Sie können uns unterstützen

06.06.2026, Lokalredaktion
Das Innovationszentrum für Nachhaltigkeit und Produktionstechnologie (INP) hat einen wichtigen Meilenstein erreicht: Die neue Demonstrationsanlage zur Herstellung von grünem Wasserstoff und hochreinem Methanol ist offiziell in Betrieb. Die Anlage gilt als regionales Vorzeigeprojekt für nachhaltige Energietechnologien und wurde gemeinsam mit den vier JadeBay-Landkreisen Wesermarsch, Ammerland, Wittmund und die Stadt Wilhelmshaven sowie weiteren Partnern realisiert. Finanziert wurde das rund 570.000 Euro Projekt zu 40 Prozent über die NBank und 60 Prozent über die beteiligten Landkreise und die Stadt Wilhelmshaven.

Besondere Schwierigkeit bei diesem Projekt war, einen Lieferanten zu finden, da diese Technologie in Deutschland noch nicht so gefragt ist. Viele Firmen halten sich noch zurück, da sie Wasserstoff noch nicht als den Treibstoff der Zukunft ansehen. Landrat Stephan Siefken bezeichnet diesen jedoch als „Champagner der Energiewende“.

Vom Technologiezentrum zum Innovationsmotor der Region
Dieter Sichau, Geschäftsführer des INP, erinnerte an die Ausgangslage: „Als wir das Zentrum neu aufgestellt haben, war klar, dass wir neue Geschäftsfelder brauchen. Die reine Vermietung von Hallenflächen – vor allem an die Luftfahrtindustrie – reichte nicht mehr aus.“ Mit dem Wandel hin zu den Bereichen Energie der Zukunft, digitale Lerntechnologien und Produktionstechnologien wurde das frühere Technologiezentrum zum heutigen INP weiterentwickelt.
Landrat Stephan Siefken bestätigte diesen Kurs: „Die Luftfahrtkrise hat gezeigt, wie wichtig es ist, breiter aufgestellt zu sein. Mit dem INP haben wir heute einen Standort, der Zukunftstechnologien sichtbar macht und für die Region nutzbar macht.“
Grüner Wasserstoff aus eigener Produktion
Herzstück des neuen Energiemoduls ist eine PEM-Elektrolyseanlage, die bis zu 6 Kilogramm Wasserstoff pro Stunde erzeugen kann. Der dafür benötigte Strom stammt aus der eigenen Photovoltaikanlage auf dem Dach des INP. Ein 70‑kW-Batteriespeicher stabilisiert die Versorgung.
Für die Elektrolyse wird extrem reines Wasser benötigt. Das INP gewinnt dieses Wasser aus Regen, der in einem 1.000‑Liter-Tank gesammelt und anschließend über eine moderne Umkehrosmoseanlage auf 99,9 % Reinheit aufbereitet wird. Erst dann gelangt es in die Elektrolyseeinheit, wo es in Wasserstoff und Sauerstoff getrennt wird.
Der erzeugte Wasserstoff wird in Gasflaschen gespeichert und künftig unter anderem zur Wärmeversorgung eines geplanten Anbaus genutzt. „Wir wollen zeigen, dass Wasserstoff im Alltag funktioniert – nicht irgendwann, sondern jetzt“, so Sichau.
Methanol als zweiter Baustein der Energiewende
Neben Wasserstoff produziert das INP auch hochreines Methanol, das für synthetische Kraftstoffe und maritime Anwendungen relevant ist. Rohmethanol aus der Anlage wird zunächst auf etwa 90 % Reinheit erzeugt, anschließend jedoch in einer speziell entwickelten Destillationsanlage auf 99,9 % aufbereitet.
Dieses Reinmethanol wird bereits praktisch eingesetzt: Ein umgebautes Demonstrationsschiff des INP fährt mit einer Methanol-Brennstoffzelle sowie einer Wasserstoff-Brennstoffzelle und kann damit bis zu neun Stunden emissionsfrei unterwegs sein.
Prof. Dr. Lutz Stührenberg, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Wesermarsch, betonte die Bedeutung der Verzahnung: „Hier greifen Projekte ineinander – vom Wasserverband über die JadeBay bis hin zu Forschungsinstituten. Das INP zeigt, wie regionale Kooperation Energiewende möglich macht.“ Dabei verwies er auch darauf, dass die EWE beabsichtigt, eine Betreibergesellschaft im INP zu gründen, im Hinblick auf eine mögliche Verzahnung der Unternehmen, auch was die Planungen angeht, ein Entnahmewerk an der Weser zu bauen.
Regionale Zusammenarbeit als Erfolgsfaktor
Alexandra Wurm, Geschäftsführerin der JadeBay GmbH, hob hervor, dass sich alle vier Landkreise an der Finanzierung beteiligt haben – ein in dieser Form einmaliger Vorgang: „Dieses Projekt ist so wichtig für die Region, dass wir es gemeinsam tragen. Es ist ein Modell, das sich ausrollen lässt – für Tourismus, Schifffahrt, Industrie und kommunale Anwendungen.“
Auch Dr. Olaf Goldbaum, Leiter des Regionalmanagements der Zukunftsregion JadeBay, unterstrich die Bedeutung der Förderung: „Das Energiemodul ist Teil eines größeren Transformationsprozesses. Die Zukunftsregion unterstützt Projekte, die Innovation und Nachhaltigkeit verbinden – genau das passiert hier.“
Ein Projekt mit Strahlkraft über die Region hinaus
Die Anlage ist eine von nur zwei in Deutschland, die Methanol aus grünem Wasserstoff in dieser Form herstellen können. Nationale Forschungseinrichtungen begleiten das Projekt bereits. Aber auch die EWE und der OOWV sowie die Jade Hochschule in Wilhelmshaven haben Interesse bekundet und über mögliche Kooperationen nachgedacht.
Dieter Sichau fasst zusammen: „Wir wollten nicht nur theoretisch über Wasserstoff reden, sondern zeigen, wie es praktisch funktioniert – von der Erzeugung über die Aufbereitung bis zur Anwendung im Schiffsbetrieb. Das ist uns gelungen. Davon profitieren unter anderem auch die angrenzende Chemieunternehmen, die dann auch ihre Auszubildenden zu INP schicken, um zu erklären, wie Chemie praktisch funktioniert. Das können wir mit unseren Anlagen hier sehr anschaulich darstellen.“ (Fotos und Text: Kerstin Seeland)
Titelfoto: von links – Prof. Dr. Lutz Stührenberg, Geschäftsführer Wirtschaftsförderung Wesermarsch, Dr. Olaf Goldbaum, Leiter Regionalmanagement Zukunftsregion JadeBay, Landrat Stephan Siefken Siefken, Alexandra Wurm, Geschäftsführerin JadeBay und Dieter Sichau, Geschäftsführer INP