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17.07.2026, Lokalredaktion
Der Ortsverband von Bündnis 90/Die Grünen in Nordenham hat den Entstehungsprozess seines neuen kommunalpolitischen Programms abgeschlossen. Grundlage waren zahlreiche Rückmeldungen aus der Bevölkerung sowie interne Workshops zu den Themenbereichen Zusammenleben, Stadtentwicklung, Infrastruktur und Klima. In einer Pressekonferenz stellten Tanja Wenk, Agnetha Radke und Mareike Suhr‑Krippner das Wahlprogramm für die Kommunalwahl am 13. Stepmber 2026 vor und betonten, dass der Prozess bewusst offen und dialogorientiert gestaltet wurde.
Breite Beteiligung und direkte Rückmeldungen
Zu Beginn wurden parteiintern Ideen gesammelt, anschließend folgte eine niedrigschwellige Online‑Umfrage, in der Bürgerinnen und Bürger ihre wichtigsten Anliegen für Nordenham benennen konnten. Ergänzend dazu fand ein Vor‑Ort‑Dialog auf dem Wochenmarkt statt.
„Uns war wichtig, dass Menschen ihre Gedanken ohne Hürden einbringen können“, sagt Agnetha Radke, Sprecherin des Vorstands. „Viele Rückmeldungen haben unsere bisherigen Annahmen bestätigt, einige haben sie aber auch erweitert oder korrigiert.“
Die Resonanz war vielfältig: Neben Kritik gab es überraschend viel positives Feedback sowie den Wunsch nach mutigen, unkomplizierten Maßnahmen im Alltag. „Der Prozess hat unser Programm bunter gemacht und an einigen Stellen geschärft“, erklärt Mareike Suhr‑Krippner.
Radverkehr, Gehwege und Barrierefreiheit
Ein Schwerpunkt liegt auf der Verkehrsinfrastruktur. Bürgerinnen und Bürger betonten die Bedeutung eines modernen Radwegekonzepts. Obwohl der Stadtrat bereits Mittel für ein Konzept beschlossen hat, wurde die Ausschreibung bislang nicht gestartet.
„Viele Menschen erleben täglich, dass Wege nicht für die gemischte Nutzung ausgelegt sind“, sagt Tanja Wenk. „Das betrifft schnelle E‑Bikes genauso wie Kinder auf kleinen Rädern.“
Auch Gehwege wurden häufig angesprochen: Unebenheiten und Hindernisse erschweren die Nutzung für Menschen mit Rollator, Gehstock oder Kinderwagen. Der Wunsch nach zusätzlichen Zebrastreifen wurde mehrfach geäußert, unter anderem bei der Walther-Rathenau-Straße, in Höhe der Gate-Teiche und am Mittelweg, beim Bahndamm.
Stadtgestaltung und Aufenthaltsqualität
Für die Innenstadt und den Marktplatz wurde ein deutlicher Bedarf an mehr Aufenthaltsqualität formuliert. Genannt wurden schattige Sitzgelegenheiten, Regenschutz sowie Maßnahmen gegen Hitzeinseln. „Viele Menschen wünschen sich Orte, an denen man einfach gern bleibt“, so Suhr‑Krippner. „Das betrifft sowohl die Gestaltung als auch die Nutzbarkeit im Alltag.“
Auch das Thema Stadtsauberkeit spielte eine Rolle. Vorgeschlagen wurden bedarfsgerechtere Mülleimer, darunter solarbetriebene Müllpressen, sowie Beet‑Patenschaften zur Stärkung der Bürgerbeteiligung.
Bahnhof Nordenham und Stadtentwicklung
Beim Bahnhof Nordenham zeigte sich ein breiter Konsens: Viele Bürgerinnen und Bürger sprechen sich für einen Abriss des vernachlässigten Gebäudes aus. Ein Prüfantrag zur Aufhebung des Denkmalschutzes wird vorgeschlagen, um alternative Nutzungen wie Grünflächen oder neue Wegeverbindungen zu ermöglichen. „Der Bahnhof ist für viele ein Symbol dafür, dass Potenziale ungenutzt bleiben“, sagt Radke. „Die Rückmeldungen zeigen klar den Wunsch nach Veränderung.“
Ehrenamt, Vereine und Jugend
Im Bereich Ehrenamt wurde die Idee einer zentralen Plattform entwickelt. Zugezogene müssten mehr informiert und auch die Vielfalt der lokalen Vereinslandschaft sichtbarer gemacht werden.
Jugendliche wiesen darauf hin, dass es an konsumfreien Treffpunkten fehlt. Genannt wurden ein vergünstigtes Schülerticket für die Jahnhalle, Ferienpass‑Aktionen, eine legale Graffiti‑Fläche sowie eine stärkere Einbindung des Jugendparlaments.
Inklusion, Bildung und Soziales
Im öffentlichen Raum sollen Sitzgelegenheiten, Wege und Spielplätze stärker inklusiv gestaltet werden. Symboltafeln zur Überwindung von Sprachbarrieren, die bereits geplant sind, werden bisher nicht umgesetzt. Für Kitas und Grundschulen wird die Sicherstellung von Plätzen für Kinder mit Förderbedarf betont. Viele Schulhöfe bestehen aus Asphaltflächen mit erhöhtem Verletzungsrisiko.
Wirtschaft, Energie und Gesundheit
Unternehmen sollen bei der Transformation zur Klimaneutralität unterstützt werden. Familienfreundliche Rahmenbedingungen gelten als zentral, um Fachkräfte zu halten.
Der Ausbau von Photovoltaik auf öffentlichen Gebäuden wird als wichtiger Baustein gesehen. Im Gesundheitsbereich wird die Ansiedlung von Kinder‑ und Frauenärzten als dringend notwendig beschrieben. Auch die Weiterentwicklung der Weserfähre – etwa durch moderne E‑Fähren – wurde mehrfach angesprochen.
„Der Prozess hat gezeigt, wie viel Wissen und Engagement bei den Bürgerinnen und Bürgern vorhanden ist“, sagt Wenk. „Viele Menschen wünschen sich pragmatische Lösungen, die den Alltag verbessern. Diese Impulse haben wir aufgenommen.“ (Text: Kerstin Seeland, Foto: Bündnis90/Die Grünen Nordenham)
Angeführt wird unsere Liste von Mareike Suhr-Krippner auf Platz 1 und Merle Kauschmann auf Platz 2. Auf den weiteren Plätzen folgen Tanja Wenk, Edda Lorenz, Dr. Claudia Peplau, Sandra Janßen, Lea Lohse, Tobias von Nethen und Alexander Radke.
Titelfoto: Yannick Wempe – von links: Merle Kauschmann, Alexander Radke, Dr. Claudia Peplau, Lea Lohse, Mareike Suhr-Krippner, Tobias von Nethen, Tanja Wenk, Edda Lorenz, Sandra Janßen