Sie können uns unterstützen

16.09.2025, Lokalredaktion
Der Betriebsratsvorsitzende von Glencore, Klaus Garlichs und die IG Metall Wesermarsch haben heute mit Nachdruck den Konzern Glencore aufgefordert, sich an seine vertraglichen Zusagen zu halten und endlich ein klares Bekenntnis zur Zukunft des Standorts Nordenham abzugeben. Im Zentrum der Forderungen stehen die Einhaltung der Klimaschutzverträge, der sofortige Stopp des geplanten Stellenabbaus sowie die Sicherung der Mitbestimmungsrechte der Betriebsräte.

„Wir verlangen eine verbindliche Beschäftigungssicherung für mindestens fünf Jahre – und das schriftlich“, betonten Klaus Garlichs und Jochen Luitjens, Geschäftsführer der IG Metall Wesermarsch gemeinsam. „Die Belegschaft hat in den vergangenen Jahren viel ertragen, gemeinsam demonstriert und schmerzhafte Einschnitte akzeptiert. Jetzt erwarten wir, dass der Konzern Wort hält.“
Besonders kritisch sehen die Beiden die aktuelle Verzögerungstaktik des Unternehmens. Trotz zugesagter Investitionen in Höhe von 360 Millionen Euro aus dem Klima-Transformationsfonds (KTF) und den Klimaschutzverträgen (KSV) fehlt bislang ein konkreter Fahrplan für den klimaneutralen Umbau des Standorts. Statt klarer Aussagen gibt es nur vage Prüfzusagen – ein Vorgehen, das nicht nur die Belegschaft, sondern auch die Politik alarmiert.
„Die Gelder sind bewilligt, die Bescheide liegen vor. Jetzt muss der Konzern darlegen, wie und wann die Transformation startet“, so Garlichs. Bereits im Oktober und November stehen verbindliche Gespräche mit der Bundesregierung an, bei denen die Zukunft des Standorts konkretisiert werden muss.
Ein Ausstieg aus den Vereinbarungen hätte dramatische Folgen: Ohne Umbau drohen durch steigende CO₂-Preise massive wirtschaftliche Nachteile, die eine Produktion am Standort Nordenham langfristig unmöglich machen würden. 880 Arbeitsplätze allein in Nordenham stünden dann auf dem Spiel.
Klaus Garlichs appelliert daher an die Verantwortung des Konzerns gegenüber den Beschäftigten, der Region und den Steuerzahlern, die mit Subventionen den Standort gestützt haben. „Der Standort ist unsere Lebensversicherung – wer jetzt aussteigt, gefährdet nicht nur Arbeitsplätze, sondern auch die Glaubwürdigkeit der Industriepolitik“, so der Betriebsratsvorsitzende abschließend.
Die Veranstaltung wurde begleitet von zahlreichen politischen Vertretern, darunter MdL Karin Lohmann (SPD), MdL Björn Thümler (CDU), Nordenhams Bürgermeister Niels Siemen, Ratsmitglieder und Vertreter der politischen Parteien sowie Landrat Stephan Siefken. Ihr starkes Interesse unterstreicht die gesellschaftliche Relevanz der Forderungen. Sie alle stehen geschlossen hinter den Forderungen.
Der Standort Nordenham steht vor einer existenziellen Krise. Trotz vertraglich zugesagter Fördermittel in Höhe von über 360 Millionen Euro für die grüne Transformation und Stromsubventionen gibt es seitens des Konzerns keine klaren Bekenntnisse mehr zur Zukunft des Werks. Stattdessen mehren sich die Anzeichen für einen Rückzug aus den Klimaschutzverträgen – mit dramatischen Folgen für die Beschäftigten und die Region.
„Die Brisanz der Lage wird vielen erst jetzt bewusst“, erklärt Klaus Garlichs, „Wir haben alle Betriebsräte am Standort informiert und stehen geschlossen für den Erhalt unserer Arbeitsplätze ein. Die Belegschaft hat sich in den letzten Jahren solidarisch gezeigt, Zugeständnisse gemacht und sich aktiv für die Transformation eingesetzt – jetzt erwarten wir Verlässlichkeit vom Konzern.“
Hier die Fakten:
- Vertragsbruch droht: Die unterzeichneten Klimaschutzverträge sollen laut Konzernseite plötzlich nachverhandelt werden. Statt klarer Zusagen gibt es vage Prüfankündigungen und Vertröstungen bis Oktober/November 2025.
- Politische Termine stehen bevor: Im Oktober und November muss der Konzern gegenüber der Bundesregierung darlegen, wie die zugesagten Mittel verwendet werden und wann die Transformation startet.
- Personalentscheidungen als Warnsignal: Die überraschende Abberufung von Hütten-Chef Thomas Hüser und das Ausscheiden des Energiemanagers Tim Esholt – beide zentrale Figuren des Transformationsprojekts – werfen Fragen auf.
- Vertrauensverlust in die Führung: Der neue Standortleiter Florian von Steinkeller hat sich seit Amtsantritt kaum vor Ort gezeigt. Auch die CFO ist nur sporadisch präsent. Die Belegschaft fühlt sich im Stich gelassen.
- Fehlende Transparenz: Trotz Gesprächsbereitschaft der Betriebsräte fehlen belastbare Zahlen und Zielvorgaben. Statt konkreter Einsparziele kursieren unbestätigte Summen wie „10 Millionen Euro“ – ohne schriftliche Fixierung.
- Kosten für externe PR-Agentur: Der Konzern hat eine der teuersten PR-Agenturen Deutschlands engagiert, um die Kommunikation am Standort zu steuern – ein Schritt, der als Versuch der Beschwichtigung gewertet wird.
- Arbeitsbedingungen unter Druck: Mitarbeitende berichten von Projektarbeit unter hohem Druck, auch in der Freizeit. Eine angekündigte Aufarbeitung der Vorfälle blieb bisher aus.
Ein Rückzug aus den Klimaschutzverträgen würde den Standort wirtschaftlich gefährden. Die jährlich steigenden CO₂-Preise machen eine Produktion ohne Transformation langfristig unrentabel. Auch die IG Metall befürchtet, dass zuerst die Bleihütte abgewickelt wird – mit weitreichenden Folgen für die gesamte Region.
Alle Betriebsräte am Standort haben sich auf ein geschlossenes, öffentliches Auftreten verständigt. „Wir kämpfen gemeinsam für unsere Arbeitsplätze und fordern eine verbindliche Beschäftigungssicherung über mindestens fünf Jahre“, so Klaus Garlichs. „Die Zeit der Beschwichtigungen ist vorbei – jetzt braucht es klare Antworten.“
Auf einen gemeinsam Arbeitskampf für den Standort Nordenham schworen auch Karin Logemann, Björn Thümler, Niels Siemen, Stephan Siefken, Vertrauensleute von Airbus und Betriebsräte des Nachbarunternehmens NKT die Mitarbeitenden ein, die in einem Demonstrationzug vom Werkseingang zum Casino gelaufen sind, um dort an einer Betriebsversammlung teilzunehmen und Einigkeit zu zeigen. (Fotos und Text: Kerstin Seeland)
Titelbild: Konzernbetriebsratsvorsitzender Klaus Garlichs (links, mit der roten Warnweste) und Mitarbeitende vor der Betriebsversammlung