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30.10.2026, Lokalredaktion
Moderne und nachhaltige Langzeitpflege: 100 neue Einzelzimmer, digitale Stützen und mehr Zeit für Betreuung
Mehr als ein halbes Jahrhundert haben die Mitarbeiter*innen im markanten AWO Altenwohnzentrum beste Dienste für einen guten Lebensabend zahlloser pflegebedürftiger Menschen in der Wesermarsch geleistet. Dies wird auch weiterhin so bleiben – ab spätestens 2030 allerdings nicht mehr am Carl-Zeiss-Weg, sondern dann an der Albert-Schweitzer-Straße. Dort plant die AWO Weser-Ems einen modernen und nicht minder markanten Neubau unter aktuellen Pflegeaspekten und künftig hervorragenden Arbeitsbedingungen zu errichten.
Eine niedrige zweistellige Millionensumme hat die AWO für diesen Ersatzneubau veranschlagt. Da – in der Theorie – eine nötige Sanierung des Bestandsgebäudes enorme Kosten verursachen würde, dies in der Praxis „am offenen Herzen“ aus bautechnischen sowie energetischen Gründen aber ohnehin nicht umsetzbar ist, haben sich AWO Vorstand und Präsidium dennoch einstimmig zum Standort Nordenham bekannt und wollen hier ein hochmodernes Umfeld für Bewohner*innen wie Mitarbeitende schaffen.

Das Gesamtpaket sieht auf einer Fläche von rund 5.000 Quadratmetern nicht nur 100 Einzelzimmer vor (aktuell 67 Einzel- und 14 Doppelzimmer), sondern auch moderne Funktions- und Gemeinschaftsflächen. Mehr noch: Auch in den oberen Geschossen wird es Atrien geben, die mit Tageslicht und Frischluft einerseits für eine attraktive Atmosphäre sorgen, zudem in Sommermonaten übermäßiger Aufheizung ohne zusätzlichem Energieeinsatz entgegenwirken. Apropos: Das Gebäude wird im nachhaltigen KfW-40-Standard mit Wärmepumpen, Geothermie und Photovoltaikanlage samt Speicher gebaut und kann damit ohne fossile Brennstoffe beheizt und mit Warmwasser versorgt werden.

Nicht die einzigen „inneren Werte“, mit denen der Neubau punkten wird. Stichwort Wohnqualität: Bewohner*innen finden dann alsbald größere Zimmer vor, in denen nicht nur mehr Bewegungsspielraum besteht, sondern sich auch technische Hilfsmittel (Lifter, Aufstehhilfe etc.) deutlich unkomplizierter nutzen lassen. Integrierte Sensorsysteme helfen künftig bei der frühzeitigen Sturzerkennung, KI-gestützte Rufanlagen können im Bedarfsfall herausfordernde Situationen schneller klären.

Doch auch Mitarbeiter*innen profitieren erheblich vom Neubau. Für sie verbessern sich Verfahrenswege nahezu schlagartig, grundsätzliche bürokratische Anforderungen können durch den Einsatz digitaler Anwendungen teils automatisiert, aber allemal effizienter gestaltet werden. „Was nicht bedeutet, dass wir durch KI, Robotik oder entsprechender Software weniger menschliche Nähe zeigen – das Gegenteil ist der Fall“, sagt der jetzige und künftige Einrichtungsleiter Matthias Firme, „denn dank digitaler Hilfsmittel bekommen unsere Pflege- und Betreuungskräfte mehr Zeit und somit Freiräume für direkten Austausch und ein warmes Miteinander. Wir optimieren genau dafür die Prozesse und schaffen so ein Mehr an Qualität und Sicherheit.“ Überdies gibt es für sie im Neubau dann auch einen Trainingsraum – hier speziell für Pflege-Auszubildende –, dazu Pausen- und Ruheräume außerhalb der Pflegearbeit, nicht zuletzt eine deutlich ökonomischere Arbeitsorganisation.
Auf dem ehemaligen Helios-Grundstück wird die AWO Weser-Ems für all das eine rund 9.000 Quadratmeter große Teilfläche in Erbpacht übernehmen. Aber möglicherweise nicht nur dafür. Denn auch für einen Ersatzneubau des Sprachheilkindergartens Nordenham wird dort bereits geplant und gerechnet. Dass es hier künftig ein Miteinander von Jung und Älter gibt, die AWO dort Synergien wird nutzen können wie bereits an anderen Standorten umgesetzt oder in Planung (beispielsweise in Oldenburg, Rostrup und Aurich), ist gar nicht mehr so unwahrscheinlich. Zwar sind noch einige wichtige Fragen zu klären, die Planungen sind jedoch weit fortgeschritten.
„Wir sehen die vielen synergetischen Vorteile, die eine Zusammenführung von Pflegeeinrichtung und Kita mit sich bringt – und diese betreffen nicht allein die Arbeitsorganisation, Einkäufe und ähnliche Standards, sondern insbesondere den dann möglichen Austausch und das förderliche Miteinander beider Generationen vor Ort“, so Thomas Elsner.
Der Spatenstich soll, sofern alle erforderlichen Genehmigungen vorliegen und die Vorbereitungen weiterhin planmäßig verlaufen, in 2028 erfolgen. Fertigstellung und Umzug wären demnach für spätestens 2030 geplant.
Eher Raum für Pflege als Wohn- und Freizeitstätte
Pflegeeinrichtungen sind längst nicht mehr „Wohnzentren“ wie noch vor wenigen Jahrzehnten. Die Bedarfe haben sich verändert, die Bedürfnisse nicht minder. Lebten die Menschen hier früher viele Jahre, oft sogar bei bester Gesundheit, sind die Aufenthalte nun deutlich kürzer, im Schnitt weniger als ein Jahr – was insbesondere im gesundheitlichen Zustand der Bewohner*innen begründet ist. Demenz, kognitive Einschränkungen, schwerste Erkrankungen und Multimorbidität sind die häufigsten Begleiter. Dies sorgt dafür, dass der Aufenthalt weniger als Wohn- und Freizeitstätte, sondern vielmehr als echter Raum für Pflege und umfassende Betreuung angelegt ist.
Der AWO Bezirksverband Weser-Ems …
… bietet mit seinen über 4000 Mitarbeitenden zwischen Nordsee und Osnabrücker Land soziale Dienstleistungen in rund 80 Einrichtungen rund um Pflege, Kinderbetreuung, psychosoziale Teilhabe und Beratung an. Alle Infos: https://www.awo-ol.de/
Die Arbeiterwohlfahrt …
…gehört zu den sechs Spitzenverbänden der Freien Wohlfahrtspflege. Bundesweit wirken in ihr über 300.000 Mitglieder, mehr als 72.000 ehrenamtlich Engagierte und 242.000 hauptamtliche Mitarbeiter*innen, um in unserer Gesellschaft bei der Bewältigung sozialer Probleme und Aufgaben mitzuwirken und den demokratischen, sozialen Rechtsstaat zu verwirklichen. (pm/lr – Fotos: Marc Geschonke/AWO Weser-Ems)