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02.05.2026, Lokalredaktion
Mit einer kraftvollen Kundgebung, einem klaren politischen Appell und einem engagierten Mai‑Talk hat der DGB-Kreisverband Wesermarsch am 1. Mai in der Nordenhamer Jahnhalle ein deutliches Zeichen für gute Arbeit, soziale Sicherheit und eine starke Demokratie gesetzt.
Rund um das diesjährige Motto „Erst unsere Jobs – dann eure Profite“ eröffnete Nils Humboldt, Personalrat an der Oberschule am Luisenhof und Mitglied im GEW-Kreisvorstand, die Veranstaltung und vertrat den verhinderten DGB‑Kreisvorsitzenden Mustafa Dogan.

Nils Humboldt: „Beschäftigte halten den Laden am Laufen – nicht die Profiteure“
In seiner Rede machte Humboldt deutlich, dass viele Beschäftigte derzeit unter massivem Druck stehen. Standortverlagerungen, Investitionsstopps und drohende Schließungen seien längst keine Einzelfälle mehr. Die Entwicklungen bei Brötje, Glencore und anderen Betrieben zeigten, wie fragil die Lage sei. Scharf kritisierte er politische Vorstöße zur Aufweichung des Acht‑Stunden‑Tages: „Wer den Acht‑Stunden‑Tag angreift, greift die Gesundheit der Menschen an.“
Er warnte vor einer Politik, die Beschäftigte gegeneinander ausspiele – Jung gegen Alt, krank gegen gesund – und forderte eine gerechte Finanzierung des Sozialstaats, der „Fundament unserer Demokratie“ sei. Auch die Gesundheitsversorgung müsse sich an den Bedürfnissen der Menschen orientieren, nicht an Renditeerwartungen. Humboldt forderte massive Investitionen in Infrastruktur, Klimaschutz und Kommunen: „Heutige Investitionen sind der Wohlstand von morgen.“

Grußwort von Bürgermeister Nils Siemen: Energiewende, Standorttreue und verlässliche Gesundheitsversorgung
Bürgermeister Nils Siemen betonte in seinem Grußwort die Bedeutung des 1. Mai als Tag der Solidarität und erinnerte daran, dass Arbeitnehmerrechte hart erkämpft wurden. Er hob hervor, dass Nordenham ein „Standort der Arbeit“ sei – geprägt von Industrie, Handwerk, Logistik, Pflege, Bildung und Verwaltung. Die Beschäftigten trügen täglich Verantwortung und verdienten Anerkennung.
Mit Blick auf die Situation bei Glencore lobte Siemen das entschlossene Handeln von Betriebsräten, IG Metall und Belegschaft: „Die Zeit der Beschwichtigung ist vorbei – jetzt braucht es Verlässlichkeit und konkrete Zusagen.“ Zur Energiewende sagte er: „Klimaschutz und Arbeitsplätze sind keine Gegensätze. Für einen Industriestandort wie Nordenham ist die Energiewende Zukunftspolitik.“
Ein zentrales Thema war zudem die Zukunft des Krankenhauses in Esenshamm. Eine Herabstufung zur Miniklinik sei keine Option: „Krankenhäuser sind Orte der Sicherheit. Wer an ihnen spart, spart an den Menschen.“
Mai‑Talk: Drei Betriebsräte über Arbeitsbedingungen, Fachkräfte, Transformation und politische Verantwortung
Im anschließenden Mai‑Talk diskutierten mit Moderator Nils Humboldt: Stefan Cassebohm (Olinex Brake), Ralf Feierabend (Helios Klinik Wesermarsch) und Marcel Rattay (Airbus Nordenham).
Zum Thema Stimmung in den Betrieben beschreibt Stefan Cassebohm in der Chemieindustrie vor allem die Sorge vor Inflation, Energiepreisen und Personalabbau, Ralf Feierabend beschreibt die große Unsicherheit wegen der ungeklärten Krankenhausstruktur in der Wesermarsch, dagegen setzt Marcel Rattay eine positive Entwicklung in der Luftfahrtindustrie, sieht aber einen hohen Bedarf an qualifizierten Fachkräften.
Um in den eigenen Betrieben die Fachkräfte zu sichern, öffnet Olinex die Ausbildung auch für Jugendliche ohne klassischen Schulabschlus, bei Airbus wird mehr regionale Zusammenarbeit und stärkere Ausbildungsstrukturen gefordert und die Helios-Klinik setzt auf umfangreiche Weiterbildungen und das Helios‑Netzwerk.
Beim Thema Transformation & Energiewende sehen alle drei Betriebsräte sehen Chancen für die Region – wenn Politik und Unternehmen verlässlich handeln. Auch die Digitalisierung wird als Chance gesehen, birgt aber Risiken wie Arbeitsverdichtung.
Was Politik und Mitbestimmung im Allgemeinen betrifft, bewerten die drei Betriebsräte die Kommunalpolitik überwiegend positiv, währen die Bundespolitik kritisch beobachtet wird. Einigkeit besteht darin, dass Mitbestimmung unverzichtbar ist und auch, dass der 1. Mai ein wichtiger Tag bleibt, um Rechte sichtbar zu machen und junge Beschäftigte zu erreichen.
Die gemeinsame Botschaft des Tages in den vorangegangenen Reden und dem Mai-Talks machten deutlich: Die Wesermarsch braucht starke Betriebe, starke Beschäftigte, starke Gewerkschaften – und eine Politik, die soziale Sicherheit, gute Arbeit und Zukunftsinvestitionen ernst nimmt.
Nils Humboldt fasste es zum Abschluss zusammen: „Keine Errungenschaft ist vom Himmel gefallen. Wir geben keinen Zentimeter preis – nicht heute und nicht morgen.“

Für das musikalische Rahmenprogramm sorgten die „Hafenperlen“, unter der Leitung von Gabi Menzel. Vor der Jahnhalle bot das Arbeitslosenzentrum Grillwurst an und die Gewerkschaften IGBCE, ver.di und der DGB informierten über ihre Arbeit. (Fotos und Text: Kerstin Seeland)
Titelfoto – von links: Stefan Cassebohm, Ralf Feierabend, Marcel Rattay und Nils Humboldt