. Die beiden scheidenden Pastoren hoffen, dass die starke ehrenamtliche Basis die Übergangszeit gut überbrückt. (Foto und Text: Kerstin Seeland)